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Aus Raspberry Pi Geek 05/2014

OpenSuse auf dem Raspberry Pi

© Medialinx AG

Gecko trifft Himbeere

Marko Dragicevic

Auf Desktop-PCs bekannt und beliebt, zählt die Linux-Distribution OpenSuse auf dem RasPi zu den Underdogs – aus gutem Grund.

README

OpenSuse hat auf Desktop-PCs bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Artikel hilft beim OpenSuse-Einstieg auf dem RasPi, erklärt die ersten Schritte auf dem System und untersucht, wie sich die Distribution im Vergleich zu Raspbian schlägt.

Vor 20 Jahren trat eine neue Linux-Distribution auf die Bühne, die im Laufe der folgenden Jahre substanzielle Marktanteile eroberte: Suse Linux, herausgegeben von einer gleichnamigen GmbH aus Bayern. Insbesondere unter Anfängern galt die Distribution mit dem grünen Gecko als Maskottchen als erste Wahl: Zum einen lieferten die Nürnberger eine ausführliche deutsche Dokumentation mit, zum anderen erleichterte das Werkzeug YaST (“Yet another Setup Tool”) die Konfiguration, indem es dem Anwender das persönliche Editieren von Konfigurationsdateien ersparte; beides war damals noch keine Selbstverständlichkeit.

Nach der Jahrtausendwende schwand die Bedeutung der Distribution trotz des inzwischen freien Nachfolgers OpenSuse zunehmend. Viele Desktop-Nutzer greifen heute lieber zu Debian-Derivaten wie Ubuntu oder Linux Mint. Auch wenn OpenSuse nicht mehr den Stellenwert von einst besitzt, nutzen es doch noch eine Menge Leute. Grund genug, die Distribution für Kleinstrechner wie den RasPi zu portieren – doch wie schlägt sich OpenSuse darauf?

Imagesache

Eine erste Hürde bei der Installation der Distribution besteht darin, das richtige Image herunterzuladen. Die offizielle OpenSuse-Homepage verlinkt bezüglich des RasPi nur auf das JeOS-Image für ARM-Computer [1]. Das ließ sich im Test benutzen – im Netz kursierende Berichte, denen zufolge das Image überhaupt nicht funktioniert, können wir nicht bestätigen.

Allerdings enthält JeOS gemäß dem namensgebenden Prinzip “Just enough Operating System” nur das Nötigste zum Starten: Es bootet in eine Textkonsole, der selbst simple Tools fehlen. Für einfachste Embedded-Zwecke geht das in Ordnung; für alle anderen Fälle gilt es, sehr viele Pakete nachzuinstallieren und zu konfigurieren. Wesentlich schwerer wiegt, dass das Image sich als sehr instabil erweist: An verschiedenen Stellen crashte der Kernel im Test. Das liegt wohl unter anderem daran, dass das Image jede Nacht aus den aktuellsten Dateien automatisiert generiert wird. Auch die enthaltenen Werkzeuge – allen voran YaST – verärgerten mit Bugs. Zu allem Übel erwies sich das System selbst im Konsolenmodus als sehr träge.

Wesentlich empfehlenswerter ist das Image des Suse-Mitarbeiters Bernhard Wiedemann, das er auf seinem privaten Server zum Download bereitstellt [2]. Wiedemann aktualisiert es zwar nur unregelmäßig und lediglich im Abstand von mehreren Monaten, dafür erwies es sich im Test aber als stabil: Es traten keinerlei Abstürze auf.

Das Image startet direkt in eine grafische Benutzeroberfläche mit dem Fenstermanager IceWM. Im Hinblick auf die begrenzten Ressourcen des RasPi stellt das sicherlich eine gute Wahl dar, Gnome oder KDE würden den Kleinstrechner überfordern. Zum Anmelden als Nutzer root verwenden Sie das Passwort linux.

Laufen lernen

Zwar bringt das Image einen vorinstallierten Fenstermanager mit, beschränkt sich aber dennoch an vielen Stellen auf das Nötigste. Sicherlich wäre es auch hier möglich gewesen, ein paar Dinge benutzerfreundlicher vorzukonfigurieren, wie beispielsweise Raspbian beweist.

Stattdessen gilt es erst einmal, gewünschte Software aus dem Netz nachzuinstallieren. Unter OpenSuse erledigen Sie das mit dem Kommandozeilentool Zypper. Da in der Grundausstattung Software zum Nutzen eines WLAN-Sticks fehlt, benötigen Sie zunächst zwingend eine kabelgebundene Internetverbindung – einer von vielen wesentlichen Unterschieden zu Raspbian, das die notwendigen Treiber bereits mitbringt.

Steht die Netzverbindung, bringen Sie als root das System mit dem Kommando zypper ref gefolgt von zypper dist-upgrade zunächst auf den neuesten Stand. Neue Pakete installieren Sie mit dem Aufruf zypper install Paket. So holt zum Beispiel zypper install midori den schlanken Webbrowser Midori an Bord.

Suse-Fans favorisieren zur System- und Softwarepflege jedoch oft das grafische Frontend YaST2. Das erlaubt zum einen das Ändern diverser Systemeinstellungen und zum anderen das problemlose Nachinstallieren von Paketen. Jedoch zählt auch YaST2 zu den vielen Programmen, die im Image fehlen. Daher müssen Sie es mit den Befehlen aus Listing 1 erst einmal installieren. Danach lässt es sich ganz gewöhnlich über das IceWM-Menü starten. Bevorzugen Sie eine ressourcenschonendere Variante von YaST2, die mittels Ncurses nur Textmenüs nutzt, führen Sie den zweiten Zypper-Aufruf aus Listing 1 nicht aus.

Listing 1

 

# zypper install yast2 yast2-online-update yast2-online-update-configuration yast2-online-update-frontend ncurses libyui-ncurses libyui-ncurses-pkg4 yast2_basis patterns-openSUSE-yast2_basis yast2-inetd yast2-network yast2-storage yast2-sysconfig yast2-trans yast2-sudo yast2-sshd yast2-runlevel yast2-pam
# zypper install yast2-x11 yast2-control-center-qt libui-qt-pkg4

Fazit

Lohnt es sich nun, für den Raspberry Pi eine weitere SD-Karte anzuschaffen, um darauf OpenSuse zu nutzen? Fans, die diese Distribution auch auf ihrem Desktop-PC verwenden oder sie von früher kennen, freuen sich über die vertrauten Eigenheiten des Systems. Alle anderen Anwender sollten sich nach einer anderen Distribution umsehen: Selbst die stabilere Variante der beiden OpenSuse-Images läuft nur äußerst zäh.

Zwar verfügt der RasPi nur über begrenzte Ressourcen, doch für Raspbian gibt es viele schlanke Softwarepakete, die dort trotzdem flüssig laufen. Auch außerhalb des Desktops, etwa für Embedded-Basteleien oder Server-Zwecke, ist der geringeren Systemlast wegen die Konkurrenz vorzuziehen. Noch schwerer wiegt, dass vieles, was bei Raspbian von Haus aus funktioniert, auf OpenSuse umständlich nachgerüstet werden muss.

Jedoch befindet sich die Raspberry-Pi-Version von OpenSuse noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Es ist also durchaus denkbar, dass die Nürnberger Distribution sich in Zukunft noch zu einer Alternative mausert – derzeit sieht es jedoch noch nicht danach aus. 

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