Bei Raspberry Pi OS haben Sie die Wahl zwischen drei unterschiedlich ausgestatteten Images [17], die aber auf allen Generationen und Varianten des Raspberry Pi laufen (Abbildung 1). Die Variante Mit Desktop und empfohlener Software (2,9 GByte) bringt etliche nicht freie Software mit. Die Version Mit Desktop (1,2 GByte) dagegen installiert nur freie Software, sieht man von den RasPi-Firmware-Blobs ab. Das 440 MByte schlanke Lite verzichtet auf einen grafischen Desktop und eignet sich für Headless-Systeme und Server.
Als grafische Umgebung dient der Raspberry-Pi-Desktop, eine für den RasPi angepasste Variante von LXDE, die es auch als ISO-Image mit Debian als Basis für herkömmliche x86-PCs [18] gibt. Optional lassen sich auch andere Desktop-Umgebungen über das Paketsystem nachinstallieren. Dabei gehen aber unter Umständen GUI-Anpassungen verloren, die spezifisch für den Raspberry Pi vorgenommen wurden.
Die bereits erwähnten 64-Bit-Images suchen Sie auf dem offiziellen Download-Portal der Raspberry Pi Foundation [18] aktuell noch vergeblich, da das 64-Bit-System für den RasPi noch in der Betaphase steckt. Es empfiehlt sich daher, das Raspberry-Pi-Forum im Blick zu behalten, in dem die Entwickler regelmäßig neue Testversionen vorstellen [19].
In den Beiträgen verlinken sie auf die dazugehörigen, allerdings nicht immer tagesaktuellen Images [20]. Das sollte aber prinzipiell kein Problem sein, denn per apt update und apt full-upgrade bringen Sie alle bereits installierten Pakete auf den aktuellen Stand.
Was dagegen auffällt und gegebenenfalls etwas stört: Es gibt unter der im genannten Forum-Posting verlinkten Adresse bisher nur genau einen Typ von Image, nämlich Mit Desktop. Klicken Sie aber auf dem Download-Server der Raspberry Pi Foundation ein wenig durch die Verzeichnishierarchie, kommen noch Lite-Images in 64-Bit-Fassung zum Vorschein [21].
Probleme, die für die 64-Bit-Images von Pi OS spezifisch sind, verfolgt die Foundation auf Github [22]. So fehlt der 64-Bit-Version zum Beispiel noch die Hardware-Beschleunigung für Chromium und VLC. Es werden zudem unnötigerweise noch 32 Bit-Kernel mitinstalliert, es gibt kein Wolfram Mathematica für ARM-Architekturen mit 64 Bit und diverse Pakete der Foundation wurden noch nicht für 64-Bit-ARM kompiliert.
Die Debian-Images
Die vom Debian-Projekt für den Raspberry Pi angebotenen Images [23] teilen sich ganz anders auf (Abbildung 2). Als Erstes haben Sie die Wahl zwischen zwei grundsätzlichen Image-Varianten. Bei der einen handelt es sich um ein meist nicht komplett aktuelles, dafür aber manuell getestetes Image, auf dem Sie nach dem Installieren erst einmal die seit der Veröffentlichung angefallenen Sicherheitsupdates der Distribution einspielen müssen. Die andere wird tagesaktuell automatisiert gebaut, aber nicht getestet. Die Entwickler raten Nutzern, die getesteten Images zu verwenden.
Egal, wie Sie sich an dieser Stelle entscheiden: Anschließend müssen Sie – ganz anders als bei den Pi-OS-Images – auswählen, auf welcher RasPi-Variante Sie das System installieren möchten. Zur Auswahl stehen hier die folgenden Spielarten:
- Raspberry Pi 0 und 1: getestet auf einem Pi Zero W und 1B mit 512 MByte (Armel-Architektur).
- Raspberry Pi 2: getestet auf einem RasPi 2B (Armhf-Architektur).
- Raspberry Pi 3: getestet auf einem RasPi 3B+ (Arm64-Architektur).
- Raspberry Pi 4: getestet auf einem RasPi 4B mit 4 oder 8 GByte RAM (Arm64-Architektur).
Für einen in der Tastatur integrierten RasPi 400 verwenden Sie das Image für den RasPi 4. Allerdings funktioniert bei den Debian-Images das WLAN des RasPi 400 noch nicht, da er ein minimal anderes Platinenlayout nutzt als der RasPi 4 und die dazugehörenden Device-Tree-Blobs im Kernel von Debian 11 “Bullseye” (Kernel 5.10) noch fehlen.
Zu Redaktionsschluss Ende April 2021, kurz vor der Veröffentlichung von Debian 11 “Bullseye”, unterschied die Liste des Weiteren noch zwischen Images für Debian 10 “Buster” und Debian 11 “Bullseye”. Die “Buster”-Option wird nach der Veröffentlichung von Debian 11 “Bullseye” jedoch verschwinden.
Alle Debian-Images umfassen zwischen 240 MByte und 400 MByte an Daten und installieren keine grafische Oberfläche. Sie entsprechen weitgehend einer Debian-Minimalinstallation, wie sie auch der Debian-Installer erstellt. Hinzu kommen für den Raspberry Pi beziehungsweise für das Aufsetzen per Image zwingend notwendige Pakete.
Dabei dienen parted und dosfstools zum Vergrößern beziehungsweise Pflegen der Partitionen auf der SD-Karte. Das Duo wpasupplicant und wireless-tools kümmert sich um das Herstellen einer Netzwerkverbindung per WLAN sowie um das entfernte Einloggen (via SSH).
Alle Debian-10-Images, außer die für den RasPi 4/400, enthalten noch das unfreie Paket raspi3-firmware, das die für den Mini-PC notwendigen Firmware-Blobs als DEB-Paket bereitstellt. Auf den Debian-11- Images und den Debian-10-Abbildern für den RasPi 4 gibt es das vergleichbare Paket raspi-firmware, das mittlerweile die Firmware für alle Raspberry-Pi-Varianten enthält. Die Debian-10-Images für den RasPi 4 enthalten außerdem auch die Kernel-Pakete aus dem “Buster”-Backports-Repository
Die mit einem Image erstellte Minimalinstallation ergänzen Sie später nach Belieben um gewünschte Pakete. Wollen Sie eine grafische Oberfläche verwenden, installieren Sie auf der Kommandozeile je nach persönlicher Präferenz passende Metapakete nach, wie task-german-desktop, task-german-kde-desktop, task-xfce-desktop, task-lxde-desktop oder task-lxqt-desktop. Für einen LXQt-Desktop lautet das entsprechende Kommando beispielsweise apt install task-lxqt-desktop.
Die Debian-Images kommen aber nicht aus dem Debian-Projekt selbst, da sie unfreie Komponenten benötigen, wie die bereits erwähnten Firmware-Blobs, ohne die der Raspberry Pi nicht bootet. Die Images erstellt ein Team rund um Gunnar Wolf, einen bekannten mexikanischen Debian-Entwickler. Er pflegt auch die nicht freien Pakete raspi-firmware und raspi3-firmware für Debian.







