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Aus Raspberry Pi Geek 01/2016

Ubuntu Maté auf dem Raspberry Pi

© Computec Media GmbH

Erfrischungsgetränk

Ferdinand Thommes

Die Ubuntu-Variante mit der Desktop-Umgebung Maté bietet sich dank deren ressourcenschonender Arbeitsweise auch für den Einsatz auf dem Raspberry Pi 2 an.

Martin Wimpress, der Initiator, Entwickler und Release-Manager von Ubuntu Maté, ist ein großer Freund des Raspberry Pi. Er glaubt, viele Menschen seien durch den kleinen Rechner eher zufällig das erste Mal mit Linux in Berührung gekommen – und so erfülle der Winzling auch in dieser Hinsicht seinen Bildungsauftrag. Was liegt da näher, als Ubuntu Maté 15.10 auf die ARM-Plattform zu portieren und für den RasPi 2 fit zu machen? Bereits am Erscheinungstag von Ubuntu 15.10 lag die ARM-Portierung vor, die wir hier testen. Da sich die Desktop-Umgebung Maté von den Anforderungen her sowohl gut für den RasPi als auch für Linux-Einsteiger eignet, betrachten wir die Vorbereitungen von Windows und von Linux aus.

Vorbereitungen

Laden Sie zunächst das etwa 1,2 GByte große Archiv von der Heft-DVD oder der Projektseite [1] herunter. Das Image eignet sich nur für den Raspberry Pi 2, nicht aber für ältere Modelle, die eine andere Version der ARM-Plattform voraussetzen. Unter Windows entpacken Sie das Bzip-Archiv mit Winrar oder dem kostenfreien 7-Zip, unter Linux mit Bunzip2. Als Resultat erhalten Sie eine 3,7 GByte große Imagedatei. Für deren sinnvolle Verwendung benötigen Sie also eine SD-Karte mit mindestens 8 GByte Kapazität, damit noch Platz zum Speichern von Dateien oder das Installieren zusätzlicher Software bleibt. Zudem sollten Sie darauf achten, dass die verwendete Micro-SDHC-Speicherkarte der Klasse 10 entspricht, um eine ausreichende Geschwindigkeit bei der Datenverarbeitung zu gewährleisten. Keinesfalls sollten Sie eine Karte unter Class 6 verwenden.

Unter Windows eignet sich das Programm Win32 Disk Imager [2], um das Image auf die SD-Karte zu schreiben. Achten Sie unbedingt darauf, für die Speicherkarten den korrekten Laufwerksbuchstaben anzugeben: Die Auswahl eines falschen Laufwerks kann zu Datenverlusten führen. Unter Linux verwenden Sie stattdessen das Kommandozeilenwerkzeug Dd (siehe Kasten “Images mit Dd schreiben”).

Images mit Dd schreiben

Dd dient zum bitgenauen Kopieren von Festplatten, Partitionen oder Dateien. Im Prinzip führt der als Root ausgeführte Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 zum Erfolg. Allerdings überschreibt Dd das angegebene Device ohne jede Nachfrage. Stellen Sie also unbedingt sicher, den korrekten Bezeichner zu verwenden. Liegt das entpackte Image im Ordner Download/ Ihres Home-Verzeichnisses und trägt die SD-Karte den Bezeichner sdb, lautet der Befehl wie in der zweiten Zeile von Listing 1. Weitere Informationen zu Dd finden Sie beispielsweise im Ubuntu-Wiki [4].

Listing 1

 

# dd bs=1M if=/Pfad/zur/Image-Datei of=/dev/sdX
# dd bs=1M if=/home/User/Downloads/ubuntu-mate-15.10-desktop-armhf-raspberry-pi-2.img of=/dev/sdb

Einstieg

Nach dem Schreiben des Images auf die SD-Karte stecken Sie diese in den RasPi ein. Danach verbinden Sie den Einplatinenrechner mit Netzwerk, Maus, Tastatur, einem Bildschirm und der Stromversorgung. Das Anstecken der Stromversorgung startet das System und damit einen für den RasPi angepassten, selbsterklärenden Ubuntu-Installer. Nach vollendeter Einrichtung startet Ubuntu Maté automatisch ins frisch installierte System und präsentiert ein von Gnome 2 bekanntes Desktop-Flair.

Beim ersten Start empfängt Sie ein Willkommensfenster (Abbildung 1), das über die ersten Schritte und das Hilfeangebot informiert. So gelangen Sie direkt in den IRC-Hilfekanal des Projekts, um dort gegebenenfalls in Echtzeit Probleme zu schildern und Antworten zu erhalten. Bevor Sie beginnen, sich mit dem neuen System vertraut zu machen, sollten Sie noch einige Anpassungen vornehmen.

Abbildung 1: Der Willkommensbildschirm von Ubuntu Maté verschafft erste Orientierung und bietet Hilfe bei Problemen an.

Abbildung 1: Der Willkommensbildschirm von Ubuntu Maté verschafft erste Orientierung und bietet Hilfe bei Problemen an.

