Das Skript Desktopify verwandelt die ARM-Version des Ubuntu-Servers in eine vollwertige Desktop-Installation für den RasPi.
Viele Distributionen bieten mittlerweile ARM-Versionen ihrer Desktop-Ausgaben an, die mehr oder weniger für den RasPi optimiert sind. Canonical hält sich da bisher zurück und offeriert offiziell lediglich eine Server-Variante für den Mini-PC.
Da stellt sich die Frage, ob Ubuntu als vollwertige Desktop-Distribution auf dem RasPi Sinn ergibt. Wir testen das mit der neuesten Ausgabe des Mini-Rechners mit 8 GByte RAM. Das Modell ist mit rund 80 Euro nicht ganz günstig, und so lohnt es sich, vor dem Kauf zu prüfen, was die Hardware bringt.
Der Einsatz des RasPi als Desktop-Ersatz erhielt mit dem Erscheinen der vierten Generation vor einem Jahr ordentlich Aufwind. Lief die Standarddistribution Raspbian (heute: Raspberry Pi OS) bereits auf dem Vorgänger recht ordentlich, so profitierten andere Distributionen wie Manjaro oder Elementary OS eher von der Hardware-Aufrüstung.
Der Raspberry Pi erfuhr mit der vor einem Jahr erschienenen vierten Auflage ein größeres Update, was die Leistungsfähigkeit angeht. Das gelang unter anderem durch den neuen Quad-Core-SoC Broadcom BCM2711. Zudem standen zu Beginn Modelle mit 1, 2 und 4 GByte RAM bereit. Seit Kurzem gibt es nun den RasPi 4 mit 8 GByte Arbeitsspeicher. Neben zwei HDMI-Ports gibt es bei der vierten Generation zwei USB-3-Ports. Gigabit-Ethernet macht seinem Namen alle Ehre, da es nun direkt und nicht über USB angebunden ist.
Heiße Sache
Die Vorteile haben die Entwickler allerdings mit einem Nachteil erkauft: Der RasPi 4 war das erste Modell der Reihe, das ohne zusätzliche passive oder aktive Lüftung nach einiger Zeit heiß lief, weswegen der SBC beim Erreichen von 85 Grad Celsius den Takt heruntersetzt.
Das neue Modell mit 8 GByte, das wir für diesen Artikel verwenden, ist durch die aktuelle Firmware in seinem Energiehunger beschnitten, was das Hitzeproblem etwas mildert. Nichtsdestotrotz kam im Test ein halb offenes Gehäuse mit aktivem Lüfter zum Einsatz, das sich vor allem dann empfiehlt, wenn Sie die Hardware im Dauerbetrieb halten wollen.
Abbild in Aussicht
Wie sieht es nun mit Ubuntu auf dem RasPi 4 aus? Schenkt man Martin Wimpress Glauben, seit dem Weggang von Will Cooke vor einem halben Jahr Chef der Desktop-Sparte bei Canonical und Betreuer des Mate-Desktops, dann könnte mit Ubuntu 20.10 im Oktober erstmals eine offizielle Desktop-Ausgabe für den RasPi erscheinen.
In einem Podcast sagte er kürzlich, das Unternehmen arbeite an einer Desktop-Variante, die hoffentlich bis zum Erscheinen von “Groovy Gorilla” oder kurz darauf fertig ist. Zwar lässt sich die installierte Server-Variante schon jetzt problemlos mit einem Desktop ausstatten, aber dabei geht immer etwas an Integration verloren und in der Vergangenheit schlichen sich dabei Fehler und Ungereimtheiten ein.
Deshalb hat Wimpress ein Werkzeug geschrieben, um den Ubuntu-Server auf dem RasPi bis zur Veröffentlichung einer offiziellen Version mit einem möglichst nahtlosen Desktop-Erlebnis auszustatten. Der Vorgang ist nicht komplizierter als per Apt einen Desktop zu installieren, verspricht aber ein besseres Ergebnis.
Desktopify
Das Tool heißt Desktopify, steht auf Github bereit [1] und setzt einen installierten Ubuntu-Server 20.04 auf dem Mini-PC voraus [2]. Die Server-Variante eignet sich für die Modelle 2, 3 und 4. Ein derartig aufgerüsteter Desktop macht aber nur auf dem RasPi 4 mit 4 oder 8 GByte RAM wirklich Spaß.
Am einfachsten bekommen Sie den Server auf eine SD-Karte, indem Sie das Tool Raspberry Pi Imager verwenden [3]. Hier wählen Sie ganz einfach die gewünschte Version (20.04, 32 oder 64 Bit) aus und ersparen sich so das manuellen Herunterladen sowie den Transfer auf die Karte (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der schnellste Weg zu Raspberry Pi OS oder Ubuntu auf einem RasPi führt über den Raspberry Pi Imager, der das gewählte Abbild herunterlädt und auf die SD-Karte schreibt.
Um den Raspberry Pi mit Ubuntu als Desktop sinnvoll zu nutzen, sollten Sie einen Bildschirm, eine Tastatur und einen Monitor anschließen. Im Text kam dazu eine NexDock-2-Docking-Station [4] zum Einsatz, die die Ausgabe des RasPi auf das integrierte Display bringt und eine einfache Eingabe erlaubt (Abbildung 2).






