Aus Raspberry Pi Geek 03/2015

Zwei Ubuntu-Betriebssysteme auf dem Raspberry Pi 2 (Seite 3)

Abbildung 3: Bei Bedarf installieren Sie Software dank WebDM-Framework aus dem Browser heraus.

Abbildung 3: Bei Bedarf installieren Sie Software dank WebDM-Framework aus dem Browser heraus.

Wolkige Aussichten

Von den derzeit etwa 30 Apps im offiziellen Angebot kam im Test die App zu den legendären Comics von XKCD [6] auf den Prüfstand. Im Webfrontend des App-Stores leiten Sie die Installation des Pakets mit einem Mausklick auf Install ein (Abbildung 4). Die Eingabe von snappy info in der Konsole sollte den Erfolg der Installation bestätigen. Die App stellt einen minimalen Webserver bereit, der einen zufällig ausgewählten Geek-Comics im Browser lädt.

Abbildung 4: Die Auswahl der Anwendungen beschränkt sich aktuell auf Server-Applikationen und einfache Programme, die mehr als Fallbeispiel dienen.

Abbildung 4: Die Auswahl der Anwendungen beschränkt sich aktuell auf Server-Applikationen und einfache Programme, die mehr als Fallbeispiel dienen.

Anschließend erreichen Sie die XKCD-Comics über den Browser der Wahl unter der Adresse http://webdm.local. Im Endeffekt dient die App eher dazu, das Prinzip der neuen Pakete zu demonstrieren, einen echten Zweck erfüllt sie nicht.

Canonical scheint sichtlich bemüht, Snappy Core in den Markt für Cloud-Computing und Container zu drücken, in dem bereits einige Konkurrenz herrscht. Das Internet der Dinge hat jedoch viel Potenzial, sich zu einem profitablen Marktplatz zu entwickeln, und Snappy aufgrund seiner Einfachheit gute Chancen, darin mitzumischen.

Trusty Tahr

Das zweite Ubuntu-Image für den Raspberry Pi 2 stammt nicht von Canonical selbst, sondern von einem Canonical-Mitarbeiter in eigener Regie [7]. Das Image basiert auf Ubuntu 14.04 LTS “Trusty Tahr”, im Unterschied zum originalen Ubuntu 14.04 treibt der Kernel 3.18.0-14-rpi2 das System an.

Das Image verzichtet auf einen vorinstallierten X-Server, diesen spielen Sie, ebenso wie eine Desktop-Umgebung, bei Bedarf aus der Paketverwaltung ein. Im Test erhielt das Grundsystem zusätzlich den Xubuntu-Desktop.

Zuerst gilt es, hier wieder einiges an Vorarbeit zu leisten. Das Ubuntu-Image übertragen Sie wie schon das Snappy-Image mit dem Befehl dd oder dem Win32 Disk Imager auf eine SD-Karte mit mindestens 4 GByte Speicherplatz. Anders als bei Snappy Core benötigt das vorliegende Image anfangs zwingend einen angeschlossenen Monitor und ein Keyboard. Nur so gelingt es, das System für den Einsatz von SSH vorzubereiten und eine Reihe von Fehlern zu beheben.

Zuerst sollten Sie – falls nötig – die Systemzeit entsprechend Listing 3 korrigieren. Daraufhin konfigurieren Sie Tastatur und Zeichensatz und spielen den SSH-Server sowie einige Videotreiber über die Paketverwaltung ein (Listing 4). Ab diesem Zeitpunkt brauchen Sie Monitor und Tastatur nicht mehr zwingend, da das Login von einem anderen Rechner per SSH klappen sollte.

Listing 4

 

sudo dpkg-reconfigure keyboard-configuration
sudo dpkg-reconfigure console-setup
sudo apt-get update
sudo apt-get install openssh-server language-pack-de
sudo apt-get install libraspberrypi-bin libraspberrypi-dev
sudo ln -s /usr /opt/vc

Damit das Ubuntu-System die volle Kapazität der SD-Karte nutzt, erweitern Sie die Root-Partition über die Größe des Images hinaus bis zur vollen Kapazität der SD-Karte. Dazu rufen Sie das Programm Fdisk auf (Listing 5, Zeile 1). Anschließend drücken Sie nacheinander [D],[**2**],[N],[P],[**2**], wobei Sie jeden Tastendruck mit [Eingabe] bestätigen.

Dann gibt das Programm den Start und die Größe der neuen Partition vor, die Sie wiederum jeweils mit [Eingabe] abnicken. Über [W],[Eingabe] schreiben Sie die Änderungen auf den Datenträger. Anschließend starten Sie das System neu und setzen die Änderung mit dem Befehl aus Listing 5, Zeile 2 um.

Als Letztes sollten Sie nach dem anschließenden Neustart eine Swap-Datei im Root-Dateisystem anlegen, da XFCE auf der recht schwachen Hardware mit nur 1 GByte Arbeitsspeicher schnell die Puste ausgeht (Listing 5, Zeile 3). Dazu brauchen Sie allerdings eine SD-Karte mit mindestens 4, besser 8 GByte Speicher, da Ubuntu die Swap-Datei mit 2 GByte erzeugt. Das Einrichten der Swap-Datei dauert rund zehn Minuten.

Listing 5

 

$ sudo fdisk /dev/mmcblk0
$ sudo resize2fs /dev/mmcblk0p2
$ sudo apt-get install dphys-swapfile

Zusätzlich bietet es sich an, einen alternativen Grafiktreiber zu installieren (Listing 6, Zeile 1), der flüssigeres Scrollen und das Verschieben von Fenstern ermöglicht. Mit dem Befehl aus Zeile 2 erstellen Sie eine Konfigurationsdatei für den X-Server, indem Sie die Datei mit dem Editor Nano öffnen. Tragen Sie den Inhalt aus Listing 7 ein. Den Editor beenden Sie mit [Strg]+[O],[Eingabe],[Strg]+[X].

Listing 6

 

$ sudo apt-get install xserver-xorg-video-fbturbo
$ sudo nano /etc/X11/xorg.conf
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