Öffnen Sie nun durch ein Select auf das Icon der SD-Karte :0 ein weiteres Datei-Fenster. Dieses zeigt den Inhalt des Wurzelverzeichnisses der SD-Karte an. Indem Sie das Fenster bei gedrücktem Select am Titelbalken halten und mit der Maus platzieren, schieben Sie es auf dem Desktop weiter nach rechts.
Durch einen Klick auf den Titelbalken kommt das Fenster nach vorne. Klicken Sie nun in das neue Dokumentenfenster von Edit, um den Fokus zu setzen, und schreiben Sie einen kleinen Text. Das Fenster nimmt den Fokus an, sobald Sie hineinklicken – unabhängig davon, ob es im Vordergrund liegt.
Um den Text zu speichern, drücken Sie die mittlere Maustaste (Menu), während sich der Mauszeiger über dem Editor-Fenster befindet. Im Edit-Menü navigieren Sie zum kleinen Pfeil rechts vom Save-Eintrag, worauf sich ein Dialog öffnet. [F3] speichert den Text ab.
Unter RISC OS hängen an Menü-Einträgen zuweilen ganze Dialoge mit Textfeldern, Checkboxen oder Icons. Ein Menü verschieben Sie bei Bedarf wie ein Fenster durch Anfassen an der Titelleiste. Mit [Esc] oder einem Klick in einen freien Bereich auf dem Desktop schließen Sie das Menü wieder.
Ändern Sie nun den Dateinamen von Textfile in Hallo, drücken Sie aber noch nicht auf OK. Verschieben Sie jetzt das Edit-Icon aus dem Save-Dialog in das Datei-Fenster SDFS::RISCOSPi:$, um die Datei dort zu speichern (Abbildung 5).
Danach ändert sich die Titelzeile im Editor-Fenster in SDFS::RISCOSPi:$.Hallo. SDFS steht dabei für den Namen des Dateisystems, bei RISCOSPi handelt es sich um den Namen des Laufwerks und $ steht als Symbol für das Wurzelverzeichnis. In eben diesem befindet sich nun die Testdatei Hallo.
Wie Sie an diesem Beispiel erkennen, trennt RISC OS Verzeichnisnamen durch einen Punkt ab, statt wie Linux durch einen Schrägstrich. So handelt es sich bei SDFS::RISCOSPi:$.Documents.Books um den Ordner Books im Verzeichnis Documents der Dateisystemwurzel.
Drag & Drop
RISC OS verwendet sehr intensiv das Konzept von Drag & Drop – etwa um Dateien zu speichern, zu laden oder zu verschieben. In der Regel erlaubt es das System auch, Dateien auf die aktive Applikation in der Iconbar zu ziehen, um sie zu öffnen. Alternativ genügt meist auch ein Doppelklick mit der Select-Taste.
Einen Dateiauswahl-Dialog wie unter Windows, Linux oder Mac OS X kennt RISC OS dagegen nicht. Ebenso wenig versieht es Dateinamen mit einer Erweiterung: Stattdessen speichert es die Informationen über den Dateityp als Metadaten, ebenso wie den Zeitstempel oder bestimmte Eigenschaften im File-System.
Auch das Kopieren von Dateien von einem Ordner in einen anderen erfolgt per Drag & Drop. Wenn Sie es mit der rechten Maustaste (Adjust) bewerkstelligen, schließt sich das Ausgangsfenster nach der Operation. Drücken Sie währenddessen [Umschalt], verschiebt das die Datei, anstatt sie zu kopieren.
RISC-OS-Menü
Das RISC-OS-Menü verbirgt sich hinter dem Himbeer-Icon ganz rechts in der Iconbar. Im Menü des Task Managers finden sich unter anderem Einträge, um das System herunterzufahren, die Konfigurationsapplikation zu starten oder das Task Fenster zu öffnen. Mit einem Select auf das letztgenannte Icon öffnet sich der Task Manager (Abbildung 6). Er zeigt die aktuell laufenden Applikationen, Module und den Ressourcenverbrauch an.

Abbildung 6: Der Task Manager liefert einen Überblick über aktuell laufende Programme und den Ressourcenverbrauch.
Einige der über das RISC-OS-Menü erreichbaren Funktionen erreichen Sie auch über Tastenkürzel. So öffnet [Strg]+[F12] ein neues Task-Fenster, mit [Umschalt]+[Strg]+[F12] fahren Sie das System herunter.
Zusammenfassung: RISC-OS-Besonderheiten
Trotz seines auf den ersten Blick recht ähnlichen Aussehens unterscheidet sich RISC OS in einigen Paradigmen und in der Bedienung recht deutlich von gängigen Betriebssystemen wie Linux, Mac OS X oder Windows:
- Unter RISC OS heißt die linke Maustaste Select, die rechte Adjust. Ein Klick mit Adjust löst in der Regel eine Variation der Hauptaktion aus, die Sie durch einen Klick auf Select erreichen. Die mittlere Maustaste heißt Menü, weil ein Klick darauf ein kontextsensitives Menü öffnet.
- Ein Klick auf ein Fenster gibt diesem lediglich den Eingabefokus, was Sie an der dann gelb eingefärbten Titelleiste erkennen. Das Zuordnen des Eingabefokus holt das Fenster jedoch nicht automatisch in den Vordergrund.
- Verschieben Sie ein Fenster mit der Adjust-Taste, bleibt das Fenster in seiner bisherigen Ebene. Verwenden Sie stattdessen Select, kommt es in den Vordergrund.
- Menüs verschieben Sie genau wie Fenster durch Ziehen an der Titelleiste.
- RISC OS verwendet intensiv Drag & Drop, insbesondere zum Speichern von Dateien.
- Dateitypen speichert das System nicht als Erweiterung des Dateinamens, sondern als Metadaten im Dateisystem.
- Statt eines Schräg- (Linux) oder Rückstrichs (Windows) verwendet RISC OS einen Punkt als Verzeichnisseparator.
- Bei RISC-OS-“Anwendungen” handelt es sich um spezielle Verzeichnisse, deren Namen mit einem Ausrufezeichen (“Pling”) beginnen.
Diese Unterschiede erfordern beim Einstieg in RISC OS einige Eingewöhnungszeit, insbesondere hinsichtlich des Umgangs mit Fenstern und Dateisystemoperationen.
Ausblick
Im nächsten Teil dieser Artikelserie erfahren Sie mehr zur Konfiguration von RISC OS sowie zur Dateiverwaltung, insbesondere hinsichtlich von Filer-Operationen und Dateitypen. Zudem lernen Sie Struktur und Funktion von Applikationsverzeichnissen näher kennen und werden erste Gehversuche mit der RISC-OS-Kommandozeile unternehmen.






