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Aus Raspberry Pi Geek 06/2015

Arch Linux unkompliziert auf dem RasPi 2 einrichten

© iqoncept, 123RF

Schnell, schneller, Arch

Ferdinand Thommes

RaspArch vereinfacht das Installieren von Arch Linux auf einem Raspberry Pi der zweiten Generation erheblich: Statt das System Schritt für Schritt einzurichten, spielen Sie RaspArch komplett auf. Ein paar Hürden müssen Sie trotzdem überwinden.

Arch Linux ist nicht jedermanns Sache, da die Installation aufgrund des Verzichts auf einen Installationsassistenten um einiges länger dauert als bei Distributionen wie Raspbian. Es erlaubt zwar, sich ein maßgeschneidertes System zusammenzustellen, fordert aber auch viele Entscheidungen, die nur ein versierter Anwender sinnvoll treffen kann. Selbst nach dem Einrichten des Grundsystems fehlt immer noch ein X-Server samt grafischer Oberfläche. Hier springt RaspArch in die Bresche und bricht das Installationsprozedere auf das Partitionieren und das anschließende Kopieren des Images auf die vorbereiteten Partitionen der Micro-SD-Karte herunter.

Zum Aufspielen des Systems benötigen Sie eine Linux-Installation oder alternativ ein Linux-Live-Medium. Das rund 665 MByte große Abbild von RaspArch für den Raspberry Pi 2 laden Sie als sogenannten Tarball, also als TAR.GZ-Archiv, von der Webseite des schwedischen Entwicklers [1] herunter, wo Sie den entsprechenden Link am Seitenende vor den Kommentaren finden. Anschließend entpacken Sie das Image entweder mit den Bordmitteln des Dateimanagers oder in einem Terminal mit dem Kommando tar xf rasparch-exton*.tar.gz. Daraus resultiert der Ordner rasparch-exton/ mit der Imagedatei.

Für das Partitionieren und das Kopieren der Dateien auf die SD-Karte benötigen Sie Root-Rechte. Damit alle Daten auf die SD-Karte passen, sollte diese über eine Kapazität von mindestens 8 GByte verfügen. Entgegen der Anleitung auf der Webseite müssen Sie nicht unbedingt zu Kommandozeilenwerkzeugen wie Fdisk greifen: Zum Einrichten der Partition eignen sich grafische Werkzeuge ebenso gut. Dazu benötigen Sie das Partitionierungswerkzeug Gparted sowie einen Dateimanager Ihrer Wahl.

Beide Tools verlangen für diese Aufgabe nach Root-Rechten. Gparted fragt beim Start automatisch nach dem entsprechenden Passwort, da es ohne diese Rechte Partitionen weder erstellen noch manipulieren kann. Beim Dateimanager sieht das ein wenig anders aus, üblicherweise nutzen Sie ihn als normaler Anwender. Für Root-Rechte müssen Sie ihn aus einem Terminal heraus mit gksudo nautilus (Gnome), gksudo thunar (XFCE) oder kdesudo dolphin (KDE) starten.

Vorarbeiten

In Gparted wählen Sie rechts oben über die Auswahlbox die vorher ins System eingebundene SD-Karte aus und erstellen eine 100 MByte große Boot-Partition, die Sie mit fat-32 formatieren. Anschließend erzeugen Sie die Systempartition, der Sie den restlichen Speicherplatz der SD-Karte zuordnen und die sie dann mit ext4 als Dateisystem formatieren (Abbildung 1). Achten Sie bei diesen Schritten darauf, die Aktionen auch wirklich auf die Speicherkarte anzuwenden – bei Fehlern droht Ihnen der Verlust des Systems.

Gparted sammelt alle anstehenden Aufgaben und führt diese nach einem Mausklick auf das grüne Häkchen oben in der Menüleiste in einem Rutsch durch. Nach Abschluss des Vorgangs kontrollieren Sie die zwei neuen Partitionen und beenden Gparted. Weiter geht es in dem mit Root-Rechten gestarteten Dateimanager.

Abbildung 1: Für RaspArch müssen Sie eine SD-Karte mit zwei Partitionen vorbereiten. Am einfachsten erledigen Sie das mit grafischen Werkzeugen wie etwa Gparted.

Abbildung 1: Für RaspArch müssen Sie eine SD-Karte mit zwei Partitionen vorbereiten. Am einfachsten erledigen Sie das mit grafischen Werkzeugen wie etwa Gparted.

