Listing 7
Section "Device"
Identifier "Raspberry Pi FBDEV"
Driver "fbturbo"
Option "fbdev" "/dev/fb0"
Option "SwapbuffersWait" "true"
EndSection
Aus Schwarz-Weiß wird Bunt
Bevor Sie sich allerdings auf die Installation einer Desktop-Umgebung stürzen, sollten Sie mit sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade das Grundsystem auf den neuesten Stand bringen. Danach geht es an die Installation der Pakete für den Xubuntu-Desktop, die Sie mithilfe des Metapakets xubuntu-desktop mit nur einem Befehl erledigen. Mit dem Aufruf wandern rund 380 MByte zusätzlich auf die SD-Karte, was je nach Geschwindigkeit des Datenträgers bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch nimmt.
Sollten Sie eine Speicherkarte mit nur 4 GByte verwenden, ergibt es Sinn, statt Xubuntu auf Lubuntu mit LXDE zu setzen. Das erledigt sudo apt-get install lubuntu-desktop und sorgt neben etwas mehr freiem Platz für einen kleinen Gewinn in Sachen Geschwindigkeit. Andere Desktop-Umgebungen wie KDE, Gnome oder Ubuntus Unity laufen auf dem Raspberry Pi nicht, sie benötigen für Transparenzen und andere Effekte 3D-Compositing.
Eine Alternative wäre, von XFCE4 oder LXDE nur den Desktop zu installieren und diesen anschließend individuell zu ergänzen. Das setzt voraus, dass Sie auch den X-Server und einen Display-Manager von Hand installieren, wodurch sich dieser Weg insgesamt etwas aufwendiger gestaltet.
Nach Abschluss der Installation sollten Sie nicht vergessen mit sudo apt-get clean die heruntergeladenen und nun nicht mehr benötigten Pakete aus dem Cache der Paketverwaltung zu löschen. Eine SD-Karte mit 4 GByte Kapazität platzt allerdings nach der Aktion noch aus allen Nähten.
Setzen Sie statt auf XFCE auf Lubuntu und LXDE, stehen bei einer 4-GByte-Karte noch knapp 300 MByte Speicherplatz für Ihre Daten bereit. Nach dem Löschen des Caches starten Sie das Ubuntu-System neu. Danach lädt das System automatisch den grafischen Desktop (Abbildung 5).

Abbildung 5: Ein voll ausgebauter XFCE-Desktop startet zwar auf dem RasPi 2, aber die Geschwindigkeit überzeugt nicht.
Das für den RasPi aufbereitete Ubuntu-System mit XFCE als Desktop läuft flüssiger als erwartet, fühlt sich aber insgesamt etwas zäh an. Firefox braucht zum Beispiel für den ersten Start rund 20 Sekunden, ein Brocken wie LibreOffice nimmt sich eine noch längere Bedenkzeit. Bei Grafiken mit Verläufen wie dem Hintergrundbild des Xubuntu-Desktops fällt auf, dass der Grafiktreiber nur mit einer reduzierten Farbtiefe arbeitet.
Webseiten baut der Ubuntu-RasPi in gerade annehmbarer Geschwindigkeit auf. Aber schon bei Youtube-Videos kommt es zu Aussetzern. Dies gilt selbst für lokal abgelegte MP4-Videos im Vollbild. Ein etwas angenehmeres Arbeiten ist mit schlanken Desktops wie LXDE oder einem der zahlreichen reduzierten Fenstermanager wie IceWM möglich. Das vorliegende Image eignet sich allerdings hervorragend als Plattform zum Ausbau als Server ohne grafische Oberfläche.
Fazit
Ein ausgewachsenes Betriebssystem samt Desktop auf dem Raspberry Pi ist sicher nicht die Regel, es läuft aber mit Einschränkungen. Da dies kein offizielles Image von Canonical ist, sondern ein Hobbyprojekt, bleibt noch viel Raum zum Optimieren. In der zentralen Konfigurationsdatei [8] im Ordner /boot ließen sich bei Bedarf eine Menge Knöpfe drehen. Alle Optionen sind in der Dokumentation zum Raspberry Pi kommentiert nachzulesen [9].
Vermutlich dauert es noch einige Zeit, bis verschiedene Treiber optimal angepasst sind. Im Vergleich zum gleichzeitig erschienenen Raspbian für den RasPi 2 erscheint Ubuntu 14.04 noch ein wenig holprig. Vor allem fällt auf, dass Sie einige Vorarbeiten manuell erledigen müssen, die der Debian-basierte Konkurrent im Menü beim Systemstart anbietet. Ob Canonical hier ein offizielles Image nachschiebt, ist allerdings eher fraglich.
Infos
- Ubuntu Snappy Core: http://www.raspberrypi.org/downloads/
- Dpkg: http://de.wikipedia.org/wiki/Debian_Package_Manager
- Atomic Updates: http://www.projectatomic.io/docs/os-updates/
- Dateisystem-Layout: https://developer.ubuntu.com/en/snappy/guides/filesystem-layout/
- “How to participate in Ubuntu Core development”: https://developer.ubuntu.com/en/snappy/#participate
- XKCD: https://de.wikipedia.org/wiki/Xkcd
- Ubuntu 14.04 ARM: https://wiki.ubuntu.com/ARM/RaspberryPi
- RasPi-Konfigurationsdatei: http://elinux.org/R-Pi_configuration_file
- Beispiele: http://elinux.org/RPiconfig
- Docker: https://www.docker.com





