Raspberry Pi Connect erlaubt auch unter Wayland Fernzugriffe auf den Raspberry Pi über einen Webbrowser.
Zwar führen bekanntlich alle Wege nach Rom, doch beim Raspberry Pi führten bislang kaum Wege zu einem einfachen Zugriff aus der Ferne. Ein Remote-Zugang gestaltete sich in der Vergangenheit recht knifflig und ließ Nutzer aufgrund der Komplexität regelmäßig scheitern.
Zudem ist seit der Umstellung auf Wayland mit dem aktuellen Raspberry Pi OS “Bookworm” die vom RasPi verwendete Fernzugriffssoftware RealVNC nicht mehr mit dem Betriebssystem kompatibel. Ließ X11 sich noch über SSH weiterleiten, um Grafikanwendungen aus der Ferne auszuführen, entfällt diese Möglichkeit mit Wayland. Der SSH-Zugriff beschränkt sich damit auf die Kommandozeile.
Um hier eine verlässliche Lösung zu bieten, stellte die Raspberry Pi Foundation im Mai 2024 die Eigenentwicklung Raspberry Pi Connect [1] vor. Wir nutzen für das Programm im Folgenden der Kürze halber die Bezeichnung RPi Connect. Die neue Software zum Fernzugriff funktionierte anfangs nur auf den Modellen 4 und 5 sowie dem Raspberry Pi 400 und setzte dort die 64-Bit-Version von Pi OS “Bookworm” voraus.
Das Update auf Version 1.2.1 vom Juni 2024 fügte dann Unterstützung für alle RasPi-Modelle hinzu, bis hin zum Raspberry Pi 1 aus dem Jahr 2012, unabhängig davon, ob sie mit 32- oder 64-Bit-Pi-OS laufen. Das schließt auch Pi OS Lite ein, das nur Remote Shell unterstützt. Bei den neu unterstützten RasPi-Varianten kommt der Compositor Labwc [2] anstelle von Wayfire zum Einsatz.
Achtung, Beta!
Ob Sie das für RPi Connect obligatorische Pi OS “Bookworm” verwenden, verrät Ihnen das Kommando aus der ersten Zeile von Listing 1. Bevor Sie die Software installieren, stellen Sie als Erstes sicher, dass Ihr System aktuell ist (Zeile 3 und 4). Dann richten Sie mit dem Kommando aus Zeile 5 das derzeit noch in der Beta-Phase befindliche RasPi Connect ein. Alternativ installieren Sie die Software über das Hauptmenü unter Einstellungen | Recommended Software, wo Sie auf Raspberry**Pi Connect klicken.
Nach einem Neustart des RasPi lässt sich die Software nutzen, allerdings nur unter Wayland. Pi OS “Bookworm” unterstützt neben Wayland weiterhin X11. Stellen Sie also sicher, dass Sie eine Wayland-Sitzung verwenden (Listing 1, letzte Zeile).
Listing 1
Einrichtung
$ grep bookworm /etc/os-release [...] $ sudo apt update $ sudo apt upgrade $ sudo apt install rpi-connect [... Neustart ...] $ echo $XDG_SESSION_TYPE
Auf dem Pi-OS-Desktop sehen Sie ein neues Icon in der Leiste oben rechts. Nach einem Klick darauf erhalten Sie eine Anmeldeaufforderung. Nach der Bestätigung öffnet sich der Standardwebbrowser mit der Aufforderung, sich mit Ihrer Raspberry**Pi ID anzumelden. Alternativ wählen Sie sich per Terminal mit dem Befehl rpi-connect signin ein.
Falls Sie noch über keine solche ID verfügen, erstellen Sie eine über den angebotenen Link. Auf der Zielseite geben Sie eine verifizierbare E-Mail-Adresse sowie Benutzernamen und Passwort an und müssen ein Captcha absolvieren (Abbildung 1). Sie erhalten eine E-Mail zur Bestätigung der angegebenen E-Mail-Adresse und werden daraufhin im Browser an Bord begrüßt (Abbildung 2). Falls das nicht funktioniert, navigieren Sie im Webbrowser zur Adresse https://connect.raspberrypi.com.

Abbildung 1: Zum Erstellen der ID genügt die Angabe einer E-Mail-Adresse, eines Benutzernamens und eines Passworts. Am längsten dauert das Absolvieren des Captchas.

Abbildung 2: Nach der Validierung der E-Mail-Adresse landen Sie im Dashboard, in dem sich unter anderem auch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren lässt.
Nach dieser einmaligen Einwahl startet RPi Connect beim Hochfahren des Rechners stets automatisch. Nach dem Anmelden mit Ihrer ID erfolgt die Aufforderung, einen eindeutigen Namen für den RasPi zu vergeben, womit die Einrichtung schon beendet ist. Allerdings bedurfte es im Test eines weiteren Neustarts, um nach dem Einloggen die Maske für die Namenseingabe zu sehen. Bedenken Sie bei solchen Hängern, dass sich die Software noch im Beta-Status befindet.
Unter der Haube
RPi Connect macht sich Technologien wie WebRTC [3] und Tools wie Wayvnc [4] zunutze, um eine Peer-to-Peer-Verbindung zwischen dem Raspberry Pi und einem Webbrowser herzustellen. Der Daemon von RPi Connect lauscht auf Verbindungsanfragen von der RPi-Connect-Webseite. Nach der anfänglichen Aushandlung läuft die Verbindung direkt zwischen den Geräten. Scheitert aus irgendeinem Grund die direkte Verbindungsaufnahme zwischen dem Browser und dem RasPi, kann RPi Connect stattdessen den Datenverkehr sicher über einen Server der Raspberry Pi Foundation weiterleiten und ihn mit DTLS verschlüsseln.
Da der Dienst derzeit lediglich auf einem einzelnen Relay-Server in Großbritannien läuft, dauert es unter Umständen länger, falls die direkte Verbindung zwischen den Geräten nicht zustande kommt. Bewegen Sie bei bestehender Verbindung den Mauszeiger über das Vorhängeschlosssymbol im Webbrowser, sehen Sie, ob die Verbindung weitergeleitet wird. Die Verbindung per RPi Connect soll für Privatanwender kostenfrei bleiben. Benötigen Sie ständig einen Server in der Mitte, könnten künftig Kosten auf Sie zukommen. Dazu muss die Foundation aber erst einmal ermitteln, welche Kosten der Betrieb verursacht.
In der Praxis
Um eine erste Verbindung mit RPi Connect anzustoßen, öffnen Sie in einem Webbrowser auf einem Gerät nach Wahl die URL https://connect.raspberrypi.com. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Netz auf der Welt sie sich befinden. In der Maske dürfen Sie weitere Geräte hinzufügen oder eine Verbindung via Screen Sharing und seit Kurzem auch per Remote Shell herstellen. Ein farbiges Icon im Browser und in Pi OS zeigt eine bestehende Verbindung an. Bei Remote Shell färbt sich das ansonsten ausgegraute Icon blau, bei Screen Sharing rot. Ein Klick auf das Icon erlaubt per Haken die Auswahl, ob Sie eine oder beide Verbindungsmöglichkeiten zulassen möchten (Abbildung 3).






