Aus Raspberry Pi Geek 08/2021

Desktop-Distribution OpenMandriva für den Raspberry Pi (Seite 2)

Zudem fällt auf, dass die von Mandriva und Mageia bekannten Draktool-Konfigurationswerkzeugen sowie das grafische Mandriva-Kontrollzentrum komplett fehlen. Die Systemkonfiguration nehmen Sie stattdessen mit dem Settings-Manager von KDE Plasma vor (Abbildung 1). Mithilfe einiger zusätzlicher Werkzeuge wie dem KDE-Info-Center sehen Sie auch die Hardwarekonfiguration ein.

Abbildung 1: Der Settings-Manager von KDE Plasma zeichnet für die Konfiguration verantwortlich.

Abbildung 1: Der Settings-Manager von KDE Plasma zeichnet für die Konfiguration verantwortlich.

Software

Für die Softwareinstallation stehen unter OpenMandriva für den RasPi zwei grafische Frontends bereit: Neben dem in neuen KDE-Varianten integrierten Discover finden Sie das weniger bekannte Tool Dnfdragora, ein von Rpmdragora abgeleitetes Werkzeug (Abbildung 2). Letzteres kommt in Mageia Linux zum Einsatz und löst das ältere Rpmdrake ab. Das DNF-Frontend Dnfdragora unterscheidet sich dabei optisch nur rudimentär von Rpmdragora.

Abbildung 2: Für die Softwareinstallation bietet OpenMandriva für den RasPi zwei grafische Frontends an.

Abbildung 2: Für die Softwareinstallation bietet OpenMandriva für den RasPi zwei grafische Frontends an.

Um Zugriff auf den gesamten Softwarebestand zu erhalten, müssen Sie zunächst die vorhandenen Repositories aktivieren. OpenMandriva verfügt auch in der ARM64-Variante über zahlreiche Paketarchive, von denen einige proprietäre Software wie beispielsweise Firmware für diverse Hardwarekomponenten enthalten. Um sie zu aktivieren, öffnen Sie Discover und wählen in dessen Hauptfenster unten links die Option Settings. Rechts erscheinen dann alle verfügbaren Repositories, wobei Sie die benötigten Archive durch Anklicken einer Checkbox vor den gewünschten Einträgen aktivieren.

Beachten Sie, dass diese Liste alle verfügbaren Repositories enthält, also auch solche, nicht zu ARM passen. Achten Sie deshalb bei der Auswahl auf Version und Hardwarearchitektur. Anschließend suchen und installieren Sie die gewünschten Programme in Discover. Abhängigkeiten berücksichtigt der Paketmanager automatisch.

Grundlegend

Um die RasPi-Variante von OpenMandriva optimal zu nutzen, aktivieren Sie zunächst die deutsche Lokalisierung: In der Grundeinstellung verwendet das System Englisch und eine US-Tastaturbelegung. Den KDE-Desktop stellen Sie um, indem Sie im Menü Settings | System Settings die Option Regional Settings wählen und anschließend auf Add languages klicken. Dann wählen Sie die deutsche Sprache an. Um die Einstellung zu aktivieren, melden Sie sich anschließend ab und wieder an. Nach kurzer Wartezeit erscheint der KDE-Plasma-Desktop komplett deutsch lokalisiert.

Nun öffnen Sie Einstellungen | Systemeinstellungen und wählen darin Eingabegeräte. Im neuen Dialog aktivieren Sie den Reiter Belegungen und klicken auf Hinzufügen. Nun wählen Sie im neu geöffneten Fenster im Auswahlfeld Belegung: die deutsche Tastaturbelegung und fügen sie durch einen Klick auf OK dem System hinzu.

Zum Deaktivieren der US-Tastaturbelegung klicken Sie in der Belegungsliste auf die US-englische Option und anschließend auf Entfernen. Als einzige Option verbleibt die deutsche Tastaturbelegung in der Liste. Um die neue Belegung zu aktivieren, klicken Sie unten rechts im Konfigurationsdialog auf Anwenden und schließen das Fenster.

Auch LibreOffice müssen Sie anpassen, da das Büropaket zwar jetzt die deutsche Tastaturbelegung verwendet, jedoch noch keine deutsche Lokalisierung in den Menüs. Dazu benötigen Sie einen funktionierenden Internet-Zugang. Zusätzlich sollten Sie alle für die ARM64-Architektur verfügbaren Repositories aktivieren.

In Dnfdragora suchen Sie nach libreoffice-l10n-de und installieren das Paket. Öffnen Sie danach LibreOffice und und wechseln Sie im Menü zu Tools | Options | Languages. Im Auswahlfeld User interface: schalten Sie von der US- auf die deutsche Lokalisierung um (Abbildung 3). Nach einem Klick auf Apply unten rechts startet LibreOffice neu, jetzt mit deutschsprachigen Menüs.

Abbildung 3: Für LibreOffice gilt es, die deutsche Lokalisierung manuell zu installieren.

Abbildung 3: Für LibreOffice gilt es, die deutsche Lokalisierung manuell zu installieren.

Effektvoll

KDE Plasma startet auch in der Variante für den Raspberry Pi mit zahlreichen optischen Effekten und benötigt daher einige Ressourcen. Deshalb empfiehlt es sich, diese Effekte auszuschalten, um ein agiler wirkendes System zu erhalten. Dazu öffnen Sie im Menü Einstellungen die KDE-Systemeinstellungen und wählen in deren Hauptfenster die Option Verhalten des Arbeitsbereichs.

Der anschließend angewählte Eintrag Arbeitsflächen-Effekte öffnet rechts im Fenster einen Dialog, in dem Sie die grafischen Effekte durch (De-)Aktivieren der jeweiligen Checkboxen der Arbeitsumgebung ein- und ausschalten (Abbildung 4). Nicht benötigte optische Effekte wie Transparenzen, Schatten und Animationen sollten Sie deaktivieren. Anschließend reagiert der Desktop bereits deutlich agiler.

Abbildung 4: Durch Abschalten unnötiger Arbeitsflächeneffekte von KDE Plasma beschleunigen Sie das Betriebssystem merklich.

Abbildung 4: Durch Abschalten unnötiger Arbeitsflächeneffekte von KDE Plasma beschleunigen Sie das Betriebssystem merklich.

Ressourcen

Möchten Sie OpenMandriva auf dem RasPi täglich als primäres Betriebssystem nutzen, empfiehlt es sich, die Ressourcennutzung zu optimieren. Das Betriebssystem beansprucht im Leerlauf nur relativ wenig Kapazität, Applikationen wie LibreOffice oder ein nachinstalliertes Gimp reizen jedoch die Leistungsreserven des RasPi schnell aus (Abbildung 5).

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