Als Spielekonsole und Streaming-Plattform spielte der RasPi bislang eher eine untergeordnete Rolle. Mit RaspAnd als Betriebssystem könnte sich das jetzt ändern.
Immer mehr Entwickler portieren ihre Betriebssysteme auf den Raspberry Pi respektive die ARM-Architektur. Meist handelt es sich dabei um Linux-Derivate. Einen anderen Weg geht RaspAnd: Mit diesem Betriebssystem gelangt Android auf den britischen Kleincomputer. Als Klientel peilt das System primär ambitionierte Android-Nutzer an, die die Software ihres Smartphones beziehungsweise Tablets mit einer angepassten Oberfläche auch auf dem Raspberry Pi verwenden möchten.
Schwerpunkte
Da der Raspberry Pi mangels entsprechender Mobilität das Smartphone weder ersetzen kann noch das will, liegt der Schwerpunkt der Softwareausstattung von RaspAnd im Multimediabereich und in der Nutzung des Kleincomputers als Spielestation. Der Google Play Store bietet dazu einen enormen Softwarefundus, und auch Dienste wie Spotify oder Youtube überlasten den Einplatinenrechner nicht.
So lässt sich der RasPi mit RaspAnd als Multimedia-Center zu Hause durchaus flexibel nutzen. Dabei lassen sich zusätzliche Dienste wie beispielsweise der Zugang zu Social-Media-Netzwerken dank entsprechender Clients in den App-Stores problemlos ebenfalls integrieren.
Voraussetzungen
RaspAnd [1] liegt inzwischen in der Version 12 vor und ist somit auf dem aktuellsten Stand. Das Betriebssystem bietet der Entwickler Arne Exton als rund 1260 MByte großes ZIP-Archiv auf der Projektseite zum Herunterladen an. Neben der aktuellen Version finden Sie dort auch zahlreiche Varianten der älteren Android-Varianten. Allerdings gibt es RaspAnd nicht gratis: Es kostet 9 US-Dollar [2]. Die Lizenzgebühr entrichten Sie entweder über Paypal oder über eine Kredit- oder Debitkarte.
Danach erhalten Sie die Download-Links per E-Mail und können im Falle von RaspAnd 12 auch zusätzlich noch die Vorgängerversion 11 mit herunterladen. Das RaspAnd-11-Archiv fällt dabei mit etwa 1070 MByte etwas kleiner aus als die aktuelle Variante. Beide Versionen sind für den RasPi 4 gedacht. Um Latenzen zu minimieren, empfiehlt der Entwickler darüber hinaus eine schnelle MicroSD-Karte mindestens der Klasse 10.
Möchten Sie statt eines RasPi 4 ein älteres Modell nutzen, stehen auf der Projektseite auch Archive für den Raspberry Pi 2 und 3 bereit. Sie enthalten jedoch ältere Android-Varianten, wie RaspAnd “Oreo” 8.1 für den Raspberry Pi 3 und 3+. Für den RasPi 2 steht RaspAnd Build 3 bereit, das auf Android 5.1 alias “Lollipop” basiert.
Installation
Nach dem Herunterladen des ZIP-Archivs von RaspAnd 12 entpacken Sie es. Dabei entsteht ein rund 8,1 GByte großes Abbild, welches Sie anschließend auf der Kommandozeile mit dem Befehl aus Listing 1 auf eine MicroSD-Karte transferieren. Achten Sie dabei auf eine ausreichende Kapazität und Performance der Karte. Alternativ können Sie dazu auch ein grafisches Werkzeug verwenden, wie beispielsweise Balena Etcher.
Listing 1
Image schreiben
$ dd if=raspand-android-12-rpi4-8600mb-220419.img of=/dev/mmcblk0 bs=4MiB
Nach dem Kopieren starten Sie Ihren RasPi von diesem Medium. Während des Boot-Vorgangs tummelt sich zunächst eine animierte Kugel auf dem Bildschirm, anschließend erscheint ein Dialog zur Sprachauswahl. Nach dem Anpassen der Lokalisierung klicken Sie auf den grünen Starten-Knopf. Danach richten Sie Ihren WLAN-Zugang ein und aktualisieren die Zeit- und Datumseinstellung.
Im weiteren Verlauf richtet der Installer zunächst die Google-Dienste ein. Im entsprechenden Dialog sind voreingestellt alle Ortungs- und Datenübertragungsdienste aktiviert, sie lassen sich jedoch per Schieberegler einzeln abschalten. Danach gelangen Sie in das grafische Benutzer-Interface von RaspAnd, das in einer Kacheloberfläche die installierten Anwendungen anzeigt (Abbildung 1).
Da RaspAnd auf Android TV [3] basiert, nutzt die aktuelle Version anders als ältere Varianten Bildschirme im Querformat voll aus. Neben einigen Spielen finden Sie in der Kachelansicht auch Produktivanwendungen wie den Kontaktverwalter, einen Dateimanager und ein Terminal. Darüber hinaus ist der App Store F-Droid installiert, als Webbrowser offeriert das System Firefox. Als Dreingabe findet sich noch der Spotify-Client.
Nach einem Klick auf die Kachel Einstellungen öffnet sich rechts ein Konfigurationsmenü. Ganz oben erlaubt ein Klick auf Vorschläge, das Einrichten des Systems fertigzustellen. Danach führt RaspAnd eine detailliertere Konfiguration des Betriebssystems durch, wobei ein Assistent Aktualisierungen einpflegt. Hier vergeben Sie auch einen Gerätenamen, anschließend steht das RaspAnd-System zum Einsatz bereit.







