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Aus Raspberry Pi Geek 02/2016

Schlanke Webbrowser unter Raspbian (Seite 2)

Abbildung 5: W3m im Terminal-Fenster mit geladenen Bildern.

Abbildung 5: W3m im Terminal-Fenster mit geladenen Bildern.

In der Version 0.5.3 belegt W3m gut 2,1 MByte Plattenplatz. Für das Anzeigen der LinuxUser-Webseite braucht er rund 10 MByte Arbeitsspeicher, das Anzeigen der schlägt mit nochmals 7 MByte zu Buche. Ein großer Unterschied zu anderen Textmodus-Webbrowsern: W3m bewegt einen Cursor durch die Webseite, wie bei einem Texteditor. Das genaue Verhalten des Cursors legen Sie in den Einstellungen fest. Bei der Konkurrenz dagegen springen Sie mit den Pfeiltasten von Link zu Link beziehungsweise zu Formularfeldern.

Lynx

Beim Text-Browser Lynx [6] handelt es sich mit Abstand um den Senior dieser Runde, entstand er doch bereits 1992 und somit vor dem WWW. Er nutzte anfangs ein proprietäres Hypertext-Protokoll, das jenem des WWW-Konkurrenten Gopher ähnelte. Die Entwickler arbeiten nach wie vor aktiv an Lynx und veröffentlichen alle paar Monate ein neues Devel-Release. Die aktuelle Version benötigt zum Anzeigen der LinuxUser-Webseite rund 11 MByte RAM (Abbildung 6).

Abbildung 6: Lynx im Anfänger-Modus mit Hilfestellung in den untersten Zeilen.

Abbildung 6: Lynx im Anfänger-Modus mit Hilfestellung in den untersten Zeilen.

Der Browser strotzt nur so von Einstellmöglichkeiten, die Sie über [O] erreichen. Änderungen greifen erst, wenn Sie sie mit Änderungen akzeptieren am Anfang der Optionen-Seite anwenden. Sollen die Einstellungen auch beim nächsten Start noch vorhanden sein, müssen Sie sie außerdem dauerhaft speichern. Das klappt aber nur für solche Settings, deren Namen nicht auf (!) endet.

Über den User-Mode geben Sie an, wie vertraut Sie mit der Bedienung von Lynx sind. In der Standardeinstellung Neuling (Abbildung 6) zeigt Lynx am unteren Fensterrand drei Zeilen mit Hilfestellung. In der Einstellung Fortgeschrittener erscheint stattdessen in der letzten Zeile nur noch die URL zum aktuell hervorgehobenen Link (Abbildung 7).

Abbildung 7: Lynx im Fortgeschrittenen-Modus mit Linkziel in der untersten Zeile.

Abbildung 7: Lynx im Fortgeschrittenen-Modus mit Linkziel in der untersten Zeile.

Dass es sich bei Lynx um einen alten Hasen und Leitwolf unter den Textbrowser handelt, merkt man auch daran, dass viele seiner Tastenbefehle sich bei den anderen Text-Browsern wiederfinden: [G] öffnet einen Dialog zur URL-Eingabe, [Shift]+[G] erlaubt das Bearbeiten der angezeigten URL, [R] nimmt einen Reload vor, die Pfeiltaste nach links führt zur vorherigen Webseite zurück, die Pfeiltasten nach oben und unten springen von Link zu Link. [Q] schließlich beendet den Browser.

Zu den Eigenheiten von Lynx gehört des, dass der Browser anders als Links2, ELinks und W3m selbst in einem Terminal mit hellem Hintergrund Webseiten in der Standardeinstellung immer mit schwarzem Background darstellt. Um das zu ändern, müssen Sie ein anderes Lynx Style Sheet (“LSS”) in einer CSS-ähnlichen Sprache schreiben.

ELinks

Wie Links2 zählt auch ELinks [7] zu den Weiterentwicklungen des Urgesteins Links 0.9x, stammt allerdings von einem anderen Personenkreis. Während der ansonsten eher etwas konservative Links2 eine grafische Benutzerschnittstelle bietet, bekam ELinks im Text-Modus zusätzliche Features spendiert (Abbildung 8). So nutzt er auf der Linux-Konsole mehr Farben und zeigt in einem Terminal-Emulator den Titel der angezeigten Webseite in der Titelleiste des Fensters an. ELinks braucht mit stolzen 17 MByte für die LinuxUser-Homepage aber fast so viel RAM wie die grafische Variante von Links2. Zudem stagniert die Entwicklung: Die letzte Beta-Version von ELinks erschien Ende 2012, die letzte stabile Version Mitte 2009.

Abbildung 8: Elinks sieht seinem Cousin Links2 speziell im Text-Modus sehr ähnlich.

Abbildung 8: Elinks sieht seinem Cousin Links2 speziell im Text-Modus sehr ähnlich.

