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Aus Raspberry Pi Geek 03/2016

CAD-Software 3DSlash auf dem Raspberry Pi

© jpchret, 123RF

Bildhauer

Bernhard Bablok

CAD-Anwendungen sind für Linux im Allgemeinen und den Raspberry Pi im Speziellen dünn gesät. Umso erfreulicher, dass mit 3DSlash jetzt ein leichtgewichtiges und simpel bedienbares Programm die Bühne betritt.

Computer Aided Design (CAD) war lange Zeit eine Domäne leistungsstarker, teurer und lauter Workstations. Das ändert sich in letzter Zeit zunehmend: Mehr und mehr Software steht auch für normale PCs oder als Webanwendung bereit. Die französische Firma 3DSlash bietet ihr gleichnamiges Programm in mehreren Varianten an [1], darunter einer für Linux, die auch auf dem RasPi problemlos läuft – so zumindest das Versprechen. Eine funktional abgespeckte Version startet direkt im Webbrowser.

Wir sehen uns hier die Lösung auf einem Raspberry Pi 2 mit aktuellem Raspbian “Jessie” genauer an, inbesondere hinsichtlich der Performance und Funktionalität. Dabei muss sich 3DSlash auch am Konkurrenten Tinkercad [2] des CAD-Platzhirsches Autodesk messen, der beim Autor bereits in einem Workshop für ein eigenes RasPi-Gehäuse zum Einsatz [3] kam.

Einstieg

Für einen ersten Eindruck probieren Sie 3DSlash (Abbildung 1) erst einmal auf der Webseite des Anbieters aus. Dazu muss das verwendete System und damit auch der Browser lediglich WebGL unterstützen.

Abbildung 1: Die CAD-Software 3DSlash steht in abgespeckter Form auch als Webservice zum Einsatz bereit.

Abbildung 1: Die CAD-Software 3DSlash steht in abgespeckter Form auch als Webservice zum Einsatz bereit.

Sowohl die Webseite als auch die Anwendung selbst stehen nur in englischer und französischer Sprache zur Verfügung. Da die Arbeit später hauptsächlich über Schaltflächen mit selbsterklärenden Bildsymbolen läuft, schränkt dieser Umstand Sie aber nicht wirklich ein. Auf der Startseite führt der Menüpunkt Learn auf eine Hilfeseite, die diverse Tutorials in Form kurzer Videoclips anbietet. Ohne Durcharbeiten der Tutorials kommen Sie kaum aus, da die Clips aber prägnant und kurz gestaltet wurden, kommt dabei keine Langeweile auf.

Effektives Arbeiten gelingt nur dann, wenn Sie sich das Grundprinzip von 3DSlash verdeutlichen. Klassische 3D-Design-Software baut das Ergebnis durch Zusammensetzen vieler kleiner einfacher Formen quasi aus dem Nichts auf. Im Gegensatz dazu lehnt sich 3DSlash an das Modell des Bildhauers an: Aus einem rohen Block modellieren Sie mit verschiedenen Werkzeugen, etwa einem Hammer, die anvisierte Form. Per Mauerkelle bessern Sie nach, Bohrer und Säge entfernen große Teile auf einmal.

Als Webanwendung steht 3DSlash auch nicht registrierten Nutzern zur Verfügung. Für die Installation der leistungsfähigeren PC-Version müssen Sie sich dagegen registrieren. Der einfach gehaltene Prozess beschränkt sich auf die Eingabe einer E-Mail-Adresse sowie eines Pseudonyms. Nach dem Registrieren und einer folgenden Anmeldung finden Sie unter Products | Downloads die Software für diverse Betriebssysteme.

Die aktuelle Version 2 wurde erst vor Kurzem veröffentlicht. Für Linux-PCs und den Raspberry Pi gibt es getrennte Pakete, jeweils als komprimiertes TAR-Archiv. Sie dürfen die Software auf bis zu zwanzig Geräten installieren und mit einer einzigen 3DSlash-ID verknüpfen.

Installation

Die folgenden Abschnitte setzen ein frisch installiertes Raspbian “Jessie” voraus. Erfahrungsgemäß fühlt sich ein Raspbian auf einer Festplatte etwas geschmeidiger an als eine einfache Installation auf einer Micro-SD-Karte. 3DSlash allerdings schreibt recht wenige Daten und kommt von daher auch problemlos mit dem Flash-Speicher zurecht.

Allerdings gilt es, für die Anwendung an einer anderen Stellschraube der RasPi-Konfiguration zu drehen: an der Speicheraufteilung. Für viele Projekte ist es sinnvoll, den Anteil des Hauptspeichers zu minimieren, den die GPU mit Beschlag belegen darf. Für 3DSlash dagegen sollten Sie dem Grafikchip die maximal möglichen 256 MByte zuweisen.

Laden Sie 3DSlash über den Standard-Webbrowser von Raspbian herunter, dann landet der Tarball unter /home/pi/Downloads. Wechseln Sie also auf der Kommandozeile in dieses Verzeichnis (Listing 1, Zeile 1) und entpacken Sie das Paket dann mit den Befehlen aus der zweiten Zeile nach /usr/local/. Anschließend setzen Sie die notwendige Rechte, um das Programm ausführen zu können (Zeile 3).

Damit haben Sie die Installation erledigt und können 3DSlash nun einfach starten (Zeile 4). Das Programm legt in Ihrem Home-Verzeichnis den Ordner ~/3dslash/ an, in dem es seine Daten anlegt; ansonsten ändert es im Dateisystem nichts.

Listing 1

 

$ cd Downloads
$ sudo tar -xvzpf 3dslash_raspberry_2_0_0.tgz -C /usr/local
$ sudo chown -R root:staff /usr/local/3DSlash
$ /usr/local/3DSlash/3Dslash-pi

In die Cloud

Nach dem ersten Start müssen Sie das Programm aktivieren (Abbildung 2) und mit Ihrem Webaccount verknüpfen. Dazu besorgen Sie sich auf der Homepage von 3DSlash einen Aktivierungscode, den Sie dann im entsprechenden Dialog des Programms eingeben.

Abbildung 2: Vor dem Gebrauch müssen Sie 3DSlash zunächst aktivieren und so mit Ihrem Online-Konto verknüpfen. Den benötigten Code finden Sie auf der Projektseite.

Abbildung 2: Vor dem Gebrauch müssen Sie 3DSlash zunächst aktivieren und so mit Ihrem Online-Konto verknüpfen. Den benötigten Code finden Sie auf der Projektseite.

Durch das Verknüpfen mit dem Konto können Sie Ihre Modelle später bei Bedarf über den Einstellungsdialog (Abbildung 3) mit der Cloud synchronisieren. Das erfolgt nicht automatisch, sodass das Programm auch offline funktioniert.

Abbildung 3: Im Optionsdialog legen Sie fest, wie und wo Sie Ihr 3D-Modell speichern möchten.

Abbildung 3: Im Optionsdialog legen Sie fest, wie und wo Sie Ihr 3D-Modell speichern möchten.

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