Aus Raspberry Pi Geek 03/2025

Fernsehsendungen mit dem Raspberry Pi kostengünstig konservieren

© Aleksandr Vorobev / 123rf.com

Spiel's noch einmal!

Tim Schürmann

Vor allem Spielfilme, Sportveranstaltungen und ältere Sendungen fehlen erstaunlich häufig in den Mediatheken. Wer eine spannende Sendung auf keinen Fall verpassen will, zeichnet sie sicherheitshalber mit einem Raspberry Pi und Tvheadend auf.

Wir waren nur eine halbe Stunde zu spät. Aufgrund einer saftigen Zugverspätung lief der Spielfilm “Der Junge muss an die frische Luft” bereits als wir zu Hause ankamen. Dank der Mediathek kein Problem – dachten wir. Tatsächlich stehen nämlich erstaunlich viele Filme und Sendungen dort nicht zum Abruf bereit. Betroffen sind vor allem Hollywood-Blockbuster und ältere Eigenproduktionen aus der Vor-Internet-Zeit wie die Serie “Liebling Kreuzberg”.

Möchten Sie solche Sendungen nicht verpassen, müssen Sie sie zwangsweise mitschneiden. Die sich dazu andienenden Onlineservices kosten allerdings meist Geld. Obendrein bekommt man die Aufnahmen nicht oder nur schwer aus der Cloud heraus und für ältere Fernseher fehlen häufig passende Apps. Apropos Fernseher: Die zeichnen das Programm vielfach verschlüsselt oder in einem proprietären Format auf. Eine Mediensammlung lässt sich daher mit keiner der genannten Methoden kostengünstig anlegen. Auf meinem Schreibtisch fristete jedoch zufälligerweise noch ein alter Raspberry Pi tatenlos sein Dasein. Warum also nicht den Minicomputer interessante Sendungen zum Nulltarif mitschneiden lassen?

Intelligente Kopfstation

Die Idee klingt zunächst simpel: Eine passende Software zeichnet die Internet-Streams der bekannten TV-Sender auf, die Programmierung erledigen die Familienmitglieder bequem im Browser. Infrage kommen dazu mehrere Lösungen, die jedoch allesamt einen Haken besitzen: Mediathekview [1] zapft ausschließlich die Streams der öffentlich-rechtlichen Sender an (Abbildung 1). Der ursprünglich für den Satellitenempfang konzipierte Video Disk Recorder (VDR) [2] schneidet zwar ebenfalls Streams mit, die Weiterentwicklung des dafür zuständigen Moduls liegt aber schon längere Zeit auf Eis.

Abbildung 1: Die Java-Anwendung Mediathekview bietet die Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender zum Download an und zeichnet deren Live-Streams auf.

Abbildung 1: Die Java-Anwendung Mediathekview bietet die Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender zum Download an und zeichnet deren Live-Streams auf.

Übrig bleibt der Klassiker Tvheadend [3]. Er besitzt zwar eine etwas unübersichtliche Benutzeroberfläche, lässt im Gegenzug beim Funktionsumfang jedoch kaum Wünsche offen. Als Unterbau dient ihm bei uns ein Raspberry Pi 4B, ein früheres Modell sollte ebenfalls noch leistungsfähig genug sein. Tvheadend empfängt die Fernsehprogramme wahlweise über das Internet (IPTV), eine Antenne, das Kabel oder einen Satelliten. Die letzten drei Empfangsmethoden setzen passende Empfänger voraus, die der Artikel auf Seite 20 [4] vorstellt.

Fundament errichten

Den Ausgangspunkt bildet das aktuelle Raspberry Pi OS. Da die Bedienung von Tvheadend komplett über den Browser erfolgt, genügt die Lite-Version ohne grafische Benutzeroberfläche. Wenn Sie bloß gelegentlich Sendungen mitschneiden, können Sie sie direkt auf der Speicherkarte des Raspberry Pi lagern. Wählen Sie dann unbedingt eine etwas größere SD-Karte: Je nach Sendequalität und Komprimierungsverfahren verschlingen 30 Minuten Fernsehen in HD-Auflösung bis zu 5 GByte Speicherplatz. Planen Sie den Aufbau oder die Erweiterung einer Mediensammlung, lohnt ein NAS oder eine externe USB-Festplatte als Videolager.

Richten Sie das Raspberry Pi OS wie gewohnt ein. Stellen Sie dabei sicher, dass der Minicomputer ins Internet gelangt und umgekehrt aus Ihrem Heimnetz zu erreichen ist. Für das Fernsehen über das Internet (IPTV) muss die Verbindung stabil und flott genug sein, damit Tvheadend die Streams der Sender verzögerungsfrei und ohne Aussetzer empfängt. Verbinden Sie den Raspberry Pi im Zweifelsfall per Netzwerkkabel mit Ihrem Router. Möchten Sie das Fernsehen via Antenne, Kabel oder Satellit empfangen, richten Sie den Empfänger wie im Artikel ab Seite 20 beschrieben ein. Weisen Sie abschließend Ihren Router an, dem Raspberry Pi immer dieselbe IP-Adresse zu spendieren. Das erleichtert später den Zugriff.

Einspieler

Sobald der Raspberry Pi ordnungsgemäß werkelt, holen Sie Tvheadend und FFmpeg [5] hinzu. Letztgenanntes Schweizer Messer für Videodateien spannt Tvheadend bei der Verarbeitung der Streams ein (Listing 1).

Listing 1

Tvheadend und FFmpeg

$ sudo apt update
$ sudo apt upgrade sudo apt install tvheadend ffmpeg

Während der Installation müssen Sie einen Benutzernamen und ein Passwort vorgeben. Mit diesem Duo erhalten Sie gleich Zugang zur Benutzeroberfläche von Tvheadend. Das wiederum läuft nach der Installation bereits im Hintergrund und fährt zukünftig bei einem Neustart des Raspberry Pi automatisch mit hoch.

Um auf die Benutzeroberfläche zu gelangen, kontaktieren Sie mit Ihrem Browser den Raspberry Pi an Port 9981. Ist Ihr Raspberry Pi beispielsweise unter der IP-Adresse 192.168.1.101 zu erreichen, rufen Sie die URL http://192.168.1.101:9981 auf. Nachdem Sie die vorhin gewählten Anmeldedaten eingetippt haben, beenden Sie den Begrüßungsassistenten aus Abbildung 2 direkt mit Cancel – seine Dienste sind nicht erforderlich.

Abbildung 2: Der Begrüßungsassistent ändert die Sprache der Benutzeroberfläche nur für die später angelegten Benutzerkonten. Sie müssen daher zunächst mit englischsprachigen Texten leben.

Abbildung 2: Der Begrüßungsassistent ändert die Sprache der Benutzeroberfläche nur für die später angelegten Benutzerkonten. Sie müssen daher zunächst mit englischsprachigen Texten leben.

Netzwerk anlegen

Sämtliche Einstellungen (Abbildung 3) verteilt Tvheadend auf mehrere verschachtelte Register. Öffnen Sie Configuration, darunter DVB Inputs und wiederum darunter Networks. Die von Tvheadend genutzten Begriffe und Konzepte orientieren sich am digitalen Satelliten- und Kabelfernsehen (DVB, Digital Video Broadcast). Zunächst gibt es Networks wie den Satellitenverbund Astra oder das Kabelnetz von Vodafone. Auch für den Zugriff auf die Internet-Streams der Sender müssen Sie zunächst ein solches Network einrichten. Klicken Sie dazu auf Add und entscheiden Sie sich für den passenden Anschluss.

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