Zuerst verschieben Sie den Inhalt des Ordners rasparch-exton/ (nicht den Ordner selbst!) in die größere der beiden Partitionen. Das nimmt eine längere Zeit in Anspruch, da es sich um 1,6 GByte Daten handelt, verteilt auf 60 000 kleine Dateien. Nach Abschluss des Vorgangs öffnen Sie den Ordner boot/ in dieser Partition und verschieben dessen Inhalt in das Stammverzeichnis der kleineren Partition. Anschließend löschen Sie den nun leeren Ordner.

Alternativ verschieben Sie die Daten über das Terminal auf die bereits partitionierte Speicherkarte. Prüfen Sie dazu in einem ersten Schritt mittels lsblk, welche Geräte-ID das System den Partitionen zuordnet – über die Partitionsgröße erkennen Sie sie meist recht schnell. In unserem Fall trägt die Boot-Partition die ID /dev/sdd1 und die Datenpartition die ID /dev/sdd2 (Listing 1).

Listing 1

 

$ lsblk
NAME   MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
sda      8:0    0 232,9G  0 disk
|-sda1   8:1    0    26G  0 part /
|-sda2   8:2    0 202,9G  0 part /home
|-sda3   8:3    0     4G  0 part [SWAP]
sdb      8:16   0 119,2G  0 disk
|-sdb1   8:17   0 119,2G  0 part
sdd      8:48   1   7,4G  0 disk
|-sdd1   8:49   1   100M  0 part
|-sdd2   8:51   1   7,3G  0 part

Danach erstellen Sie im Verzeichnis mit dem heruntergeladenen Tarball (im Beispiel ~/tmp/) den Unterordner rasparch-exton/ und hängen in dieses Verzeichnis die Datenpartition ein. In diesem Ordner erstellen Sie wiederum den Unterordner boot/ und mounten in diesen die Boot-Partition. Zum Abschluss entpacken Sie RaspArch, leeren mit sync den Zwischenspeicher und hängen die zwei Partitionen wieder aus (Listing 2).

Listing 2

 

$ mkdir ~/tmp/rasparch-exton
$ sudo mount /dev/sdd2 ~/tmp/rasparch-exton
$ sudo mkdir ~/tmp/rasparch-exton/boot
$ sudo mount /dev/sdd1 ~/tmp/rasparch-exton/boot
$ sudo tar xf rasparch-exton*.tar.gz
$ sync
$ sudo umount ~/tmp/rasparch-exton/boot
$ sudo umount ~/tmp/rasparch-exton

Hängen Sie jetzt die vorbereitete Karte aus und setzen Sie sie in den Raspberry Pi ein. Nachdem Sie diesen mit den nötigen Komponenten wie Monitor, Maus, Tastatur und Netzwerkkabel verbunden haben, stecken Sie das Netzteil an und warten ab, bis das System hochfährt.

Einrichten

Nach dem Hochfahren melden Sie sich als root mit dem Passwort root) an und stellen als erste Amtshandlung die Tastaturbelegung sowie die Sprache des Terminals auf Deutsch um (Listing 3). Beim Aufruf des Editors Nano (Zeile 5) entfernen Sie in der Datei /etc/locale.gen das Kommentarzeichen vor der Zeile #de_DE.UTF-8 UTF-8 und sichern die Änderung anschließend mit [Strg]+[O]. Die Abfrage nach dem Dateinamen bestätigen Sie einfach mit der Eingabetaste und beenden anschließend den Editor mit [Strg]+[X].

Listing 3

 

$ echo LANG=de_DE.UTF-8 > /etc/locale.conf
$ echo KEYMAP=de-latin1-nodeadkeys > /etc/vconsole.conf
$ rm /etc/localtime
$ ln -s /usr/share/zoneinfo/Europe/Berlin /etc/localtime
$ nano /etc/locale.gen
$ locale-gen
$ shutdown -r now

Zu guter Letzt schließen Sie die Konfiguration der Spracheinstellungen mit dem Kommando locale-gen und einem Neustart ab. Da Sie während dieser Schritte mit einer englischsprachigen Tastaturbelegung arbeiten müssen, empfiehlt es sich, die Konfiguration über eine SSH-Verbindung vorzunehmen. Die IP-Adresse des RasPi finden Sie zum Beispiel über ifconfig heraus.

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