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Aus Raspberry Pi Geek 05/2016

ASCII-Wetter-App fürs Terminal

© welcomia, 123RF

Donnerwetter

Ferdinand Thommes

Es gibt sicher noch unaufwendigere Wege, das Wetter in ein Terminal zu bringen, als Wego das tut – aber ganz sicher keine ansehnlicheren.

Besonders im Winter schauen auch Pinguine öfter einmal auf die Wettervorhersage. Nicht jeder möchte aber dazu einen der zahlreichen Dienste im Web nutzen, wo man das Wetter zwischen Werbung erst einmal finden muss oder auf den Desktop umschalten, um das Wetter-Plasmoid oder Conky zu Gesicht zu bekommen. Besonders, wer immer ein Terminal zur Hand hat oder sogar überwiegend darin arbeitet, dürfte sich freuen, das Wetter auch dort ansehnlich präsentiert zu bekommen.

Die in der von Google entworfenen Programmiersprache Go geschriebene Wetter-App Wego [1] nutzt ASCII-Art zur Darstellung der Wettervorhersage der nächsten ein bis fünf Tage. Terminal bedeutet aber in diesem Fall weder, dass es an der Optik hapert, noch, dass der Funktionsumfang zu wünschen übrig lässt. Wir beleuchten im Folgenden Wego etwas näher und werfen noch einen kurzen Blick auf die Alternativen.

Wettervorhersage

Wego bietet für bis zu fünf Tage im Voraus Angaben zur Temperaturspanne, der Windgeschwindigkeit und -richtung, der Sichtweite sowie der Wahrscheinlichkeit und Menge von Niederschlägen (Abbildung 1). Dabei gelangen die Daten per SSL verschlüsselt auf den heimischen Rechner.

Abbildung 1: Wego stellt die Wettervorhersage übersichtlich dar.

Abbildung 1: Wego stellt die Wettervorhersage übersichtlich dar.

Die Voraussetzungen zur Installation sind schnell erfüllt. Falls noch nicht vorhanden, müssen Sie Git sowie eine Go-Umgebung einrichten und sich außerdem auf der Wetter-Website Worldweatheronline.com registrieren. Von dort besorgen Sie sich einen kostenfreien API-Schlüssel, mit dessen Hilfe Wego die Wetter-Rohdaten bezieht. Das zu nutzende Terminal muss 256 Farben und UTF-8 unterstützen. Die meisten Terminals erfüllen die Voraussetzungen von Haus aus, gegebenenfalls müssen Sie die Einstellungen aber durch Rechtsklick auf das geöffnete Terminal im Profil anpassen. Dort können Sie auch mit Typ und Größe der Schrift spielen, bis Ihnen die Ausgabe von Wego zusagt.

Vorbereitungen

Zunächst installieren Sie für Ihre Distribution Go und Git. Unter Debian und dessen Derivaten wie Raspbian gelingt das mit dem Kommando aus der ersten Zeile von Listing 1; unter Fedora lautet der entsprechende Befehl beispielsweise dnf install golang git.

Dann müssen Sie eine Umgebung für Go aufsetzen. Um eine solche Umgebung einzubinden, gilt es als Erstes, eine Umgebungsvariable für Go zu setzen. Der Befehl aus der zweiten Zeile von Listing 1 schreibt den GOPATH in die Datei .bashrc, die Konfigurationsdatei der Shell.

Listing 1

 

$ sudo apt-get update && sudo apt-get install golang git
$ echo 'export GOPATH="$HOME/wego"' >> ~/.bashrc; source ~/.bashrc
$ mkdir ~/wego
$ go get github.com/schachmat/wego
$ echo 'export PATH="$PATH:$GOPATH/bin"' >> ~/.bashrc; source ~/.bashrc

Nun checken Sie Wego aus GitHub aus, laden also den Code auf Ihren Rechner. Dazu erstellen Sie das in der Umgebungsvariable angegebene Verzeichnis und holen den Code auf GitHub ab (Listing 1, Zeile 3 und 4). Jetzt könnten Sie Wego bereits starten, indem Sie in das Verzeichnis mit der ausführbaren Datei wechseln und dort ./wego aufrufen. Um den Aufruf aber etwas bequemer zu gestalten, sodass Sie Wego als User von überall im Terminal aufrufen können, setzen Sie eine zweite Umgebungsvariable, die /bin in den GOPATH aufnimmt (Listing 1, Zeile 5).

