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Aus Raspberry Pi Geek 03/2014

Workshop: RISC OS auf dem RasPi (Teil 2)

© Vladislav Lebedinskiy, Fotolia

Verwaltungsakt

Volkert Barr

Wer seine ersten Gehversuche unter RISC OS startet, der merkt schnell, dass hier so gut wie alles anders läuft als bei anderen Betriebssystemen. Das gilt nicht zuletzt auch für die etwas exzentrisch anmutende Datei- und Programmverwaltung.

README

Der erste Teil des Workshops vermittelte die Grundlagen zur Bedienung von RISC OS. In der zweiten Folge geht es nun um die Konfiguration des Systems sowie die Bedienung des Filers zum Umgang mit Dateien, Verzeichnissen, Applikationen und File-Typen.

Um RISC OS an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, bündelt die Applikation !Configure die gängigsten Konfigurationsmöglichkeiten. Sie finden das Tool in der Raspberry-Pi-Distribution auf der Pinnwand; es handelt sich dabei um einen Link auf die Applikation !Boot im Wurzelverzeichnis. !Configure teilt die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten in sogenannte Plugins auf (Abbildung 1). Wir beschränken uns im Folgenden auf die für Einsteiger wesentlichsten davon.

Abbildung 1: Das Modul Configuration umfasst die wichtigsten Systemeinstellungen.

Abbildung 1: Das Modul Configuration umfasst die wichtigsten Systemeinstellungen.

Boot dient zum Anpassen der Bootsequenz und zur Verwaltung des !Boot-Verzeichnisses. Klicken Sie mit der linken Maustaste (Select) auf Boot, so öffnet sich der Dialog Boot sequence (Abbildung 2). Von dort aus verzweigen Sie bei Bedarf in weitere Fenster.

Abbildung 2: Im Plugin Boot sequence stellen Sie das Startverhalten von RISC OS ein.

Abbildung 2: Im Plugin Boot sequence stellen Sie das Startverhalten von RISC OS ein.

Mit Add to Apps verwalten Sie das Apps-Verzeichnis auf der Iconbar. Ein Teil der darin enthaltenen Applikationen ist fest hinterlegt und lässt sich nicht verändern. Bei Bedarf fügen Sie aber selbst Applikationen hinzu oder entfernen sie wieder. Ein Klick mit der linken Maustaste (Select) auf Add to Apps öffnet das Fenster Add to Apps folder. Lassen Sie nun eine Applikation in diesem Fenster per Drag & Drop fallen, entsteht eine Verknüpfung mit dem Apps-Verzeichnis. Set übernimmt die Einstellungen. Das Markieren und der anschließende Klick auf Remove entfernt die Applikation aus dem Apps-Verzeichnis, allerdings nur die Verknüpfung.

Look at legt fest, welche Anwendungen der Filer beim Neustart sehen soll. Öffnen Sie ein Verzeichnis mit einer Applikation, dann erkennt RISC OS automatisch dazugehörige Dateitypen, Icons und so weiter. Ein Doppelklick auf einen bekannten Dateityp öffnet automatisch die dazugehörige Applikation, sofern der Filer sie kennt. Auch hier fügen Sie die entsprechenden Anwendungen per Drag & Drop hinzu und bestätigen die Aktion mit Set.

Der “große Bruder” von Look at heißt Run: Hier hinterlegte Applikationen führt das System beim Start aus. Install mischt !Boot-Dateien externer Applikationen systemkonform ein. Der Filer vergleicht hierzu nicht nur das Änderungsdatum, sondern auch die interne Versionsnummer der eingemischten Bibliotheken, und übernimmt nur aktuellere Versionen.

Über das Pinboard stellen Sie das Erscheinungsbild der Pinnwand ein. Dazu gehören sowohl die Anordnung der angepinnten Objekte als auch die Wahl von Farbe und Textur für den Hintergrund (Abbildung 3). Als Wallpaper eignen sich Bilder der Formate JPEG oder Sprite, die Sie via Drag & Drop auf das Image-Widget rechts vom Schalter Custom Image ziehen und dort fallen lassen.

Abbildung 3: Um das Look & Feel des Desktops anzupassen, verwenden Sie das Plugin Pinboard.

Abbildung 3: Um das Look & Feel des Desktops anzupassen, verwenden Sie das Plugin Pinboard.

Über Screen (Abbildung 4) stellen Sie Typ und Auflösung des Bildschirms sowie den Screensaver ein. RISC OS bezieht die Konfiguration aus einem Monitor Definition File, allerdings spielen viele der gelisteten Monitortypen heute keine Rolle mehr. Je nach Art des Monitors müssen Sie ein wenig experimentieren. Der im Test verwendete Raspberry Pi funktionierte beispielsweise an einem Monitor des Typs Generic mit einer Auflösung von 1920 x 1080, wie sie sich auch für HD-Fernseher eignet. Bevor Sie Einstellungen mit Set übernehmen, probieren Sie die Parameter mit Try aus. Als Bildschirmschoner steht eine Auswahl kleiner Programme bereit, aus der Sie sich das Passende aussuchen. DPMS unterstützt das Display Power Management Signaling: Monitore, die das Verfahren unterstützen, gehen nach Ablauf der eingestellten Zeitspanne in einen Standby-Modus.

