
Abbildung 6: Die Systemüberwachung zeigt für Mate mit zehn offenen Tabs in Firefox, einem abspielenden Youtube-Video und geöffnetem LibreOffice-Writer einen vertretbaren Verbrauch bei CPU und RAM.
Das System wirkt freilich etwas träger als auf einem ausgewachsenen modernen PC oder Notebook, aber man kann damit arbeiten, ohne dass das Gefühl aufkommt, man verbringe mehr Zeit mit Warten als mit Arbeiten. Videos könnten allerdings sanfter laufen. Wie Sie die Hardware-Unterstützung für Videos zuschalten, hat der Blogger Dedoimedo kürzlich ausführlich in seinem Blog beschrieben [5]. Die Unterstützung für Audio müssen Sie zunächst ebenfalls von Hand einrichten [6].
Nun wollten wir wissen, ob dasselbe für das Schwergewicht Gnome zutrifft, und installierten die Variante ubuntu, also den mit Ubuntu 20.04 auslieferten Gnome-Desktop (Abbildung 7). Im Verlauf der Installation fragte das System ab, ob ein Wechsel von LightDM auf GDM3 als Login-Manager gewünscht sei, wobei wir uns für den mit Gnome ausgelieferten GDM3 entschieden.

Abbildung 7: Die Info in den Gnome-Settings zeigt ein aktuelles Gnome 3.36.2 an. Prozessor und Festplattengröße des RasPi werden allerdings nicht erkannt.
Die Wartezeit vertrieben wir uns mit dem Versuch, den RasPi zu überlasten, indem wir weitere Videos starteten sowie viele Bilder und weitere Anwendungen öffneten. Wir kamen dabei an den Punkt, wo Mate einige Sekunden brauchte, um etwa weitere Bilder zu öffnen. Aber das geschah an einem Punkt jenseits der Schwelle, was ein Desktop-System für Büro oder Hobby in der Regel leistet. Das sich der RasPi aber nicht für aufwendige Bildbearbeitung eignet, sollte jedem von vornherein klar sein.
Schwerfällig
Nach dem fälligen Neustart startete GDM3 zunächst Mate, sodass wir bei einem erneuten Reboot erst einmal Ubuntu im Login-Manager auswählen mussten. Ein Blick auf die Systemüberwachung gleich nach dem Start zeigt wie zu erwarten, dass Gnome 1,2 GByte RAM belegt, wo Mate mit rund 800 MByte zufrieden war. Auch die CPU-Last lag mit eingangs rund 25 Prozent etwa doppelt so hoch (Abbildung 8).

Abbildung 8: Die Systemüberwachung bei Gnome zeigt deutlich, warum sich der Desktop beim gleichen Anwendungsprofil wie bei Mate sehr schwerfällig anfühlt.
Der Start von LibreOffice Writer dauerte mit über drei Sekunden deutlich länger als unter Mate. Wir hätten den RasPi gern mit Gnomes eigenem Virtualisierer Boxen an seine Grenzen gebracht; der steht aber für die ARM-Plattform nicht bereit. Nachdem wir dann Firefox mit denselben zehn Tabs und einem Youtube-Video wie unter Mate gestartet hatten, stellten wir fest, dass das bereits ausreichte, die CPU zu 90 Prozent auszulasten.
Gleichzeitig war es mit der Stabilität vorbei, die Mate an den Tag gelegt hatte. Der Systemmonitor stürzte einige Male ab, Ubuntu meldete vermehrt interne Fehler. Das Ausschalten aller Desktop-Effekte brachte etwas Besserung – aber dann braucht es Gnome eigentlich nicht.
Im letzten Schritt wollten wir auch noch KDE Plasma 5 testen, aber kubuntu ließ sich trotz mehrerer Versuche nicht installieren.
Fazit und Ausblick
Als vollwertiger Ersatz für einen Ubuntu-Desktop hinterlässt der RasPi einen zwiespältigen Eindruck. Es wäre zu wünschen, dass eine offizielle Ubuntu-Desktop-Ausgabe für den RasPi bessere Voreinstellungen bietet. SSH, Audio und Video etwa benötigen derzeit noch manuelle Nacharbeit.
Mit dem auf Basis von Gnome 2 entwickelten Mate arbeitet Ubuntu auf dem RasPi 4 mit 8 GByte RAM relativ flüssig. Der Arbeitsspeicher genügt für ein Dutzend Tabs im Browser und eine virtuelle Maschine mit 2 GByte RAM. Anspruchsvolle Desktop-Umgebungen wie Cinnamon und Gnome (sowie vermutlich KDE Plasma) brauchen jedoch Ressourcen, die dem RasPi dann doch zu schnell ausgehen.
Da aber hinter Canonicals Bestrebungen nach einem ARM-Image für Ubuntu der Mate-Betreuer und Erfinder von Ubuntu Mate steht, Martin Wimpress, darf man vermuten, dass die Wahl letztendlich auf diesen schlanken Desktop fällt. (agr/jlu)
Infos
- Desktopify: https://github.com/wimpysworld/desktopify
- Ubuntu-Server: https://ubuntu.com/download/raspberry-pi
- Raspberry Pi Imager: https://linuxnews.de/2020/04/raspberry-pi-abbilder-auf-die-sd-karte-bringen/
- NexDock: https://linuxnews.de/2020/01/nexdock-2/
- Video: https://www.dedoimedo.com/computers/rpi4-ubuntu-mate-hw-video-acceleration.html
- Audio: https://www.dedoimedo.com/computers/rpi4-ubuntu-mate-audio.html





