Aus Raspberry Pi Geek 07/2023

Void Linux für ARM- und Intel-CPUs

© Computec Media GmbH

Schlanker Allrounder

Anzela Minosi

Die meisten Distros basieren auf bekannten Vertretern wie Debian, Fedora oder Arch Linux. Native Versionen wie Void Linux bedeuten zwar eine steile Lernkurve, bieten aber etliche Vorteile.

Oft folgt beim ersten Booten nach der Installation die große Ernüchterung: Die gewählte Desktopumgebung belegt die Festplatte mit allerlei nicht benötigten Anwendungen, im Hintergrund laufende Prozesse schmälern die zur Verfügung stehende Rechenleistung. Anders verhält es sich mit Void Linux [1] – Als Installationsmedium stehen, abgesehen vom vorinstallierten XFCE-Desktop, Basisinstallationen bereit, mit denen Sie die Distribution besser Ihre Bedürfnisse anpassen und zweckorientierter einsetzen.

Das Installationsmedium besteht lediglich aus den nötigsten an Paketen, was sie anpassungsfähiger macht als zahlreiche geforkte Distributionen. Anders als viele Mainstream-Distros verzichtet Void Linux auf einen grafischen Installer und nutzt stattdessen eine Ncurses-basierte Variante. Sofern Sie Wert auf eine grafische Nutzeroberfläche legen, bringt Void Linux hierfür diverse Desktopumgebungen mit.

Insgesamt fallen Installation und Betrieb bei Void Linux ressourcensparend aus. Dementsprechend eignet sich die Distribution auch für schwächere Rechner wie den Raspberry Pi. Allerdings erwartet der Installer zumindest Grundlagenkenntnisse über Linux, womit sich Void Linux eher an fortgeschrittene Anwender richtet. Gleiches gilt für den konsolenbasierten Paketmanager XBPS.

Installation

Möchten Sie sich die durchaus anspruchsvolle Installation erst einmal ersparen, laden Sie ein Live-Image mit der passenden Desktopumgebung herunter [2]. Dabei entscheiden Sie sich zwischen der Basisversion (base) und der Version mit einem XFCE-Desktop. Der Bootmanager gestattet das Laden des Systems in den Hauptspeicher, der dazu allerdings mindestens 4 GByte umfassen muss. Alternativ wählen Sie die erste Option, um das Live-Image auf einem freien Platz auf der Festplatte zu installieren. Den Installationsassistenten starten Sie auf der Konsole, indem Sie sich als root oder anon zusammen mit dem Passwort voidlinux einloggen und den Befehl void-installer eingeben.

Das Installationsmenü besteht aus elf Unterpunkten, wobei Sie damit beginnen, das Tastaturlayout einzustellen. Unter Keyboard | Select your keymap wählen Sie das gewünschte aus, in Deutschland für gewöhnlich de-latin1-nodeadkeys. Im nächsten Schritt geht es unter Network an das Einrichten der Netzwerkumgebung. Für eine Standardinstallation mit einem Router als Gateway ins Internet nutzen Sie üblicherweise DHCP. Daraufhin geben Sie an, von welcher Quelle Sie die erforderlichen Pakete für die Installation verwenden möchten. Sie haben unter Source | Select installation source die Wahl zwischen local, bei der die Pakete für die Installation vom ISO-Image stammen, und Network, das aktuelle Pakete vom Online-Repository bezieht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Ncurses-basierte Void-Installer steht nur in der x86-64-Variante zur Verfügung.

Abbildung 1: Der Ncurses-basierte Void-Installer steht nur in der x86-64-Variante zur Verfügung.

Im Untermenü Hostname vergeben Sie für den Rechner einen maximal 63 Zeichen langen Namen. Rechnernamen mit vollem Domainnamen dürfen bis zu 253 Zeichen umfassen. Unter Locale | Select your locale passen Sie die Spracheinstellungen an (de_DE.UTF-8). Danach definieren Sie unter Timezone | Select area und Select Location die Zeitzone.

Benutzerkonten richten Sie unter UserAccount ein. Im Unterfenster Select group membership … weisen Sie dem neuen Benutzer relevante Gruppen zu, wobei die Standardeinstellungen zunächst ausreichen. Das generische Root-Passwort bleibt zwar nach der Installation erhalten, Sie sollten es aus Sicherheitsgründen jedoch zeitnah über das Untermenü RootPassword ändern.