Abbildung 4: Screen erlaubt das Einstellen des Monitors sowie des Bildschirmschoners.

Abbildung 4: Screen erlaubt das Einstellen des Monitors sowie des Bildschirmschoners.

Der Raspberry Pi besitzt keine interne Hardware-Uhr. Aus diesem Grund müssen Sie die Uhrzeit nach dem Booten unter Time and date (Abbildung 5) per Hand einstellen oder die Daten aus dem Internet über einen Zeitserver beziehen. Die deutsche Bezugsquelle lautet de.pool.ntp.org. Unter Locality passen Sie die verwendete Zeitzone an Ihren Standort an. UTC+01:00 Central Europe entspricht der in Deutschland verwendeten Mitteleuropäischen Zeit (MEZ). Für die Sommerzeit (Mitteleuropäische Sommerzeit, MESZ) kommt eine weitere Stunde hinzu. Diese “Daylight Saving Time” (DST) lässt sich unter RISC OS mittels des Schalters DST active setzen. Der automatische Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit funktioniert in der RISC-OS-Version für den Raspberry Pi derzeit noch nicht.

Abbildung 5: In Time and date stellen Sie das Datum und die Uhrzeit des Systems ein.

Abbildung 5: In Time and date stellen Sie das Datum und die Uhrzeit des Systems ein.

Unter Mouse konfigurieren Sie das Verhalten der Maus. Drag delay benennt die Zeitspanne, für die Sie die Maustaste drücken müssen, bis das System bemerkt, dass Sie das Objekt ziehen wollen. Drag start distance gibt die Mindestentfernung an, über die Sie die Maus ziehen müssen, damit RISC OS die Operation als Ziehen erkennt. Double-Klick delay gibt das Zeitintervall an, in das zwei aufeinanderfolgende Klicks fallen müssen, damit das System sie als Doppelklick wertet. Double-click cancel distance legt die Entfernung fest, über die Sie die Maus während eines Doppelklicks maximal verschieben dürfen. Autoscroll delay gibt an, wie lange ein Dauerklick auf einen der Richtungspfeile dauern muss, damit der Filer mit dem Dauerscrollen eines Fensters beginnt. Open submenus automatically sorgt für ein automatisches Öffnen vorhandener Untermenüs. Bring iconbar forward automatically holt die Iconbar in den Vordergrund, sobald der Mauszeiger auf ihr verweilt.

Die Grundeinstellungen für die Tastatur treffen Sie im Plugin Keyboard. In der Vorgabe verwendet das System UK, für deutsche Tastaturen wählen Sie hier Germany aus. Falls Ihre Tastatur einen Nummernblock besitzt, aktivieren Sie diesen mit Num lock. Unter Macro Keys lassen sich Applikationen, Verzeichnisse oder Dateien registrieren, die dann auf Tastendruck (ohne oder mit gedrücktem [Strg]) starten oder sich öffnen.

Bei Standard-PC-Tastaturen ordnet RISC OS den Zuständen Red, Green und Blue folgende Tasten zu: Red entspricht der linken Windows-Taste, Green der rechten, und Blue der Menü-Taste. Die zu registrierenden Objekte ziehen Sie per Drag & Drop in das Textfeld. Im kommenden Release der Distribution werden die Bezeichnungen überarbeitet (Left Flag, Right Flag, Right Menu).

Unter Fonts passen Sie die Systemschriften an oder installieren neue Schriftarten. Truetype-Fonts müssen Sie vor dem Einsatz mit einem entsprechenden Tool [1] konvertieren. Unter Help nehmen Sie Einstellungen für die Applikation !Help vor. Diese blendet kontextsensitive Hilfetexte zum Desktop oder zu Applikationen ein, sobald Sie mit dem Mauszeiger entsprechende GUI-Elemente berühren. Auf die Netzwerk-Konfiguration mit Network ging bereits der erste Teil dieses Workshops grob ein.

TIPP

Die Konfigurationseinstellungen schützen Sie unter Hard Disk Lock mit einem Password.

Die Option Access ermöglicht das Teilen von Laufwerken wie Festplatten oder SD-Karten und Druckern in einem Netz von RISC-OS-Rechnern. Die Rollen des Servers beziehungsweise Clients gestalten sich dabei fließend. Nach dem Aktivieren von Access (zu erkennen am grünen Punkt) und anschließendem Neustart erscheint auf der Iconbar ein neues Symbol namens Discs. Ein Doppelklick darauf öffnet ein Fenster mit den lokalen und den remote angebotenen Laufwerken. Ein Doppelklick auf ein Laufwerk installiert dieses auf der Iconbar, woraufhin es sich nutzen lässt. Die Freigabe von bereits im System eingerichteten Druckern funktioniert ähnlich.

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