Aus Raspberry Pi Geek 10/2019

DVB-T2 mit dem H.265-Codec auf dem RasPi 3B+ (Seite 2)

Bei der Auslastung handelt es sich immer um eine Mittelung, die das System kontinuierlich vornimmt – entweder eine CPU läuft, oder sie läuft nicht. Wären also weitere CPU-intensive Prozesse aktiv, dann würde sich das auf alle Fälle auf die Wiedergabe auswirken. Außerdem sagt die Auslastung nichts darüber aus, wie schnell eine CPU läuft. Das sehen wir uns weiter unten genauer an.

Der Raspberry Pi bietet eine ganze Reihe von Stellschrauben für das Tuning; Details [4] dazu finden Sie in der offiziellen Dokumentation [5]. Neben ein paar einfachen, globalen Einstellungen kann man auch sehr fein abgestuft einzelne Systemparameter optimieren.

Eine moderate Erhöhung der GPU- und Speicherfrequenz verhindert dann tatsächlich die verbleibenden Artefakte beim Abspielen kritischer Aufnahmen. Dazu fügen Sie die Zeilen aus Listing 1 in die config.txt von LibreELEC ein.

Listing 1

gpu_freq=500
over_voltage=2
sdram_freq=580
over_voltage_sdram=5
sdram_schmoo=0x02000020

Aus einem laufenden LibreELEC-System heraus geht das allerdings nicht ohne Klimmzüge. Sie müssen sich per SSH als root anmelden und dann die Befehlsfolge aus Listing 2 ausführen. Das Login-Passwort des administrativen Nutzers lautet in der Standardkonfiguration libreelec.

Listing 2

$ mount -o remount,rw /flash
$ nano /flash/config.txt
$ mount -o remount,ro /flash

Als Alternative dazu bearbeiten Sie einfach die config.txt auf der ersten Partition der SD-Karte auf einem anderen Rechner. Dank FAT-Dateisystem funktioniert das auch unter Windows.

Was wir trotz aller Tuning-Maßnahmen nicht umsetzen konnten, war die Wiedergabe von Live-TV. Das galt unabhängig davon, ob Tvheadend auf dem Pi Zero oder direkt auf dem RasPi 3B+ lief. Prinzipiell hat der Pi Zero als Tvheadend-Server mit Live-TV keine Probleme, wie die Wiedergabe zum Beispiel auf einem Tablet oder PC beweist. Entweder arbeitet also der in Kodi integrierte Client nicht optimal, oder das zusätzliche Umkopieren der Daten vom Streaming-Client zum Player übersteigt dann doch die Rechenleistung des RasPi.

Überwachung

Bei grundlegenden Änderungen am System bietet es sich immer an, zentrale Überwachungsmaßnahmen des Systems zu nutzen. Unter Kodi aktivieren Sie dazu in den Systemeinstellungen unter Logging das Debug-Logging (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit aktiviertem Debug-Logging erhalten Sie Informationen zum Systemzustand. Die Logs selbst benötigen Sie nicht.

Abbildung 2: Mit aktiviertem Debug-Logging erhalten Sie Informationen zum Systemzustand. Die Logs selbst benötigen Sie nicht.

Der Zweck dieser Einstellung liegt darin, den Kodi-Entwicklern bei schwerwiegenden Problemen ein detailliertes Protokoll zukommen zu lassen. Uns interessiert an dieser Stelle aber nicht das Log, sondern lediglich die Auslastung der CPUs: Die gibt darüber Aufschluss, wie viele Reserven dem Raspberry Pi noch bleiben. Die ebenfalls angezeigte FPS-Anzahl (frames per second, also Bilder pro Sekunde) sollte Sie nicht beunruhigen, denn sie bezieht sich auf die Kodi-Oberfläche und nicht auf die angezeigten Videos (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Debug-Logging blendet während der Wiedergabe links oben im Bild Information zur CPU-Auslastung ein.

Abbildung 3: Das Debug-Logging blendet während der Wiedergabe links oben im Bild Information zur CPU-Auslastung ein.

Eine weitere wichtige Information ist die aktuelle CPU- und GPU-Temperatur sowie die Taktfrequenz der CPUs. Die Macher des RasPi begrenzen die Temperatur, indem sie die Taktfrequenz von maximal 1,4 GHz herunterregeln. Das passiert beim RasPi 3B+ schon sanft bei 70 Grad. Spätestens bei 85 Grad ist dann Schluss, denn eine höhere Temperatur gefährdet die Hardware.

Im Gegensatz zur CPU-Auslastung, die Sie mit Kodi-Mitteln einsehen können, benötigen Sie für Temperatur und Taktfrequenz den Shell-Zugang. Den sollten Sie während der Ersteinrichtung schon aktiviert und mit einem neuen Passwort versorgt haben.

Das Skript aus Listing 3 laden Sie entweder per SCP nach /storage/ auf dem LibreELEC-System – das ist dort das Home-Verzeichnis des einzigen Nutzers root –, oder Sie erstellen es dort mit dem Nano-Editor neu. Vergessen Sie nicht, das Skript anschließend ausführbar zu machen.

Listing 3

#!/bin/sh
while true; do
  freq=$(cat /sys/devices/system/cpu/cpu?/cpufreq/cpuinfo_cur_freq | tr '\n' ' ')
  echo "cpu: $(cputemp), gpu: $(gputemp), freq: $freq"
  sleep 2
done

Das Skript – beim Autor heißt es status.sh – zeigt alle zwei Sekunden neben der aktuellen Temperatur von CPU und GPU auch die Taktfrequenzen der CPU-Kerne an. Sie starten das Skript nach der Anmeldung per Secure Shell mit ./status.sh. Ein beherztes [Strg]+[C] bricht das Skript wieder ab.

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