Beim Schreiben des Images auf die SD-Karte wurde neben einer kleinen Bootpartition lediglich eine Systempartition mit 3,5 GByte Größe angelegt, die das System mit 3,2 GByte bereits fast vollständig belegt. Der Rest der SD-Karte liegt brach, solange Sie die zweite Partition nicht im Konfigurationswerkzeug Raspi-config über den Punkt 1 Expand Filesystem erweitern (Abbildung 2). Er ist beim Start von Raspi-config bereits markiert, sodass Sie nur noch mit [Tab] zu Select wechseln und auf die Eingabetaste drücken müssen. Nach der Anwahl von Finish fragt das Werkzeug einen Neustart an, um die Erweiterung des Dateisystems vollenden zu können.

Falls Sie beim Einrichten von Ubuntu Deutsch als Sprache gewählt haben, empfiehlt es sich, nach dem ersten Start des Desktops die noch fehlenden Lokalisierungen nachzuinstallieren, sodass LibreOffice, Firefox und andere Programme durchgängig deutsche Menüs erhalten. Das erledigen Sie unter System | Einstellungen | Persönlich | Sprachen (Abbildung 2). Die Installation der fehlenden Pakete dauert ein paar Minuten, danach ist das System fast ganz lokalisiert.

Abbildung 2: Über die Spracheinstellungen von Ubuntu installieren Sie bequem noch fehlende Lokalisierungen nach.

Abbildung 2: Über die Spracheinstellungen von Ubuntu installieren Sie bequem noch fehlende Lokalisierungen nach.

Durchdachte Software-Auswahl

Die Auswahl der mit Ubuntu vorinstallierten Software erweist sich als recht durchdacht. Für Büroarbeiten dient LibreOffice 5, das Maté-Wörterbuch ergänzt das Office-Gespann. Atril kommt als Dokumentenbetrachter zum Zug. Der Ableger des Gnome-PDF-Readers Evince zeigt neben den LibreOffice-Formaten auch PDF, PostScript (PS), Encapsulated PostScript (EPS), Djvu, und DVI an und druckt sie aus. Zum reinen Betrachten greifen Sie besser zum ressourcenschonenden und flinken PDF-Reader MuPDF, der speziell die Anzeige großer, grafiklastiger Dokumente beschleunigt.

Als Browser kommt Mozilla Firefox zum Zug, um E-Mails, Kalender und Aufgaben kümmert sich der E-Mail-Client Thunderbird. Transmission lädt Dateien via Torrent herunter, mit Hexchat plaudern Sie im IRC, als Messenger für alle Fälle dient Pidgin. Als Videoplayer finden sich VLC sowie der leichtgewichtige OMXPlayer im Angebot. Das Webcam-Tool GUVCView, der Musikplayer Rhythmbox und das Brennprogramm Brasero komplettieren die Riege.

Der Standard-Dateimanager Caja stammt von Gnomes Nautilus ab, der Texteditor Pluma ging aus Gedit hervor, Engrampa verdankt seine Existenz dem Archivwerkzeug File Roller. Beim Zubehör finden sich Applikationen für Backups, ein Screenshot-Tool sowie das (standardmäßig nicht aktivierte) GTK-Dock Plank. Der Bildbetrachter EOM, die Bildbearbeitung Shotwell sowie Simple Scan bilden die Grafikabteilung. Der Menüpunkt System fasst eine Vielzahl an Konfigurationswerkzeugen zusammen, die ein umfangreiches Anpassen des Systems auf allen Ebenen erlauben.

Die Paketverwaltung übernimmt das von Raspian bekannte Dpkg mit dem Konsolen-Frontend Apt. Ziehen Sie ein grafisches Paketmanagement vor, installieren Sie den Paketmanager Synaptic nach. Bevorzugen Sie eher App-Stores, richten Sie stattdessen via sudo apt-get install software-center das Ubuntu Software Center ein.

Mehr Power, weniger Strippen

Auf dem Raspberry Pi dauert der Start der Anwendungen ein wenig länger als vom PC gewohnt – für LibreOffice beispielsweise rund sechs Sekunden, bei Firefox etwa zehn Sekunden. Das Arbeiten geht jedoch flüssig von der Hand, auch Speichervorgänge dauern nicht übermäßig lange. Ungeduldige übertakten für etwas Leistungszuwachs den Raspberry Pi über Raspi-Config unter dem Menüpunkt 7 Overclock. Die entsprechenden Einstellungen bieten am unteren Ende der Skala einen Modus für den RasPi 2 (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Übertaktungsmodul aus dem Werkzeug Raspi-Config erlaubt es Ihnen, die CPU für mehr Rechenleistung schneller als vorgesehen zu takten. In der Praxis gab es damit keinerlei Probleme.

Abbildung 3: Das Übertaktungsmodul aus dem Werkzeug Raspi-Config erlaubt es Ihnen, die CPU für mehr Rechenleistung schneller als vorgesehen zu takten. In der Praxis gab es damit keinerlei Probleme.

Das Testsystem in der Redaktion läuft seit geraumer Zeit auf der Übertaktungsstufe Pi2, ohne die geringste Instabilität zu zeigen. Reagiert Ihr RasPi da anders, kehren Sie einfach zum Modus High zurück. Das Drücken der Umschalttaste während des Hochfahrens deaktiviert das Übertakten für die aktuelle Sitzung. Generell gilt die Warnung, dass Übertakten die Lebensdauer des RasPi verkürzen kann.

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