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Aus Raspberry Pi Geek 12/2017

Fedberry und Fedora ARM im Vergleich

© Oleksandr Bedenyuk, 123RF

Kleiner Unterschied

Angela Minosi

Seit 2016 wirbt der Fedora-Fork Fedberry um die Gunst der Raspberry-Anwender. Aber hat er das Zeug, seinem Ursprungsprojekt Paroli zu bieten oder es gar zu überflügeln?

Als Fork bezeichnet man eine Abspaltung eines bestehenden Software-Projekts, die das neue Projekt dann in ihrem Sinn weiterführt. Prominentestes Beispiel ist wohl LibreOffice als Fork von OpenOffice. Die Macher von Forks hoffen darauf, dass die Beliebtheit ihres Projekts über kurz oder lang die des Originals übersteigt.

Allerdings entsteht nicht jeder Fork durch Unstimmigkeiten im Ausgangsprojekt. Manchmal soll es einfach eine Bedarfslücke füllen, indem es Bugs behebt oder neue Features implementiert. In diese Kerbe schlägt auch Fedberry [1], das dessen Entwickler aus der Taufe hoben, um Fedora [2] auch auf die neueren RasPi-Modelle 2 und 3 zu bringen. Allerdings beherrscht mittlerweile das Original diese Technik auch. Da stellt sich die Frage: Für welche Zwecke lohnt sich Fedberry, und wofür eignet sich Fedora ARM?

Installation

Mit Etcher [3] und dessen GUI gestaltet sich das Einspielen beider Systeme auf via USB angeschlossenen Mikro-SD-Karten simpel. Allerdings fällt nach dem Transfer des Abbilds auf, dass das Tool nur einen kleinen Teil der Mikro-SD-Karte partitioniert. Fedberry vergrößert nach dem ersten Booten die Root-Partition automatisch, bei Fedora ist hingegen Handarbeit mithilfe von Gparted oder dem KDE Partition Manager angesagt.

Die Ersteinrichtung erfolgt bei beiden Betriebssystemen nach dem ersten Boot-Vorgang. Das schlanke, grafische Setup ähnelt dem Anaconda-Installer. Sie legen darin unter anderem Datum und Uhrzeit fest und richten Benutzerkonten ein. Vergeben Sie ein Root-Passwort, benötigen Sie für den Anwender keines. Fedberry legt hier Wert auf Sicherheit und erwartet ein mindestens acht Zeichen langes Passwort.

Bei der Gnome-basierten Version lässt sich beim Datenschutz einstellen, ob das Projekt die Koordinaten Ihres RasPi erhalten soll oder ob Sie Konten, etwa von Google+, mit dem Kleinrechner verbinden möchten. Allerdings braucht es eine gewisse Zeit, bis der Einrichtungsassistent unter Fedora Workstation lädt, da Gnome mehr Ressourcen beansprucht.

Verjüngungskur

Fedberry setzt aktuell auf Fedora 24; die Aktualisierungen stammen entsprechend aus den Repositories der großen Schwester, die aktuell in Version 26 bereitsteht. Das stört aber nicht weiter, da Fedberry einen maßgeschneiderten Kernel verwendet. Zur Paketverwaltung dient DNF samt Yum Extender als grafisches Frontend. Die ersten beiden Zeilen von Listing 1 zeigen die Befehle zur Aktualisierung auf der Kommandozeile. Um auf lizenzierte Pakete zuzugreifen, binden Sie das Repository von RPM Fusion [4] ein (letzte Zeile).

Listing 1

 

$ sudo dnf check-update
$ sudo dnf upgrade
$ sudo dnf install https://download1.rpmfusion.org/free/fedora/rpmfusion-free-release-$(rpm -E %fedora).noarch.rpm https://download1.rpmfusion.org/nonfree/fedora/rpmfusion-nonfree-release-$(rpm -E %fedora).noarch.rpm

Verwechslungsgefahr?

