Im ersten Anlauf 2015 überzeugte die Distribution OpenMandriva auf dem RasPi nicht. Schafft sie es im zweiten?
Das französische OpenMandriva gehört nach wie vor zu den bedienerfreundlichsten Linux-Derivaten für Endanwender, die einen soliden Allrounder für den täglichen Einsatz suchen [1]. Die seit Jahren nur für PCs erhältliche Distribution bietet des Projekt mit Erscheinen der Version 4.2 nun auch für zahlreiche Einplatinencomputer an. Dabei adressiert das freie Betriebssystem in der ARM64-Variante (Aarch64) vor allem die 64-Bit-fähigen Modelle RasPi 3B+ und 4B.
Die aktuellen Releases für den Raspberry Pi stellen jedoch nicht den ersten Ausflug der OpenMandriva-Entwickler in die ARM-Welt dar: Bereits 2015 veröffentlichte das Projekt ein Abbild für den RasPi 2B, das es aber im Vergleich zur Desktop-Variante für Intel-Architekturen jedoch arg abspecken musste und das daher nur wenig Anklang fand.
Da der RasPi 4B viele der hardwareseitigen Beschränkungen der älteren Modelle beseitigt, nähert sich seine Leistung der ausgewachsener PCs an, sodass auch Linux-Derivate mit zahlreichen Anwendungen für den täglichen Einsatz die Hardware nicht mehr überfordern.
Oberflächlich
Anders als viele Allround-Distributionen kommt OpenMandriva nur mit einer einzigen Arbeitsumgebung: KDE Plasma. Der KDE-Desktop gilt gemeinhin als Ressourcenfresser, dessen Einsatz sich auf betagteren oder leistungsschwächeren Rechnern nicht empfiehlt. OpenMandriva sowie dessen Vorgänger Mandriva und Mandrake [2] nutzen jedoch seit rund zwei Jahrzehnten ausschließlich den KDE-Desktop, da er im für Endanwender ohne technische Ambitionen wegen seiner einfachen Bedienbarkeit eine ausgezeichnete Wahl darstellt.
Die Plasma-Oberfläche punktet dabei zusätzlich mit einem modernen Aussehen und einer exzellenten Konfigurierbarkeit. Darüber hinaus übernahmen die Programmierer von Mandrake Linux zahlreiche Innovationen und entwickelten sie weiter, um so die Installation und Konfiguration des Betriebssystems möglichst einfach zu gestalten. Daher erfordert OpenMandriva auch nur selten den Einsatz des Terminals, um am Prompt manuell Befehle zu nutzen.
Varianten
Sie erhalten auf der Sourceforge-Seite des Projekts drei unterschiedliche Abbilder für den RasPi: Neben zwei jeweils rund 940 MByte großen Images für die Modelle 3B+ und 4B steht noch ein knapp 955 MByte großes Abbild für den RasPi 400 zum Herunterladen bereit. Für alle drei Varianten gibt es ein eigenes Installationsskript namens write2sd.
Nach dem Herunterladen und Entpacken der beiden Pakete räumen Sie zunächst dem Installationsskript durch Eingabe von chmod +x write2sd am Prompt Ausführungsrechte ein. Danach starten Sie den Datentransfer auf die SD-Karte mit sudo ./write2sd /dev/mmcblk0 oder sudo ./write2sd /dev/sdX, wobei Sie die Laufwerksbezeichnung sdX durch die reale Gerätebezeichnung für die MicroSD-Karte ersetzen müssen. Als Mindestgröße für die Micro-SD-Karte nennt das Projekt 8 GByte.
Das Skript führt nun auf dem Zieldatenträger einen Dateisystemcheck durch, passt die Größe der Partition an und überträgt das Abbild auf die Karte. Anschließend starten Sie den RasPi von der Speicherkarte. Nach einem überraschend zügigem Start öffnet das Betriebssystem einen optisch etwas abgespeckt wirkenden KDE-Plasma-Desktop.
Anders als die Desktop-Variante für Intel-Systeme durchläuft die RasPi-Version keine herkömmliche Installationsroutine, weswegen auch das entsprechende Icon auf der Arbeitsfläche fehlt. In der Grundeinstellung verwendet die Distribution den Benutzer omv mit gleichlautendem Passwort.
Software
Die neue Version von OpenMandriva modernisierten die Entwickler im Vergleich zur erst rund 18 Monate alten Vorgängerversion 4.0 grundlegend. So bringt sie jetzt den aktuellen Kernel 5.10 mit Langzeit-Support mit, der KDE-Plasma-Desktop liegt in Version 5.20.5 vor. Das KDE-Framework in Variante 5.78 und die KDE-Applikationen in Version 20.12.2 entsprechen ebenfalls dem aktuellen Stand.
Ein Blick in die Menüs zeigt eine vollständige Softwareausstattung, die jedoch von herkömmlichen Desktop-Varianten abweicht: So kommt zwar die komplette LibreOffice-Suite in Version 7.1.0.3 zum Zug, aber als Webbrowser dient der im Vergleich zu Firefox schlankere, aus dem KDE-Fundus stammende Falkon 3.1.0. Die Bildbearbeitung Gimp fehlt zunächst, ebenso der der in der x86-Variante vertretene Medienabspieler VLC; ihn ersetzt Kdenlive.
Fast alle in die KDE-Plasma-Oberfläche integrierten eigenentwickelten Applikationen finden Sie auch im ARM-Ableger. Dabei ersetzt das relativ schlanke Kmail auch das andernorts häufig anzutreffende ressourcenintensive Thunderbird als E-Mail-Client. Als Medienabspieler kommt der MPlayer zum Einsatz, der durch das grafische Frontend SMPlayer eine schlanke Bedienoberfläche erhält.