Besonderes Augenmerk erfordert das Einrichten der Festplatte, da bei Fehlkonfiguration möglicherweise das System nicht bootet. Indem Sie unter BootLoader | Select the disk to install the bootloader eine Festplatte angeben, legen Sie den Installationsort des Bootloaders fest. Zur Partitionerung stellen Sie unter Partition | Select the disk to partition die entsprechende Festplatte ein, unter Select the software for partitioning die gewünschte Software. Zur Auswahl steht unter anderem Cfdisk, das speziell Einsteigern das Einrichten erleichtert (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unter Void Linux lässt sich die Festplatte beispielsweise mittels Cfdisk partitionieren.

Abbildung 2: Unter Void Linux lässt sich die Festplatte beispielsweise mittels Cfdisk partitionieren.

Vor der Partitionierung der Festplatte gilt es, die Partitionstabelle unter Modify Partition Table on … einzurichten. Bei handelsüblichen Festplatten und Mikro-SD-Karten eignen sich vor allem GPT beziehungsweise DOS. Allerdings hängt die Wahl unter anderem vom BIOS ab. Zum Beispiel benötigt ein UEFI-BIOS eine Partitionstabelle auf GPT-Basis. Handelt es sich hingegen um ein Legacy-BIOS, kommt die Partitionstabelle DOS zum Einsatz.

Im nächsten Schritt zeigt der Installer den freien Platz vorhandener Partitionen an. Zu Testzwecken genügen zwei Partitionen, die Boot- und Root-Partition, letztere enthält alle anderen Ordner samt Unterordner und Dateien. Markieren Sie zunächst die Zeile mit der Bezeichnung Free Space, danach klicken Sie auf New. Nun bestimmen Sie die Größe der einzelnen Partitionen. Für die Boot-Partition, die Sie zu Beginn angelegen, brauchen Sie etwa 1 GByte. Den restlichen Platz verwenden Sie für die Root-Partition.

Nach dem Festlegen der Partitionsgröße geht es mit dem Partitionstyp weiter. Für die Boot-Partition eines UEFI-BIOS wählen Sie den Eintrag EFI System aus, während sich für das Legacy-BIOS der Eintrag BIOS boot eignet. Für alle anderen Partitionen wie Root- oder Heimatverzeichnis taugt der Partitionstyp Linux filesystem besser (Abbildung 3).

Optional richten Sie noch eine Swap-Partition mit dem Partitionstyp Linux swap ein. Nach Abschluss der Partitionierung markieren Sie jede Partition in der Übersicht und drücken anschließend auf den Schalter Write. Dadurch schreibt der Installer für jede Partition die Änderungen auf die Festplatte. Zurück zum Hauptmenü gelangen Sie via Quit.

Abbildung 3: Die Einstellungen der Partitionierung &uuml;bernimmt das System erst nach dem Best&auml;tigen via <code>yes</code>.

Abbildung 3: Die Einstellungen der Partitionierung übernimmt das System erst nach dem Bestätigen via yes.

Unter Filesystems definieren Sie die Einhängepunkte der einzelnen Partitionen, wobei die folgenden Einstellungen für jede Partition gelten. Wählen Sie im Unterfenster Select the partition to edit eine Partition aus und geben Sie daraufhin unter Select the filesystem type das Dateisystem an.

Für Boot-Partitionen nutzen Sie VFAT, die Swap-Partition formatiert man üblicherweise mit dem Dateisystem Linux Swap. Für alle weiteren Partitionen leistet Ext4 gute Dienste (Abbildung 4).

Abbildung 4: Wie bei anderen Distributionen &uuml;blich legen Sie in Void&nbsp;Linux das Dateisystem f&uuml;r jede Partition einzeln fest.

Abbildung 4: Wie bei anderen Distributionen üblich legen Sie in Void Linux das Dateisystem für jede Partition einzeln fest.

Den Einhängepunkt legen Sie im Unterfenster Please specify the mount point for … fest. Als Mount-Point der Boot-Partition eines UEFI-Systems kommt für gewöhnlich /boot/efi zum Einsatz, bei Rechnern mit Legacy-BIOS /boot. Für die Root-Partition verwenden Sie in der Regel /, um darüber auf sämtliche Unterordner einer Linux-Festplatte zuzugreifen. Die eigentliche Installation erfolgt im Anschluss, indem Sie im Untermenü Install die zuvor vorgenommenen Einstellungen bestätigen (Abbildung 5).

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