
Abbildung 7: Klicken Sie in der Spalte Play auf das Wiedergabesymbol, liefert Tvheadend eine M3U-Datei, über die VLC und andere Mediaplayer das laufende TV-Programm anzeigen können.
Nachdem Sie die Liste bereinigt haben, wählen Sie unter Map Selected | Map all services. Entfernen Sie den Haken neben Map encrypted services. Damit ignoriert Tvheadend im nächsten Schritt alle verschlüsselten Programme, die sich selbst mit einem gültigen Abonnement nicht einfach auf einem Raspberry Pi dechiffrieren lassen. Klicken Sie jetzt auf Map services und harren Sie des Resultats der Zuordnung. In der Regel springt der Fortschrittsbalken nach einer Weile direkt von 0 auf 100 Prozent. Weiter geht es auf dem Register Configuration | Channel/EPG | Channels. Dort finden Sie alle eingerichteten Kanäle. Nur von den hier gelisteten Sendern nimmt Tvheadend das TV-Programm auf.
Sendung aufnehmen
Bevor Sie Tvheadend mit der Aufzeichnung Ihrer Lieblingssendung betrauen, wechseln Sie zum Register Configuration | Recording | Digital Video Recorder Profiles. Nicht nur Fußballspiele enden selten zur angekündigten Zeit. Damit der nachfolgende Spielfilm in jedem Fall komplett auf dem Speichermedium landet, kann Tvheadend die Aufnahme ein paar Minuten früher starten und sie vorsorglich ein paar Minuten später beenden. Wie viele Minuten Pufferzeit Tvheadend einplanen soll, bestimmen Sie über Pre-recording padding und Post-recording padding (Abbildung 8). Wir empfehlen eine Vorlaufzeit von 5 Minuten und eine Nachlaufzeit von 10 Minuten. Das erfasst die meisten Verzögerungen im Programmablauf. Speichern Sie die Änderung via Save.

Abbildung 8: Hier hätte Tvheadend am 22. August 2024 von 12:00 bis 14:00 Uhr das Programm auf Das Erste HD mitgeschnitten.
Um eine Sendung zeitgesteuert aufzunehmen, wechseln Sie zum Register Digital Video Recorder | Upcoming / Current Recordings und klicken auf Add. Im neuen Fenster geben Sie der Aufnahme einen Title, den später auch die Videodatei trägt. Damit Ihr Fernseher nicht über kryptische Dateinamen stolpert, sollten Sie im Titel möglichst auf Sonderzeichen verzichten. Daraufhin stellen Sie den Channel, sowie die Start time und Stop time ein. Mit einem Klick auf Create schalten Sie die Aufnahme scharf. Die Eckdaten der Aufnahme können Sie vor dem eigentlichen Start via Edit bearbeiten. Prinzipiell nimmt Tvheadend beliebig viele Sendungen gleichzeitig auf, der TV HAT und die meisten USB-Empfänger können jedoch immer nur einen TV-Kanal liefern.
Automatische Programmzeitschrift
Die per DVB ausgestrahlten TV-Programme senden netterweise einen elektronischen Programmführer (Abbildung 9) mit, den Tvheadend automatisch ausliest. Anschließend warten auf dem Register Electronic Program Guide alle Sendungen. Mit einem Klick auf das Symbol in der ersten Spalte holen Sie ein Fenster hervor, in dem Sie mit den Symbolen rechts unten direkt und bequem die Sendung mitschneiden können.

Abbildung 9: Im Electronic Program Guide sehen Sie anhand der Balken, wie weit die Sendung bereits fortgeschritten ist, ein Mausklick auf den Fernseher holt eine Live-Vorschau hervor.
Aufnahmen sichern
Abgeschlossene Aufnahmen sammelt das Register Digital Video Recorder | Finished Recordings. Dort lädt Download die zugehörige Videodatei herunter. Failed Recordings finden Sie unter dem gleichnamigen Reiter. Tvheadend verrät allerdings nicht, warum die Aufzeichnung fehlschlug. Immerhin können Sie den erfolgreich aufgenommenen Teil hier ebenfalls herunterladen.
Auf dem Raspberry Pi landen sämtliche Aufnahmen im Verzeichnis /var/lib/tvheadend/recordings. Wenn Sie lediglich ab und an Sendungen aufzeichnen und Ihre SD-Karte genügend Platz bietet, können Sie diese Vorgabe so belassen. Entweder laden Sie sich dann das jeweils konservierte Video im Digital Video Recorder herunter, geben besagtes Verzeichnis auf dem Raspberry Pi im Heimnetzwerk frei, oder aber Sie kopieren den Inhalt regelmäßig auf eine (USB-)Festplatte. Bei Letzterem können Sie sich von Synchronisationswerkzeugen wie Syncthing [8] helfen lassen.
Externe Ablage
Wenn die Videos auf einem NAS oder einen anderen externen Speicher lagern sollen, binden Sie ihn zunächst auf dem Raspberry Pi in ein Verzeichnis ein. Im Folgenden soll das exemplarisch /mnt/videos sein. Wechseln Sie dann zum Register Configuration | Recording | Digital Video Profiles. Ändern Sie im Bereich Filesystem Settings den vorgegebenen Storage path auf /mnt/video und speichern Sie die Änderung per Save. Stellen Sie abschließend noch sicher, dass Tvheadend im neu eingestellten Verzeichnis seine Videodateien ablegen darf. Das ist der Fall, wenn der Benutzer hts, unter dem Tvheadend läuft, voll auf den Ordner /mnt/video zugreifen darf. Bei einem Linux-Dateisystem erlaubt das der folgende Kommandozeilenbefehl:
$ sudo chown -R hts:hts /mnt/video
Tvheadend zeichnet lediglich den übertragenen Datenstrom auf (Abbildung 10) und legt ihn in einer Datei mit der Endung .ts ab. Um sicherzugehen, dass die meisten Fernseher und Media-Player das Video abspielen können, sollten Sie es ins MP4-Format konvertieren. Dabei hilft das ohnehin schon verfügbare FFmpeg, das Tvheadend direkt auf die fertige Aufnahme ansetzen kann. Dazu wechseln Sie in die Aufnahmeeinstellungen auf dem Register Configuration | Recording | Digital Video Profiles. Tragen Sie im Bereich Miscellaneous Settings das folgende Post-processor command ein:
/usr/bin/ffmpeg -i %f /mnt/videos/%b.mp4

