Aus Raspberry Pi Geek 07/2023

Void Linux für ARM- und Intel-CPUs (Seite 2)

Abbildung 5: Der Void-Installer beginnt dem mit der Installation erst nach dem Bestätigen der Einstellungen.

Abbildung 5: Der Void-Installer beginnt dem mit der Installation erst nach dem Bestätigen der Einstellungen.

Installation auf dem RasPi

Auf der Download-Seite von Void Linux steht ein Image für den RasPi bereit [3], das im AARCH64-Bit-Modus läuft. Mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 kopieren Sie das Image auf die Mikro-SD-Karte.

Listing 1

Image und Kernel transferieren

# xzcat void-rpi-aarch64-Datum.img.xz | dd bs=4M of=Laufwerk status=progress; sync
# mount Gerätename Einhängepunkt
# cp kernel8.img Einhängepunkt

Um den aktuellen Kernel zu ersetzen, mounten Sie anschließend die Boot-Partition mithilfe des Befehls aus der zweiten Zeile. Falls Sie die Boot-Partition nicht sofort finden, zeigt das Kommando lsblk alle am Rechner angeschlossenen Laufwerke an. Den Kernel laden Sie entweder herunter [4] oder kompilieren ihn selbst [5]. In beiden Fällen erhalten Sie dadurch den offiziellen Kernel als Image, den Sie in das System kopieren (dritte Zeile).

Für die Root-Partition besteht ebenfalls Handlungsbedarf, da sie sich nicht automatisch an die Größe der Mikro-SD-Karte anpasst. Dem heruntergeladenen Image fehlt ein Resize-Tool, weshalb die Karte nicht voll ausgenutzt wird. Hierfür können Sie über ein Tool wie GParted den verfügbaren Speicher der Root-Partition zuweisen. Des Weiteren fügen Sie dem System bei Bedarf außerdem eine Swap-Partition nach der Root-Partition hinzu.

Schließlich müssen Sie noch die zwei bekannten, vom Raspberry Pi benötigten Konfigurationsdateien bearbeiten. In der Datei /boot/cmdline.txt sollten Sie die Identifikation der Root-Partition anpassen, damit sie nach dem Booten gefunden wird. Dazu verwenden Sie entweder die UUID oder die PartUUID, die das Kommando # blkid Gerätename ermittelt.

Die Konfigurationsdatei /boot/config.txt enthält unter anderem Angaben bezüglich des Monitors. Zusätzlich lassen sich darüber die CPU übertakten und Einstellungen zu den USB-Anschlüssen sowie Einstellungen an der Hardware wie Grafikchip oder Sound-Chip vornehmen (Listing 2).

Listing 2

/boot/config.txt

## /boot/config.txt
## USB-Ports mit maximalen Strom versorgen
max_usb_current=1
## GPU-Größe einstellen
gpu_mem=RAM
## Onboard-Sound anschalten
dtparam=audio=on
## Monitor-Einstellungen bei HDMI
hdmi_drive=HDMI-Anschluss
hdmi_group=HDMI-Gruppe
hdmi_mode=HDMI-Mode

Des Weiteren überprüfen Sie in der Datei /etc/fstab, ob die Bezeichnungen der einzelnen Partitionen stimmen und passen Sie gegebenenfalls wie zuvor für die Datei /boot/cmdline.txt an. Danach hängen Sie die gemounteten Laufwerke wieder aus (Listing 3, erste zwei Zeilen), und booten den RasPi von der Mikro-SD-Karte .

Listing 3

Image aushängen und Nutzer anlegen

# umount Gerätename
# sync
# useradd -m Benutzername
# passwd Benutzername
# cat /etc/group
# usermod -a Benutzername -G Gruppe

Im Prinzip unterscheidet sich das Raspberry Pi Image nicht so sehr von der weiter oben beschriebenen Basis-Installation für x86-64-basierte Computer. Es beherbergt ebenfalls keine grafische Oberfläche. Zudem existiert kein Benutzerkonto, sodass Sie es erst noch erstellen müssen (Listing 3, Zeilen 3und  4). Damit der Benutzer über ausreichend Rechte verfügt, ordnen Sie ihn unterschiedlichen Gruppen zu (Zeilen 5 und 6 von Listing 3).

Multimedia

In der Regel bestehen beide Images nach der Installation aus veralteten Paketen, weswegen sich eine Systemaktualisierung via # xbps-install -Su empfiehlt. Grundsätzlich brauchen Sie für die Desktopumgebung einen Display-Manager, der das Anmeldefenster und einen Window-Manager realisiert, der die Desktop-Umgebung bereitstellt (siehe Tabelle “Verfügbare Desktops”).

Desktop

Version

Softwarepakete

Cinnamon

5.4.9

cinnamon, cinnamon-all

Enlightenment

0.25.4

enlightenment

Gnome

43.0

gnome, gnome-apps

LXDE

0.5.0

lxde

LXQt

1.2.0

lxqt

Mate

1.26.0

mate, mate-extras

XFCE

4.18.0

xfce4, xfce4-plugins

Um beispielsweise den Cinnamon-Desktop zusammen mit SDDM zu installieren, gehen Sie wie in Listing 4 beschrieben vor. Damit SDDM nach der Installation das Anmeldefenster startet, benötigt das System diverse Verlinkungen mit dem Sitzungsmanger, bekannt als Init-System. Dadurch teilen Sie Void Linux explizit mit, dass SDDM nach dem Booten startet. Darüber hinaus können Sie den Networkmanager als Hintergrundprozess starten, um später die Einstellungen des Netzwerks auf der grafischen Oberfläche vorzunehmen. Außerdem müssen Sie D-Bus nach dem Booten starten.

Listing 4

Desktop installieren

# xbps-install sddm cinnamon cinnamon-all xorg mesa-dri
# ln -s /etc/sv/sddm /var/service
# ln -s /etc/sv/NetworkManager /var/service
# ln -s /etc/sv/dbus /var/service

Abgesehen von der passenden Desktopumgebung müssen Sie den Grafikkartentreiber mesa-dri einbinden. Anschließend schalten Sie in der Konfigurationsdatei /boot/config.txt den Grafikkartentreiber des Kernels mit dtoverlay=vc4-kms-v3d ein. Damit die Einstellungen greifen, starten Sie Void Linux mit # reboot neu.

Im Grunde handelt es sich bei Void Linux um eine abgespeckte Linux-Distribution, wovon Sie sich selbst ein Bild machen können, indem Sie das Startmenü etwa von Cinnamon öffnen. Üblicherweise müssen Sie weitere Standardanwendungen wie ein Screenshot-Tool oder Bildbetrachter nachinstallieren. Dasselbe gilt für Audio: Um beispielsweise den Ton von PulseAudio regeln zu lassen, installieren Sie die Pakete pulseaudio und pavucontrol. Danach öffnen Sie Pavucontrol, welches Sie im Startmenü unter PulseAudio Volume Control finden. Die Einstellungen Sound Settings | Output erlauben es, das Standard-Audiogerät anzuzeigen oder zu testen. Sollte beim Abspielen eines Videos oder einer Audiodatei kein Ton zu hören sein, wählen Sie im Tab Applications das passende Audiogerät aus (Abbildung 6).

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