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Aus Raspberry Pi Geek 03/2015

Zwei Ubuntu-Betriebssysteme auf dem Raspberry Pi 2 (Seite 3)

Das Image verzichtet auf einen vorinstallierten X-Server, diesen spielen Sie, ebenso wie eine Desktop-Umgebung, bei Bedarf aus der Paketverwaltung ein. Im Test erhielt das Grundsystem zusätzlich den Xubuntu-Desktop.

Zuerst gilt es, hier wieder einiges an Vorarbeit zu leisten. Das Ubuntu-Image übertragen Sie wie schon das Snappy-Image mit dem Befehl dd oder dem Win32 Disk Imager auf eine SD-Karte mit mindestens 4 GByte Speicherplatz. Anders als bei Snappy Core benötigt das vorliegende Image anfangs zwingend einen angeschlossenen Monitor und ein Keyboard. Nur so gelingt es, das System für den Einsatz von SSH vorzubereiten und eine Reihe von Fehlern zu beheben.

Zuerst sollten Sie – falls nötig – die Systemzeit entsprechend Listing 3 korrigieren. Daraufhin konfigurieren Sie Tastatur und Zeichensatz und spielen den SSH-Server sowie einige Videotreiber über die Paketverwaltung ein (Listing 4). Ab diesem Zeitpunkt brauchen Sie Monitor und Tastatur nicht mehr zwingend, da das Login von einem anderen Rechner per SSH klappen sollte.

Listing 4

 

sudo dpkg-reconfigure keyboard-configuration
sudo dpkg-reconfigure console-setup
sudo apt-get update
sudo apt-get install openssh-server language-pack-de
sudo apt-get install libraspberrypi-bin libraspberrypi-dev
sudo ln -s /usr /opt/vc

Damit das Ubuntu-System die volle Kapazität der SD-Karte nutzt, erweitern Sie die Root-Partition über die Größe des Images hinaus bis zur vollen Kapazität der SD-Karte. Dazu rufen Sie das Programm Fdisk auf (Listing 5, Zeile 1). Anschließend drücken Sie nacheinander [D],[**2**],[N],[P],[**2**], wobei Sie jeden Tastendruck mit [Eingabe] bestätigen.

Dann gibt das Programm den Start und die Größe der neuen Partition vor, die Sie wiederum jeweils mit [Eingabe] abnicken. Über [W],[Eingabe] schreiben Sie die Änderungen auf den Datenträger. Anschließend starten Sie das System neu und setzen die Änderung mit dem Befehl aus Listing 5, Zeile 2 um.

Als Letztes sollten Sie nach dem anschließenden Neustart eine Swap-Datei im Root-Dateisystem anlegen, da XFCE auf der recht schwachen Hardware mit nur 1 GByte Arbeitsspeicher schnell die Puste ausgeht (Listing 5, Zeile 3). Dazu brauchen Sie allerdings eine SD-Karte mit mindestens 4, besser 8 GByte Speicher, da Ubuntu die Swap-Datei mit 2 GByte erzeugt. Das Einrichten der Swap-Datei dauert rund zehn Minuten.

Listing 5

 

$ sudo fdisk /dev/mmcblk0
$ sudo resize2fs /dev/mmcblk0p2
$ sudo apt-get install dphys-swapfile

Zusätzlich bietet es sich an, einen alternativen Grafiktreiber zu installieren (Listing 6, Zeile 1), der flüssigeres Scrollen und das Verschieben von Fenstern ermöglicht. Mit dem Befehl aus Zeile 2 erstellen Sie eine Konfigurationsdatei für den X-Server, indem Sie die Datei mit dem Editor Nano öffnen. Tragen Sie den Inhalt aus Listing 7 ein. Den Editor beenden Sie mit [Strg]+[O],[Eingabe],[Strg]+[X].

Listing 6

 

$ sudo apt-get install xserver-xorg-video-fbturbo
$ sudo nano /etc/X11/xorg.conf

Listing 7

 

Section "Device"
        Identifier "Raspberry Pi FBDEV"
        Driver "fbturbo"
        Option "fbdev" "/dev/fb0"
        Option "SwapbuffersWait" "true"
EndSection

Aus Schwarz-Weiß wird Bunt

Bevor Sie sich allerdings auf die Installation einer Desktop-Umgebung stürzen, sollten Sie mit sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade das Grundsystem auf den neuesten Stand bringen. Danach geht es an die Installation der Pakete für den Xubuntu-Desktop, die Sie mithilfe des Metapakets xubuntu-desktop mit nur einem Befehl erledigen. Mit dem Aufruf wandern rund 380 MByte zusätzlich auf die SD-Karte, was je nach Geschwindigkeit des Datenträgers bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch nimmt.

Sollten Sie eine Speicherkarte mit nur 4 GByte verwenden, ergibt es Sinn, statt Xubuntu auf Lubuntu mit LXDE zu setzen. Das erledigt sudo apt-get install lubuntu-desktop und sorgt neben etwas mehr freiem Platz für einen kleinen Gewinn in Sachen Geschwindigkeit. Andere Desktop-Umgebungen wie KDE, Gnome oder Ubuntus Unity laufen auf dem Raspberry Pi nicht, sie benötigen für Transparenzen und andere Effekte 3D-Compositing.

Eine Alternative wäre, von XFCE4 oder LXDE nur den Desktop zu installieren und diesen anschließend individuell zu ergänzen. Das setzt voraus, dass Sie auch den X-Server und einen Display-Manager von Hand installieren, wodurch sich dieser Weg insgesamt etwas aufwendiger gestaltet.

Nach Abschluss der Installation sollten Sie nicht vergessen mit sudo apt-get clean die heruntergeladenen und nun nicht mehr benötigten Pakete aus dem Cache der Paketverwaltung zu löschen. Eine SD-Karte mit 4 GByte Kapazität platzt allerdings nach der Aktion noch aus allen Nähten.

Setzen Sie statt auf XFCE auf Lubuntu und LXDE, stehen bei einer 4-GByte-Karte noch knapp 300 MByte Speicherplatz für Ihre Daten bereit. Nach dem Löschen des Caches starten Sie das Ubuntu-System neu. Danach lädt das System automatisch den grafischen Desktop (Abbildung 5).

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