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Aus Raspberry Pi Geek 06/2013

Effiziente Server-Distributionen für den Raspberry Pi

© EcoView, Fotolia

Windhunde

Marko Dragicevic

Raspbian bietet eine anfängerfreundliche Umgebung. Möchten Sie den Raspberry Pi aber als Mini-Server nutzen, sollten Sie den Einsatz einer Distribution mit weniger Software-Ballast erwägen.

README

Sowohl Arch Linux als auch Slitaz bieten sich als schlanke Betriebssysteme für einen Home-Server an. Der Artikel erläutert die ersten Schritte mit diesen Distributionen und zeigt, für welche Zwecke sie sich besonders eignen.

So mancher RasPi verrichtet seinen Dienst als Server im Headless-Betrieb [1]. Ob er dabei nun als Ersatz für eine Telefonanlage dient, als Printserver für eine Wohngemeinschaft oder zu anderen Zwecken: Der stromsparende Mini-Rechner eignet sich ausgezeichnet, um 24/7-Server-Dienste zu verrichten. Für diese Aufgaben genügt es typischerweise, ihn nur einmal einzurichten und dann nur noch ab und zu via SSH zu warten. Im laufenden Betrieb benötigt der Pi dann weder einen Monitor noch eine Desktop-Umgebung.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob für solche Zwecke der Einsatz von Raspbian unbedingt vonnöten ist. Dessen Väter haben eine geradezu barocke Anzahl an Software-Paketen vorinstalliert, wodurch sich nicht nur der Bootvorgang in die Länge zieht: Der automatische Start etlicher Dienste frisst auch einen stattlichen Teil des Hauptspeichers auf.

Zwar bietet ein mit 512 MByte ausgestatteter Raspberry Pi trotzdem noch genügend Leistung für den Desktop-Betrieb. Doch wie sieht es bei einem älteren RasPi mit nur 256 MByte RAM aus? Was tun, wenn man alle verfügbaren Ressourcen auf die geplanten Server-Dienste konzentrieren möchte? In diesem Fall sollte man eine schlanke Distribution mit möglichst wenig vorinstallierten Paketen einsetzen. So lässt sich deren Zusammenstellung genau auf das geplante Vorhaben zuschneiden, ohne Ressourcen und damit Leistung zu verschwenden.

Arch Linux

Auf ihrer offiziellen Download-Seite [2] listet die Raspberry Pi Foundation nur diejenigen Distributionen auf, deren Portierungen für den Minirechner als besonders ausgereift gelten dürfen. Zu diesem elitären Zirkel gehört auch Arch Linux (Abbildung 1). Dessen PC-Version erblickte 2001 das Licht der Welt. Ihr Schöpfer Judd Vinet leitete sie dabei nicht von anderen Distributionen ab, sondern erstellte Arch Linux von Grund auf neu.

Abbildung 1: Die Raspberry Pi Foundation bietet Arch Linux als offiziell unterstützte Distribution zum Download an.

Abbildung 1: Die Raspberry Pi Foundation bietet Arch Linux als offiziell unterstützte Distribution zum Download an.

Zum Arch-Linux-Konzept gehört, dass nur die nötigste Software vorinstalliert ist, der Anwender die Konfiguration weitgehend selbst vornimmt, und die Software-Pakete dank Rolling Releases stets topaktuell bleiben. Für Anwender mit Kommandozeilen-Phobie kommt Arch Linux daher nicht infrage, alle anderen erhalten eine stabile Grundlage für ein maßgeschneidertes System. Dabei bleibt Arch Linux trotzdem recht schnell erlern- und konfigurierbar.

