
Abbildung 2: Vor dem Gebrauch müssen Sie 3DSlash zunächst aktivieren und so mit Ihrem Online-Konto verknüpfen. Den benötigten Code finden Sie auf der Projektseite.
Durch das Verknüpfen mit dem Konto können Sie Ihre Modelle später bei Bedarf über den Einstellungsdialog (Abbildung 3) mit der Cloud synchronisieren. Das erfolgt nicht automatisch, sodass das Programm auch offline funktioniert.
Nutzen Sie einen kostenfreien Account, stellen Sie damit automatisch alle erstellten Inhalte unter die Creative-Common-Lizenz BY-NC-SA. Das bedeutet, dass jeder den Inhalt nutzen darf, solange er dessen Urheber erwähnt (BY, “von”), das Werk nicht zu kommerziellen Zwecken nutzt (NC, “non-commercial”) und abgeleitete Werke unter die gleiche Lizenz stellt (SA, “share alike”).
Erste Schritte
Nach dem Start von 3DSlash erscheint dessen aufgeräumt wirkende Oberfläche (Abbildung 4) mit ein paar Buttons oben links und rechts. Das etwas unglücklich gewählte Plus-Zeichen ganz rechts führt zum Einstellungsdialog, die beiden Buttons mit dem Diskettensymbol beziehungsweise der Aufschrift New bedürfen wohl keiner Erklärung.
Links oben zeigt die Anwendung das gerade gewählte Werkzeug an (in Abbildung 4 den Hammer), rechts daneben den Modus, in dem es gerade arbeitet. Berührt der Mauszeiger eines der Felder, erscheint eine Kurzhilfe zum jeweiligen Tool. Der Hammer wirkt punktuell und schlägt immer einen Quader der gewählten Größe aus dem Block heraus. Der Linien- und der Kurvenmodus dagegen kürzen das Verfahren ab: Statt einzelner Quader markieren Sie mit der Maus dann ganze Linien beziehungsweise Kurven, erst ein finaler Klick führt die Aktion aus.
Allerdings haben die Entwickler den Werkzeugwechsel eher ungeschickt gelöst. Er erfordert nicht weniger als drei Mausklicks. Der erste, auf das aktuelle Werkzeug links oben, öffnet die Werkzeugauswahl (Abbildung 5). Dort klicken Sie das gewünschte Werkzeug an und müssen dann noch mit einem Klick auf Ok quittieren, um den Wechsel abzuschließen. Die Prozedur wird schnell lästig, insbesondere wenn Sie des Öfteren zwischen dem Auswahlwerkzeug (Pfeil) und anderen Geräten wechseln müssen.

Abbildung 5: Der 3DSlash-Werkzeugkasten bietet zwar alle wichtigen Funktionen an, jeder Werkzeugwechsel erfordert jedoch drei Mausklicks.
Warum 3DSlash die von anderen Programmen bekannte und vielfach bewährte Werkzeugleiste fehlt, bleibt unklar. Die Auswahl der Quadergröße ließe sich auch bequem und obendrein platzsparend per Schieber realisieren. Obendrein macht die Einschränkung der Quadergröße auf Zweierpotenzen zwar die Darstellung einfacher, erschwert jedoch das Erstellen von Objekten, die sich an den Zehnerpotenzen metrischer Größen orientieren.
Innovativ oder verspielt?
Die Bewertung, ob es sich bei 3DSlash um eine “gute” Anwendung handelt, fällt sehr schwer. Einerseits glänzt das flinke Programm mit einem simplen Bedienkonzept und netten Animationen – so fliegen etwa Teile, die Sie entfernen, schön animiert davon (Abbildung 6). Andererseits machen einzelne Bedienkonzepte an und für sich einfache Dinge sehr umständlich.
Um zum Beispiel ein Werkstück genau auszumessen, müssen Sie alle drei farbigen Skalen (je eine pro Dimension) jeweils auf beiden Seiten anfassen und zusammenschieben – ein Prozedere, das mindestens sechs Mausklicks erfordert. Konkurrenten wie Tinkercad zeigen dagegen für jedes Objekt einfach die Dimensionen an; das Verschieben, Vergrößern oder Verkleinern erfolgt dann durch Anfasser, ohne vorher erst mühselig auf ein Auswahlwerkzeug wechseln zu müssen.
Wahrscheinlich gehören Bastler, die eher technische Designs entwerfen wollen oder müssen, nicht zur eigentlichen Zielgruppe. Kindern oder Künstlern mit einem nicht durch Maße eingeengten Blick auf die Welt gelingen mit 3DSlash Objekte, die man mit Lego nie hinbekommen hätte.
Fazit
3DSlash zeigt eindrucksvoll, dass auch grafisch aufwendige Programme ohne Nervfaktor auf dem Raspberry Pi 2 laufen – vor allem dank dessen guter Hardware-Beschleunigung. Angesichts der eher dünn gesäten Verfügbarkeit von 3D-Anwendungen für den Pi und Linux im Allgemeinen ist ohnehin jeder Neuzugang in dieser Kategorie willkommen.
Besonders Kinder dürften die Anwendung sicher interessant finden, da die Lernkurve flach verläuft und am Ende sogar aus einem virtuellen Objekt per 3D-Druck ein konkreter Gegenstand entsteht. Wer dagegen technisch komplizierte Designs mit genauen Maßen benötigt, sollte lieber zu klassischer CAD-Software greifen.
Es bleibt zu hoffen, dass 3DSlash seine Software zügig weiterentwickelt, denn schon wenige Änderungen würden die Bedienbarkeit deutlich verbessern und so den Abstand zur (auch kommerziellen) Konkurrenz merklich verringern.
Der Autor
Bernhard Bablok (mailto:[email protected]) arbeitet bei der Allianz Managed&Operations Services SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört oder mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und seit Neuestem SBCs.