Netrik

Netrik [8] platziert sich als mit Abstand sparsamster Text-Browser im Testfeld (Abbildung 9): Er begnügt sich mit 4,3 MByte Arbeitsspeicher und 655 KByte Plattenplatz. Allerdings bietet er auch die wenigstens Features und beherrscht insbesondere als einziger Browser im Feld kein HTTPS. Die letzte Veröffentlichung stammt zudem von Mitte 2009 – dass der Browser doch noch irgendwann HTTPS-Unterstützung erhält, erscheint also mehr als fraglich.

Abbildung 9: Netrik zeigt viele Farben und Sonderzeichen – aber immer auf schwarzem Hintergrund.

Abbildung 9: Netrik zeigt viele Farben und Sonderzeichen – aber immer auf schwarzem Hintergrund.

Geschwindigkeitsvergleich

Während ein Geschwindigkeitsvergleich bei den grafischen Webbrowsern eher schwerfällt, bieten vier der Text-Browser dazu die Kommandozeilenoption -dump. Sie lädt eine als Parameter angegebene Webseite herunter und gibt sie gerendert auf STDOUT aus. Für die LinuxUser-Homepage ergaben sich auf einem Pentium MMX mit 166 MHz Taktrate von 1997 folgende Zeiten:

  • Links2: 1,66 Sekunden
  • W3m: 2,21 Sekunden
  • Lynx: 2,43 Sekunden
  • ELinks: 3,65 Sekunden

Überraschenderweise markieren hier die beiden Geschwister Links2 und ELinks mit einem Geschwindigkeitsunterschied um den Faktor 2 die entgegengesetzten Enden der Rangliste. Zwar kennt Netrik auch den Dump-Mode, zeigt jedoch vor dem Anzeigen der Webseite potenzielle HTML-Fehler an, die man erst mit [Enter] quittieren muss. Damit lässt sich die Ladezeit nur schwierig messen.

Nicht getestete Features und Webbrowser

Unterstützung für SSL-Client-Zertifikate erhielten Links2 und Lynx erst nach der Veröffentlichung von Debian 8. Die Versionen auf unserer Testplattform beherrschten das entsprechend noch nicht.

Flash [9] sollte man schon an und für sich meiden [10]. Auf alten Rechnern empfiehlt es sich noch viel mehr, diesem ausgesprochenen Ressourcenfresser aus dem Weg zu gehen.

Der Autor wollte auch noch Arachne [11] testen. Der ursprünglich für DOS geschriebenen Webbrowser läuft auch auf Linux, hier unter Zuhilfenahme der (bei Debian nicht mehr mitgelieferten) SVGAlib [12]. Auch Links2 kann – passend kompiliert – dieses Bibliothek nutzen. Leider gab es bei Arachne jedoch außer Crashes nichts zu sehen.

Weitere nicht (oder nicht mehr) in Debian verfügbare Browser – allesamt mit Links2 und ELinks verwandt – führt die ELinks-History [13] auf.

Fazit

Nahezu alle schlanken Webbrowser haben ihre Nische und damit ihre Daseinsberechtigung. Der aktuelle Trend hin zu HTTPS dürfte allerdings Netrik im WWW letztlich zum Verhängnis werden. Die Nutzung als Dokumentenbetrachter für lokale HTML-Dateien schränkt dies allerdings nicht ein. Welcher der vorgestellten Kandidaten sich für Ihre Zwecke eignet, probieren Sie am besten am lebenden Objekt aus, indem Sie die ganze Riege mit dem Befehl aus Listing 1 installieren. Der Autor dieses Artikels nutzt im reinen Text-Modus am liebsten den Klassiker Lynx, auf dem Nokia N900 greift er zu Dillo. Soll es aber schnell und grafisch sein, bei möglichst minimalem Ressourcenverbrauch, dann favorisiert er Links2 unter X. 

Listing 1

 

$ sudo apt-get install netsurf dillo links2 elinks lynx w3m w3m-img netrik

Danksagung

Der Autor bedankt sich bei Frank Hofmann und Florian Bruhin für Kritik und Anregungen im Vorfeld des Artikels.

Der Autor

Axel Beckert (http://axel.beckert.ch/) benutzt Linux seit zwei Jahrzehnten. Er freut sich, dass selbst auf seinem ersten Laptop, einem IBM Thinkpad 760 von 1996, immer noch ein aktuelles Linux läuft. Für Debian pflegt er die Pakete von Dillo, Links2 und Lynx. Daneben hatte er seine Finger auch schon in den Paketen von NetSurf und Netrik.

Infos

  1. Qutebrowser: http://qutebrowser.org
  2. NetSurf: http://netsurf-browser.org
  3. Dillo: http://dillo.org
  4. Links2: http://links.twibirght.org
  5. W3m: http://w3m.sf.net
  6. Lynx: http://lynx.invisible-island.net
  7. ELinks: http://elinks.cz
  8. Netrik: http://netrik.sf.net
  9. Occupy Flash: http://occupyflash.org
  10. “Weg mit Flash!”: http://heise.de/-2751583
  11. Arachne für DOS: http://glennmcc.org
  12. SVGAlib: http://svgalib.org
  13. Geschichte von Links und seinen Derivaten: http://elinks.cz/history.html@IE:
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