Dank etablierter Techniken setzen Sie im Handumdrehen einen Raspberry Pi als Thin Client auf.
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Geringer Energieverbrauch, lautloser Betrieb und kleine Abmessungen und ein gewisses Maß an Robustheit prädestinieren den Raspberry Pi für den Einsatz als Thin Client. Der Einsatzbereich geht vom klassischen Terminal bis hin zur komfortablen Sitzung mit komplettem Desktop.
Gründe für den Betrieb eines abgesetzten Arbeitsplatzes gibt es viele: Heimarbeit, Überwachung von verschiedenen Geräten über das Netzwerk, Schulungsräume oder die vereinfachte Administration von EDV-Arbeitsplätzen allgemein. Entsprechende Lösungen setzen Sie bei Bedarf mit gängigen Systemen wie dem Debian-basierten Raspbian oder dem Spezialisten RPi-TC auf.
Fernsicht
Wenn Sie nicht einen kompletten Desktop vom entfernten Rechner auf den Raspberry Pi exportieren wollen, reicht es vollkommen aus, das Display umzuleiten: Im Zusammenspiel mit SSH starten Sie ohne großen Aufwand ein GUI-Programm auf einer entfernten Maschine. Das setzt voraus, dass auf dem ausführenden Rechner der SSH-Server und X.org installiert ist, und auf dem lokalen PC ein SSH-Client sowie ein kompatibler X-Server.
Für Missverständnisse sorgt dabei immer wieder, dass der X-Server auf dem Rechner am Arbeitsplatz läuft, nicht auf dem entfernten Rechner. Bei Einsatz von SSH erfolgt der Transfer der Daten in beide Richtungen verschlüsselt. Mit dem folgenden Kommando initialisieren Sie die Verbindung:
$ ssh -X Benutzer@Rechner
Sie haben die Möglichkeit, den Namen eines Programms als Parameter anzuhängen, um dieses direkt zu starten. Bei geringer Bandbreite, lohnt es sich, die Option -C zu nutzen. Diese sorgt dafür, dass die Daten komprimiert über das Netz laufen.
Mehr Komfort
Den Bedienkomfort steigern Sie mit einer Startleiste am entfernten Rechner. Hierfür installieren Sie Wbar. Dessen Programmnamen (wbar) geben Sie als Parameter beim Aufbau der Verbindung an. Zusätzlich übergeben Sie Wbar die Option -above-desk, damit diese am Desktop des Raspberry Pis immer obenauf liegt. Außerdem legen Sie mit -pos Position die Lage der Leiste an. Der komplette Aufruf lautet wie folgt:
$ ssh -X Benutzer@Rechner wbar -above-desk -pos top
Auf dem entfernten Rechner kopieren Sie die systemweite Konfigurationsdatei /usr/share/wbar/dot.wbar in Ihr Home-Verzeichnis und benennen diese in .wbar um. Anschließend ändern Sie sie mit einem Editor entsprechend Ihren Wünschen ab. Listing 1 zeigt ein Beispiel.
Listing 1
i: /usr/share/wbar/iconpack/wbar.osx/osxbarback.png c: wbar -bpress -above-desk -pos top -zoomf 1.3 -isize 72 -idist 4 -jumpf 1 -nanim 3 -balfa 25 t: /usr/share/wbar/iconpack/wbar.osx/font/16 i: /usr/share/pixmaps/other/Webbrowser.png c: iceweasel t: iceweasel i: /usr/share/pixmaps/other/OpenOffice.png c: /opt/libreoffice3.5/program/soffice t: Libreoffice.Org i: /usr/share/pixmaps/other/GIMP.png c: gimp t: GIMP i:/usr/share/pixmaps/other/Dialog-Warning2.png c: killall -u $USER t: Ende
Die ersten drei Zeilen dieser Konfigurationsdatei ändern Sie nicht ab. Im Beispiel sehen Sie Einträge für Iceweasel, Libreoffice und Gimp. Die Icons für die Leiste geben Sie mit dem vollen Pfad an. Das der Zeile vorangestellte i leitet sich aus dem englischen Wort “icon” ab. Die Anwendung geben Sie ebenso – falls nötig – mit dem vollen Pfad an. Das c steht hier für “command”. Den Kommentar (t, “text”) tragen Sie ohne Leerzeichen ein.
Um die Leiste wieder zu schließen, kommen die letzten drei Zeilen zum Einsatz. Das Icon mit dem Stop-Zeichen warnt vor den Konsequenzen der Aktion. Der Befehl killall beendet alle mit Ihrer Benutzerkennung verbundenen Prozesse. Auf diese Weise laufen keine Programme nach dem Abmelden weiter. Das verhindert Prozesse in einer Endlosschleife.
Auf dem Rechner am Arbeitsplatz, dem Raspberry Pi, starten Sie die grafische Benutzeroberfläche und das LX-Terminal. Wechseln Sie ins Verzeichnis Desktop. Dort kopieren Sie die Datei LXTerminal.desktop nach fern.desktop. Öffnen Sie mit einem Editor die neue Datei. Ändern Sie darin Zeile 3 in Name=Fernsitzung, Zeile 13 in Name[de]=Fernsitzung und tragen Sie in Zeile 160 den Inhalt aus Listing 2 ein.
Listing 2
Exec=lxterminal -e ssh -X Rechner wbar -above-desk -pos top
Nach dem Neustart der graphischen Benutzeroberfläche sieht das Ergebnis ähnlich aus wie in der Abbildung 1. Es öffnet sich nach dem Anklicken das Terminal, in welchem Sie das Kennwort für die Anmeldung beim entfernten Rechner angeben. Anschließend startet die Wbar-Leiste darüber. Ein Klick auf eine Anwendung (hier: LibreOffice) startet diese. Wenn Sie auf das rechte Stop-Symbol in der Leiste klicken, beenden Sie alle Programme der Fernsitzung und diese selbst sofort. Nicht gespeicherte Arbeit geht dabei verloren.






