An dieser Stelle bleibt für Debian zu hoffen, dass irgendwann auch der Versuch, durch Reverse-Engineering aller in den RasPi-Modellen verbauten CPUs eine funktionierende freie Variante [24] der Firmware-Blobs zu schaffen [25], von Erfolg gekrönt ist.
Installation
Beim Kopieren auf eine SD-Karte macht es keinen Unterschied, ob Sie ein Image von Pi OS, Debian oder irgendeinem anderen Betriebssystem einspielen möchten. Für die Installation nutzen Sie entweder ein grafisches Programm wie den Raspberry Pi Imager [3] oder das Dd-Kommando auf der Befehlszeile eines bereits vorhandenen Linux-Systems.
Ein Beispiel für Letzteres zeigt Listing 1. Passen Sie dabei auf, als Zielgerät (of=) auf jeden Fall die SD-Karte anzugeben und nicht aus Versehen eine zum laufenden Betriebssystem gehörende Festplatte oder SSD zu erwischen. Die Gerätedatei ermitteln Sie zum Beispiel über das Kommando lsblk: Es zeigt eine Baumstruktur mit allen eingebundenen Datenträgern, deren Kapazitäten und Gerätedateien an.
Listing 1
Image-Datei transferieren
$ dd if=Image.img of=/dev/sdX bs=1M status=progress; sync
Unterschiede
Auch die installierten Systeme unterscheiden sich in ein paar Details, die vor allem bei einem Wechsel zwischen Pi OS und Debian auffallen. Der erste Unterschied wird direkt beim Login deutlich: Die anfängliche Kombination aus Benutzername und Passwort unterscheidet sich.
Bei Pi OS melden Sie sich standardmäßig als Benutzer pi mit dem Passwort raspberry an. Der mitinstallierte SSH-Server ist inzwischen in der Voreinstellung abgeschaltet, und das Konfigurations-Tool Raspi-config weigert sich, den SSH-Daemon zu aktivieren, bevor Sie das Passwort geändert haben.
Bei den Debian-Images hingegen läuft der SSH-Daemon per Default, doch es gibt zu Beginn keinen speziellen Benutzer. Es existiert nur der Superuser root (plus ein paar technisch notwendige Accounts, die es auf jedem Debian-System gibt), der kein Passwort hat. Beim Login auf der Textkonsole tippen Sie also einfach root, drücken zweimal die Eingabetaste und sind damit angemeldet. Ist das nicht eine eklatante Sicherheitslücke? Nein: In der Standardeinstellung des SSH-Daemons schalten Debian und dessen Derivate das Einloggen als Root per SSH ab. Umstritten ist diese Einstellung nichtsdestotrotz.
Ein lokales Sicherheitsproblem haben direkt nach der Installation beide Varianten, wenn jemand physischen Zugang oder einen Zugriff über eine serielle Konsole hat. Debians Root-Eigenart und die Standardanmeldung bei Pi OS als pi mit dem Passwort raspberry sind jedenfalls in Hackerkreisen schon längst Allgemeinwissen. Insofern gilt bei beiden Systemen: Ändern Sie auf jeden Fall nach der Installation unverzüglich das Standardpasswort.
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Distributionen besteht darin, an welcher Stelle das System die erste Partition auf der SD-Karte einhängt. Das ist bei jedem Betriebssystem, das auf einem Raspberry Pi läuft, eine FAT-Partition mit den Dateien, die der Mini-PC zum Booten braucht.
Während Raspberry Pi OS diese Partition direkt unter /boot/ einbindet, liegt sie bei Debian unter /boot/firmware/. Hier haben Debian und die Raspberry Pi Foundation schlicht unterschiedliche Entscheidungen hinsichtlich des Verzeichnislayouts getroffen. Debian kopiert den passenden Kernel von /boot/ nach /boot/firmware/ – darum kümmert sich das bereits erwähnte Paket raspi-firmware.
Für Pi OS verteilt die Foundation eigene, speziell auf den RasPi zugeschnittene Linux-Kernel. Genauer gesagt kann dort im Gegensatz zu Debian sogar immer nur eine Kernel-Version gleichzeitig installiert sein. Dagegen nutzen die Debian-Images Debians Standard-ARM-Kernel, die auf sehr vielen verschiedenen Hardware-Plattformen funktionieren.
Nutzen Sie einen RasPi 400, fällt bei Debian neben dem fehlenden WLAN-Support noch ein weiterer Unterschied auf: Die Distribution nutzt in der Standardeinstellung ein US-Tastaturlayout, unabhängig davon, welche Art Tastatur angeschlossen ist. Um an eine deutschsprachige Tastaturbelegung zu kommen, müssen Sie erst noch Pakete nachinstallieren.
Das erledigen Sie als Root auf der Kommandozeile mit dem Befehl apt install console-setup locales und wählen dann in den Dialogen an den entsprechenden Stellen German sowie das passende Tastaturlayout aus. Der zur Eingabe von console-setup nötige Bindestrich liegt beim voreingestellten US-Layout auf der Taste [ß] einer deutschen Tastatur.
Raspberry Pi OS dagegen erkennt beim ersten Start automatisch, um welche Ländervariante des RasPi 400 es sich handelt. Es schlägt im Einrichtungsdialog die passenden Einstellungen vor, bei einem RasPi 400 mit deutschem Tastaturlayout etwa Germany als Land, German als Sprache und Berlin als Zeitzone. Zu diesem Zeitpunkt ist allerdings sowohl die Sprache als auch das Tastaturlayout noch auf britisches Englisch (quasi die Muttersprache des RasPi) eingestellt. Entsprechend erscheint der Dialog auf Englisch und noch nicht in der erkannten Sprache (Abbildung 3).