Fedora zeigt sich Fedberry rein numerisch überlegen und bietet größere Abbilder sowie mehr Pakete und Desktop-Umgebungen. Die grafische Oberfläche von Fedora gestaltet Gnome. Die Anmeldung erfolgt über den Gnome Display Manager, der sich wegen seines hohen Ressourcenverbrauchs allerdings nur bedingt für den RasPi eignet. So hängt sich dieser das ein oder andere Mal bei Programmstarts auf. Kurz: Fedora Workstation erledigt zwar weitgehend seinen Job, allerdings nur im Schneckentempo.

Fedora XFCE (Abbildung 1) besitzt zwar keinen zweiten Einrichtungsassistenten, schont aber die Ressourcen und zeigt die Einträge im Startmenü ohne Verzögerung an. Dort finden Sie viele bekannte Programme, wie den Webbrowser Firefox, den Texteditor Geany und die Textverarbeitung Abiword. Sie ließ sich im Test jedoch nicht bedienen, weswegen wir LibreOffice aus dem Repo nachinstallierten.

Abbildung 1: XFCE stellt zahlreiche Tools zum Einstellen des Systems bereit.

Abbildung 1: XFCE stellt zahlreiche Tools zum Einstellen des Systems bereit.

Fedora weist mit dem LXDE-Desktop die kleinste Image-Größe auf, allerdings setzt sich das Absturzdebakel auch hier fort. Während unserer Tests fror es bereits beim Hochfahren ein. Die Aktualisierung des Systems auf der Konsole gelang zwar, doch weiter kamen wir nicht.

Wie Fedora Gnome wartet auch Fedora Maté mit Animationen und 3D-Effekten auf, stört damit die Arbeit am RasPi aber weniger. Der Maté-Desktop mutet recht ähnlich an wie Gnome und bietet eine vergleichbare Programmauswahl mit wie XFCE. Als Standard-Textverarbeitung dient LibreOffice, das allerdings hängen bleibt, wenn Sie beispielsweise parallel etwas installieren und im Internet surfen.

Fedberry verwendet wie Fedora U-Boot [5] als Bootloader und bringt den beim Fedora-Release verfügbaren – und damit veralteten – Kernel mit. Als Desktops stehen zwar lediglich XFCE und LXQt zur Auswahl, dafür läuft Fedberry in unseren Tests stabiler als Fedora. Generell eignen sich die beiden schlanken Desktops wegen ihres überschaubaren Ressourcenverbrauchs besser für den RasPi als etwa Gnome.

Um Einstellungen des Bootloaders zu verändern, öffnen Sie die Datei /boot/extlinux/extlinux.conf mit Root-Rechten im Text-Editor. Den Standard-Boot-Eintrag ändern Sie in der Zeile, die mit default= beginnt. Dort fügen Sie einen der Werte ein, die mit label beginnen. Wollen Sie hingegen die Boot-Reihenfolge ändern, vertauschen Sie die Absätze, die mit label beginnen.

Bei der Fedora-Desktop-Reihe findet sich die Konfigurationsdatei nicht an der üblichen Stelle, sondern in einer nicht in der /etc/fstab eingetragenen VFAT-Partition (Abbildung 2). Das bringt den Vorteil mit sich, dass Sie auch von Windows aus problemlos darauf zugreifen können.

Abbildung 2: Da Fedora die Konfigurationsdatei in eine FAT16-Partition auslagert, können Sie auch unter Windows problemlos darauf zugreifen.

Abbildung 2: Da Fedora die Konfigurationsdatei in eine FAT16-Partition auslagert, können Sie auch unter Windows problemlos darauf zugreifen.

Laut und leise

Um Fedberry Töne zu entlocken, setzen Sie in der Konfigurationsdatei /boot/config.txt den Wert dtparam=audio= auf on. Nach einem Neustart lädt die Distribution den benötigten Audiotreiber selbstständig. Die Lautstärke und weitere Parameter stellen Sie über das Konsolenprogramm Alsamixer ein (Abbildung 3), das Sie mit dem Paket alsa-utils auf dem RasPi einrichten.

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