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Aus Raspberry Pi Geek 02/2014

Workshop: RISC OS auf dem RasPi (Teil 1)

© Almagami, 123RF

Einfach anders

Volkert Barr

Die Geschichte von RISC OS war von Anfang an eng mit jener der ARM-Prozessoren verbunden. So verwundert es nicht, dass sich das schlanke Betriebssystem auch auf dem Raspberry Pi durch geringen Ressourcenverbrauch und hohe Leistung auszeichnet.

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Aufgrund seiner Geschichte und seines geringen Ressourcenverbrauchs passt RISC OS sehr gut ins Konzept des Raspberry Pi. Deswegen wollen wir Sie in dieser und den kommenden Ausgaben näher mit dem System vertraut machen. Dieser Artikel erzählt die Geschichte von RISC OS und ermöglicht Ihnen erste Gehversuchen mit dem System.

RISC OS war das erste Betriebssystem für den ARM-Prozessor. Beide entstanden in den 1980er-Jahren bei der Firma Acorn Computers in Großbritannien. Der auf der Insel sehr populäre Hersteller wurde oft auch als “Englands Apple” bezeichnet. Ältere Semester erinnern sich sicher an den MOS-6502-basierten BBC Micro mit dem legendären BBC Basic (ab 1981). Auf dem ebenfalls legendenumwobenen Acorn Archimedes mit 32-Bit-ARM-CPU (1987), dem RISC PC (1993) und dem A7000 (1995) lief bereits RISC OS.

Die Rechner waren mit für die damalige Zeit geradezu sagenhafter Technik ausgestattet und liefen rasend schnell, waren aber (zumindest in Deutschland) auch nicht gerade preiswert: So kostete ein Archimedes stolze 3500 D-Mark – das entspräche heute umgerechnet knapp 5800 Euro. Zum Vergleich: Der gleichzeitig vorgestellte Amiga 500 war schon für 1400 D-Mark zu haben.

Wechselfälle

1990 begannen die Unternehmen Acorn, Apple und VLSI ARM Ltd. eine Kooperation, deren Ergebnisse in Apples legendären PDA Newton sowie in Acorns RISC PC einflossen. In der Zwischenzeit wollte Acorn neue Märkte erobern und konzentrierte sich auf die Entwicklung von RISC OS basierten Media-Settop-Boxen und Netzwerk-Computern, doch der Erfolg blieb aus.

Daraufhin löste sich 1998 der Acorn-Entwicklungsbereich auf, die noch im selben Jahr aus einem Zusammenschluss von Acorn-Händlern und Entwicklern entstandene RISC OS Ltd. sicherte sich eine Lizenz für die Weiterentwicklung des Betriebssystems. Auf der Erfolgsspur war hingegen ARM, seit 1998 eine eigenständige Holding.

1999 wurde Acorn Computers in Element 14 Ltd. umbenannt und versuchte nun, sich im Markt für DSP-basierte Lösungen zu positionieren. Die Settop-Boxen-Sparte zusammen mit dem RISC OS ging an Pace Micro Technology über. Das führte zu zwei Entwicklungssträngen von RISC OS: einer von Pace und einer von RISC OS Ltd. Die Lizenzen für die Herstellung der RISC-PC-Rechner übernahm Castle Technology, der Rest von Element 14 landete letztlich 2000 beim Chiphersteller Broadcom.

Für die Weiterentwicklung RISC-OS-basierter Rechner sorgte somit ab 2002 vor allem Castle Technology. Dazu lizenzierte das Unternehmen zunächst RISC OS von Pace und kaufte es 2003 schließlich komplett. 2006 wurde die neu geschaffene RISC OS Open Ltd. von Castle mit der schrittweisen Offenlegung der Sourcen von RISC OS betraut. Somit gab es erstmals die Möglichkeit, RISC OS auf neue ARM-Hardware zu portieren, wie etwa auf das Beagleboard, das Pandaboard sowie seit 2012 auf den Raspberry Pi.

Die Anzahl der Benutzer und Entwickler von RISC OS schrumpfte über die Zeit, nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Entwicklungsstränge. Seit 2013 gibt es erfreulicherweise nur noch ein System, für das federführend die RISC OS Open Ltd. (ROOL) verantwortlich zeichnet: das heutige RISC OS 5.

Noch heute gibt es (vor allem in Großbritannien) einen harten Kern an Anwendern und Entwicklern, die beharrlich an der Zukunft von RISC OS arbeiten. Sie kommen regelmäßig auf Veranstaltungen zusammen, tauschen sich aus und stellen neue Produkte vor. Die Portierung auf den Raspberry Pi hat die Hoffnung geweckt, dass sich RISC OS wieder mehr verbreitet. So hat sich ROOL zum Ziel gesetzt, die Plattform einer breiteren Masse zugänglich zu machen und bemüht sich, die Integration mit der Hardware weiter zu verbessern.

Modularer Aufbau

Bei RISC OS handelt es sich um ein schlankes, modular aufgebautes Betriebssystem. Dadurch eignet es sich auch bestens für den Einsatz auf schwächerer Hardware wie dem Raspberry Pi. Es wurde als Einbenutzersystem konzipiert und unterstützt kooperatives Multitasking, das es innerhalb des Fenstermanagers WIMP (“Windows, Icons, Menu, Pointer”) realisiert.

RISC OS bietet von Haus aus zahlreiche kleine Werkzeuge und Applikationen. Dazu zählen ein Editor, je ein pixelbasiertes und vektorbasiertes Zeichenprogramm sowie ein Musikprogramm. Darüber hinaus liefert RISC OS mit BBC Basic einen sehr schnellen Basic-Interpreter, in dem auch etliche Werkzeuge und Applikationen des Betriebssystems erstellt wurden.

Daneben enthält die Raspberry-Pi-Distribution von RISC OS weitere Applikationen, wie einen PDF-Reader, den Webbrowser NetSurf, den Paketmanager PackMan und reichlich Dokumentation – unter anderem Programmierbücher und eine Version des über 1000 Seiten starken “Acorn Reference Programming Manuals” (RPM).

Erste Schritte

Der Schnelleinstieg setzt voraus, dass Sie das Image für RISC OS schon auf die SD-Karte geschrieben und gebootet haben. Danach empfängt das System Sie mit einem übersichtlichen Desktop (Abbildung 1). Dessen oberer Teil dient quasi als Pinnwand, den unteren Teil nimmt die Iconbar ein (die übrigens Microsoft für Windows 95 lizenzierte). Auf beiden Elementen finden sich unterschiedliche Symbole, die für Dokumente oder Applikationen stehen.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick unterscheidet sich der RISC-OS-Desktop nur marginal von anderen, etwa KDE oder Gnome – doch der Eindruck täuscht.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick unterscheidet sich der RISC-OS-Desktop nur marginal von anderen, etwa KDE oder Gnome – doch der Eindruck täuscht.

Oben links an der Pinnwand befinden sich mehrere Icons übereinander. Hinter dem Symbol welcome/html verbirgt sich eine HTML-Seite, welche erste Hilfestellungen zum Umgang mit RISC OS liefert. Sie öffnen sie per Doppelklick mit der linken Maustaste im Standard-Webbrowser NetSurf. Unterhalb davon finden Sie die Symbole !Configure, !PackMan und !Store.

RISC OS versieht Applikationsnamen stets mit einem Ausrufezeichen (liebevoll “Pling” genannt). Das liegt darin begründet, dass es sich bei den “Anwendungen” eigentlich um Verzeichnisse handelt, die das Betriebssystem aber aufgrund dieser Markierung speziell behandelt. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch Mac OS X.

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