Danach starten Sie Wego, indem Sie im Terminal einfach wego tippen. Allerdings erscheint beim ersten Start noch keine Wetteranzeige – es fehlt noch die Datenquelle. Stattdessen erscheinen zwei schnöde Fehlermeldungen (Listing 2). Die erste Zeile informiert lediglich darüber, dass das Programm beim ersten Start die versteckte Konfigurationsdatei ~/.wegorc angelegt hat – die es gleich zu editieren gilt.

Listing 2

 

$ wego
No config file found. Creating /home/User/.wegorc ...
No API key specified. Setup instructions are in the README.

API-Key

Die zweite Zeile bezieht sich auf den oben erwähnten API-Schlüssel, ohne den Sie kein Wetter zu sehen bekommen (Abbildung 2). Um diesen zu erhalten, begeben Sie sich auf die Seite https://developer.worldweatheronline.com/auth/register. Nachdem Sie sich dort registriert und die Registrierungsmail bestätigt haben, lassen Sie sich einen kostenlosen Schlüssel erstellen. Den wiederum kopieren Sie in den Schlüssel APIKey der versteckten Datei .wegorc in Ihrem Home-Verzeichnis (Listing 3).

Abbildung 2: Wichtigste Voraussetzung für Wego ist ein API-Schlüssel.

Abbildung 2: Wichtigste Voraussetzung für Wego ist ein API-Schlüssel.

Dort können Sie auch einen Ort angeben (City) sowie die Anzahl der gewünschten Vorhersagetage (Numdays). Sollten Sie die Angabe der Werte in angelsächsischen Maßen wünschen, stellen Sie den Schlüssel Imperial von false auf true um. Zudem können Sie die Sprache von en auf de ändern, um Wego zu deutschen Ausgaben zu veranlassen.

Listing 3

 

{
  "APIKey": "API-Schlüssel",
  "City": "Erding",
  "Numdays": 3,
  "Imperial": false,
  "Lang": "de"
}

Wenn der Blick aus dem Fenster nicht reicht

Nach dem Abspeichern der .wegorc rufen Sie die Wettervorhersage als normaler User mit wego auf. Diese speist sich aus der soeben editierten Datei. Möchten Sie auf die Schnelle wissen, wie das Wetter andernorts ausfällt, geben Sie im Terminal wego Ort[Land][Tage] ein (Abbildung 3). Wenn Sie keine Zahl angeben, beschränkt sich Wego in der Voreinstellung auf das aktuelle Datum und eine Vorschau für die nächsten beiden Tage.

Abbildung 3: Per Aufrufparameter sehen Sie direkt das Wetter für andere Orte ein. Herrschen dort extreme Minusgrade, lässt sich die Anzeige auf hellem Hintergrund besser lesen.

Abbildung 3: Per Aufrufparameter sehen Sie direkt das Wetter für andere Orte ein. Herrschen dort extreme Minusgrade, lässt sich die Anzeige auf hellem Hintergrund besser lesen.

Manchmal müssen Sie ein wenig herumspielen und eventuell das Land weglassen oder auf eine größere Stadt in der Nähe ausweichen. Das gilt besonders für dünn besiedelte oder abseits gelegene Gegenden. Generell erwartet Wego die Ortsnamen in der im Englischen gebräuchlichen Schreibweise beziehungsweise Transkription. Sie tippen also besser “Munich” und “Cologne” statt München und Köln (“muenchen”, “koeln” etc. klappen aber) beziehungsweise “Vladivostok” und “Chelyabinsk” statt Wladiwostok und Tscheljabinsk.

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