Arch Linux: Erste Schritte

Die auf dem RasPi lauffähige Variante [3] von Arch Linux (Abbildung 2) bootet binnen zehn Sekunden in die Shell. Dort existiert zunächst nur das administrative Benutzerkonto root, an dem Sie sich über das ebenfalls root lautende Passwort anmelden. Als Erstes sollten Sie auf die deutsche Tastaturbelegung wechseln, um versehentliche Fehleingaben bei den nachfolgenden Schritten zu vermeiden. Tippen Sie dabei zunächst auf der Konsole die beiden Zeilen aus Listing 1 ein.

Listing 1

 

# echo LANG=de_DE.UTF-8 > /etc/locale.conf
# echo KEYMAP=de-latin1 > /etc/vconsole.conf
Abbildung 2: Freiwillige haben das ursprünglich für PCs entwickelte Arch Linux auf verschiedene ARM-Plattformen portiert.

Abbildung 2: Freiwillige haben das ursprünglich für PCs entwickelte Arch Linux auf verschiedene ARM-Plattformen portiert.

Nun öffnen Sie mit einem Texteditor die Datei /etc/locale.gen, entfernen das Kommentarzeichen # vor den Zeilen, die mit de_DE anfangen, und speichern die Datei ab. Zurück auf der Konsole geben Sie dann das Kommando locale-gen ein. Booten Sie nun den RasPi mit shutdown -r now neu, entspricht anschließend die Tastenbelegung den hiesigen Gewohnheiten. Tauschen Sie gleich als Nächstes aus Sicherheitsgründen über das Kommando passwd das Root-Passwort gegen ein eigenes aus.

Anschließend bringen Sie erst einmal mithilfe von Pacman, dem Standard-Paketmanager von Arch Linux, alle vorinstallierten Pakete auf den aktuellen Stand. Dafür erstellen Sie zunächst einen Schlüssel, den Pacman zukünftig verwenden wird (pacman-key --init). Um den Raspberry Pi beim Generieren der hierfür nötigen Zufallszahlen zu unterstützen, wechseln Sie mit [Strg]+[Alt]+[F2] auf die zweite Konsole und starten dort nach einem Login mehrmals das Kommando ls -R /. Wenn Sie nun mit [Strg]+[Alt]+[F2] zurück auf die bisherige Konsole wechseln, schließt Pacman die Initialisierung schon nach kurzer Zeit ab.

Nun lösen Sie mit dem Befehl pacman -Syu den eigentlichen Update-Vorgang aus, der den RasPi in den folgenden Minuten gut beschäftigt hält. Ab jetzt empfiehlt es sich aus Sicherheitsgründen, nur noch dann als Root zu arbeiten, wenn das unumgänglich notwendig ist. Deswegen führen sie nun noch pacman -S adduser sudo aus und legen dann mit adduser einen neuen Benutzer an. Der kann sich künftig als einfacher User anmelden und nur noch im Bedarfsfall mittels sudo administrative Rechte anfordern.

Arch Linux: Server-Dienste

Insbesondere für Server-Dienste ist es wichtig, dass der Pi stets die richtige Uhrzeit verwendet. Ändern Sie deswegen die Zeitzonen-Auswahl für Ihren Standort passend ab. Für Deutschland lautet der entsprechende Befehl:

$ sudo ln -s /usr/share/zoneinfo/Europe/Berlin /etc/localtime

Anschließend öffnen Sie die Datei /etc/timezone mit einem Texteditor und fügen – wieder für Deutschland – die Zeile Europe/Berlin hinzu.

Die Standard-Installation von Arch Linux aktiviert den SSH-Server bereits, sodass Sie sofort in den Headless-Betrieb wechseln können. Andere Server-Software müssen Sie hingegen erst nachinstallieren, die Konfiguration unterscheidet sich kaum von der unter anderen Distributionen.

Benötigen Sie beispielsweise einen Samba-Server, richten Sie diesen erst einmal mit pacman -S Samba über den Paketmanager ein. Nach dem Anpassen der Konfigurationsdatei /etc/samba/smb.conf) lässt sich der Server mit systemctl enable samba aktivieren. Bei anderen Diensten gehen Sie analog vor.

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