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Aus Raspberry Pi Geek 12/2017

Retro-Spiele auf dem Raspberry Pi

© Allan Swart, 123RF

Gamer's Paradise

Erik Bärwaldt

Mit der passenden Software verwandeln Sie den Raspberry Pi in eine vielseitige Konsole für Retro-Spiele.

Wer kennt sie nicht, die kurzweiligen Spiele aus den Achtzigern mit einfacher “Klötzchengrafik”, ebenso einfacher Handlung und einer Geräuschkulisse, die meist nur aus ein paar Tönen oder Tonfolgen bestand. Die technisch wie optisch simplen Spiele erfreuen sich neuerdings wieder einer stark zunehmenden Beliebtheit.

Um sie zu zocken, brauchen Sie sich die Konsolen und Spiele nicht für teures Geld im Netz zu kaufen: Ein preisgünstigerer und flexiblerer Raspberry Pi verhilft Ihnen zum Spielespaß, und zwar am Fernseher, wie bei den Originalen. In Verbindung mit der Retro-Spieleplattform Lakka [1], einem LibreELEC-Derivat mit RetroArch-Desktop, verwandelt sich der Raspberry Pi am Fernseher oder Monitor nicht nur in eine Spielekonsole, sondern dank verschiedenster Emulationsmöglichkeiten gleich in mehrere.

Dazu müssen Sie noch nicht einmal einen RasPi 3 Ihr Eigen nennen, ein älteres Modell tut es (mit Einschränkungen) genauso. Ein Hardware-Guide [2] zeigt, welche Spiele-Emulatoren zu welcher Ausgabe des Raspberry Pi passen. Im Gegensatz zu den Entwicklern der Konkurrenzprojekte Recalbox und RetroPie haben die Programmierer von Lakka zudem ihre Hausaufgaben gemacht: Das französische LibreELEC-Derivat müssen Sie weder umständlich manuell anpassen, noch an ein modernes TFT-Display anschließen: Es genügt bereits ein alter Röhrenfernseher.

Lakka einrichten

Sie laden das rund 300 MByte große Lakka-Image von der Projektseite [3] herunter und entpacken es. Danach transferieren Sie, wie in Listing 1 gezeigt, die Abbilddatei auf die Micro-SD-Karte. Den Buchstaben X im Gerätenamen des Ziels ersetzen Sie dabei durch die korrekte Gerätebezeichnung. Manche Distributionen sprechen die Karte auch als /dev/mmcblk0 an; dann geben Sie dieses Blockgerät als Ziel an. Partitionsbezeichner wie sdb1 funktionieren hier nicht.

Listing 1

 

$ dd if=Lakka-RPi2.arm-Version.img of=/dev/sdX bs=1M

Nach einem Neustart des RasPi erscheint das Dashboard mit dem Hauptmenü von RetroArch, durch das Sie mit den Pfeiltasten navigieren. Mit [Esc] wechseln Sie aus Untermenüs zurück ins Hauptmenü. Im ersten Schritt empfiehlt es sich, den Internetzugang zu prüfen. Verwenden Sie ein älteres RasPi-Modell, dann stellen Sie den Zugang via Ethernet her. Beim Raspberry Pi 3 erkennt Lakka das WLAN-Modul und bietet im Einstellungsmenü die entsprechende Konfiguration an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das WLAN-Modul des RasPi 3 erkennt Lakka auf Anhieb und bietet entsprechende Optionen an.

Abbildung 1: Das WLAN-Modul des RasPi 3 erkennt Lakka auf Anhieb und bietet entsprechende Optionen an.

Das Einstellungsmenü erreichen Sie, indem Sie im Dashboard das Zahnrad-Symbol für die Settings aktivieren und anschließend die Option Wi-Fi anwählen. Im Untermenü Information | Network Information erscheint neben der Localhost-IP die aktuelle IP-Adresse, sofern eine Netzverbindung vorliegt.

Da die Entwickler Lakka permanent verbessern, empfiehlt sich als Nächstes ein Update des Systems. Dazu wechseln Sie in das Menü Online Updater | Update Lakka und folgen den Anweisungen auf dem Bildschirm.

Anpassungen

Im Menü Settings finden Sie die Optionen zum individuellen Anpassen des Systems. Um die Menühierarchie auf Deutsch umzustellen, wählen Sie das Untermenü User. Darin wechseln Sie mit den Pfeiltasten zum Punkt Language und wählen die deutsche Sprache an. [Esc] führt Sie zurück in die übergeordnete Hierarchieebene und speichert gleichzeitig die Einstellungen.

Die Maus aktivieren Sie, indem Sie unter Einstellungen | Menü zunächst den Schalter hinter der Option Zeige erweiterte Einstellungen auf On stellen und anschließend den Regler hinter der Option Maus-Unterstützung ebenfalls auf On schieben.

Wegen der etwas unübersichtlichen Menüstruktur von Lakka lohnt sich ein Blick in die Dokumentation [4]. Da sich die Software in permanenter Entwicklung befindet, wirken manche Einstellungen bislang noch unausgereift. Das betrifft insbesondere Grafikoptionen wie Schatten und Transparenz. So führte im Test ein Umstellen des Menüdesigns über die gleichnamige Option zu teils nicht mehr sichtbaren Schaltern für die einzelnen Menügruppen – das machte das System praktisch unbedienbar.

Während Sie die Video- und Audio-Einstellungen bei manchen Spielen anpassen müssen, erlaubt das Untermenü Treiber das Modifizieren der geladenen Kernel-Module. Das kann nötig sein, wenn Emulatoren beispielsweise keinen Ton ausgeben. Alternative Linux-Module stehen im System bereit. Die Einstellungen passen Sie mit den Pfeiltasten an, wobei das System Änderungen sofort übernimmt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Einstellungen des Konsolenemulators nehmen Sie in einem eigenen, weitgehend intuitiv aufgebauten Menü vor.

Abbildung 2: Die Einstellungen des Konsolenemulators nehmen Sie in einem eigenen, weitgehend intuitiv aufgebauten Menü vor.

Falls Sie lieber auf der Kommandozeile arbeiten, können Sie Lakka auch durch Editieren der Datei /storage/.config/retroarch/retroarch.cfg Ihren Wünschen anpassen. Beachten Sie beim manuellen Editieren, dass Sie vor Beginn der Arbeiten RetroArch mit dem Befehl systemctl stop retroarch deaktivieren müssen. Nach Abschluss der Konfiguration starten Sie mit systemctl start retroarch den Dienst wieder.

Steuern

In den 1980ern bediente man Spielekonsolen in erster Linie mit Joysticks, später lösten multifunktionale Controller die einfachen Spieleknüppel ab. Damit Lakka auch das Retro-Spielerlebnis entsprechend nachbildet, unterstützt die Software diverse Controller, die sich laut Webseite [5] teils auch per Bluetooth ansprechen lassen.

In unseren Tests kam ein Sony-Dualshock-4-Controller zum Einsatz, der sich sowohl kabelgebunden über den USB-Bus als auch per Bluetooth betreiben lässt. Allerdings gelang es nicht, den Controller per Bluetooth mit dem RasPi 3 zu verbinden. Auch ein Test mit dem Modell 2 und einem ansonsten von Linux problemlos unterstützten externen USB-Bluetooth-Dongle von Asus löste das Problem nicht, sodass sich der Controller lediglich kabelgebunden nutzen ließ. Lakka erkannte und initialisierte das Gerät beim Verbinden des Kabels automatisch ohne manuelle Nacharbeiten.

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