Abbildung 10: Hier zeichnet Tvheadend das Mittagsmagazin auf. Welche Spalten in dieser Ansicht erscheinen, reguliert der View Level rechts oben.
Ersetzen Sie in diesem Befehl /mnt/videos durch einen Pfad, in dem FFmpeg das konvertierte Video speichern soll. Auf dieses Verzeichnis benötigt der Benutzer hts Schreibrechte. Verwenden Sie im Zweifel /var/lib/tvheadend/recordings. Den Platzhalter %f ersetzt Tvheadend automatisch durch den kompletten Pfad zur Videodatei, %b durch den Dateinamen ohne die Endung. Wenn Sie sich mit FFmpeg auskennen, können Sie weitere Parameter ergänzen und so zum Beispiel den Kompressionsgrad erhöhen. Vergessen Sie bitte nicht, die Änderung via Save zu sichern. Programmieren Sie jetzt über den Digital Video Recorder eine kurze Testaufnahme und prüfen Sie danach, ob die Konvertierung erfolgreich durchläuft. FFmpeg lastet den Raspberry Pi relativ stark aus. Bei längeren Aufnahmen kann es dementsprechend mehrere Minuten dauern, bis das Ergebnis vorliegt.
Benutzer einrichten
Sobald die Aufnahme funktioniert, richten Sie in Tvheadend für sämtliche Familienmitglieder jeweils ein eigenes Benutzerkonto ein. Die sehen daraufhin nur noch ihre eigenen Aufnahmen, zudem bleibt ihnen der Zugriff auf das Register Configuration verwehrt. Wenn sich jemand mit seinem Benutzerkonto anmeldet, spricht die Benutzeroberfläche von Tvheadend sogar auf Wunsch eine andere Sprache. Welche das standardmäßig ist, entscheiden Sie unter Configuration | General | Base neben Default language. Eine Änderung müssen Sie anschließend noch via Save bestätigen.
Um beispielsweise ein Konto für den Filius anzulegen, gehen Sie auf das Register Configuration | Users | Access Entries und klicken auf Add. Achten Sie dabei darauf, dass Enabled aktiviert ist. Denken Sie sich einen Benutzernamen aus und hinterlegen Sie ihn im Feld Username. Erlauben Sie dem Filius zunächst den Zugriff auf das Web Interface. Klappen Sie dann nacheinander Streaming und Video recorder auf und haken Sie jeweils alle enthaltenen Punkte an. Das gewährt dem Benutzer Zugriff auf den digitalen Videorekorder und eröffnet ihm alle Streaming-Möglichkeiten. Legen Sie das Benutzerkonto ganz unten im Fenster per Create an. Weiter geht es auf dem Reiter Passwords. Klicken Sie auf Add, geben Sie den gerade gewählten Username ein, ersinnen Sie ein Password und speichern Sie es via Create. Nach demselben Prinzip erstellen Sie für alle anderen Familienmitglieder jeweils ein Konto.
Fazit
Tvheadend verwandelt einen Raspberry Pi in eine funktionenreiche Aufnahmestation, die den verriegelten und löcherigen Mediatheken der Sender ein Schnippchen schlägt – vorausgesetzt, Sie vergessen nicht die gewünschte Sendung zu programmieren. Dazu sind nach der etwas aufwendigen Einrichtung nur noch wenige Mausklicks im Browser nötig. Allerdings gibt es ebenso noch Raum für Verbesserungen: Damit der Minicomputer stets einsatzbereit bleibt, muss er dauerhaft an der Steckdose hängen. Deutlich eleganter wäre es, wenn er sich nach der Aufzeichnung automatisch schlafen legen würde. Das ist jedoch Stoff für ein eigenes Bastelprojekt. (csi)





