Mit moderner Technik und neuen Programmen lässt sich alte Handwerkskunst wiederbeleben. KXStitch hilft beim Entwerfen von Kreuzstickereien und konvertiert sogar automatisch importierte Bilder.
Der Kreuzstich ist eine sehr alte Handarbeitstechnik. Das älteste bekannte Exemplar mit Kreuzstickerei stammt ungefähr aus dem Jahr 1500. Früher ein Zeitvertreib meist hochadliger oder höher gestellter Damen, gilt der Kreuzstich heute bei Kindern wie Erwachsenen als beliebtes und leicht zu erlernendes Hobby.
Für eine Kreuzstickerei stickt man kleine Kreuze auf einen grob gewebten Stoff mit gut zählbarer Struktur. Dabei wird zuerst ein schräger Grundstich aufgebracht, danach ein sogenannter Deckstich im 90-Grad-Winkel darüber. Es gibt aber auch 1/4-, 1/2- und 3/4-Stiche, im Jargon des Handwerks heißen sie gebrochene Stiche. Daneben existieren der Steppstich und der Knotenstich, auch French Knot genannt.
Im Handel und im Internet gibt es zahlreiche Vorlagen und Motive für Kreuzstiche, jedoch nicht immer kostenfrei. Alternativ entwerfen Sie Ihre eigenen Muster oder Stock-Bilder. Dabei hilft Ihnen der Computer: Für Linux und den Raspberry Pi gibt es mit KXStitch [1] ein passendes Open-Source-Programm.
Das Kreuz mit dem Stich
KXStitch rechnet Bilder oder Texte in den auf dem Rechner installierten Fonts in Stichmuster um. In einer Bibliothek lassen sich Muster speichern und wiederverwenden. Am Ende druckt das Programm die Vorlage aus oder exportiert sie als PDF-Datei. Dahinter steckt allerdings mehr, denn diese Vorlagen sind nur schwarz-weiß und nicht bunt gedruckt, die Farben werden daher kodiert dargestellt.
Die meisten gängigen Distributionen führen KXStitch in ihren Paketquellen, die Installation gelingt dementsprechend einfach. Falls Sie in den Repos nicht fündig werden, stellt KDE auf den KDE-Apps-Seiten ein Appstream-Paket zur Verfügung, und im OpenSuse Build Service gibt es ebenfalls installierbare Pakete für verschiedene Distributionen. Den Quellcode der Anwendungen stellen die Entwickler auf Github bereit [2].
Nach dem Start des Programms passen Sie als Erstes unter Datei |Dateieigenschaften die Einstellungen an (Abbildung 1). Dort kontrollieren Sie das Farbschema, die Mustergröße und die Gewebedichte (Cloth Count), aber auch Metainformationen wie Autor, Titel und Copyright sowie eventuelle Anweisungen.

Abbildung 1: Die Einstellungen von KXStitch. Der Cloth Count gibt die Anzahl der Stiche pro Zentimeter im Stoff an.
Bei den Maßeinheiten kennt KXStitch allerdings nur Stiche, Zoll und Zentimeter, was den Austausch mit einigen Grafikprogrammen erschwert. Die Standardeinstellung Stiche sollten Sie auf Zentimeter abändern. Bei den Farbpaletten im Abschnitt Floss Scheme unterstützt das Programm mit DMC, Madeira und Anchor drei verschiedene Farbschemata.
Im nächsten Schritt müssen Sie auf jeden Fall – und das ist etwas verwirrend, da andernfalls eine Menge Funktionen nicht aktiv sind – die Farbpalette anpassen. Rufen Sie dafür Palette |Palettenverwaltung auf. Im folgenden Dialog übertragen Sie die gewünschten Farben aus dem zuvor gewählten Farbschema in die Palette des Projekts (Abbildung 2). Dafür markieren Sie im rechten Abschnitt die gewünschte Farbe und tippen in der Mitte auf den Schalter mit den zwei Pfeilen nach links. Den Dialog müssen Sie unbedingt mit OK am Ende bestätigen, sonst legt KXStitch die Palette nicht an.

Abbildung 2: Bevor Sie loslegen können, müssen Sie Farben zu Paletten hinzufügen. Das Symbol nutzt KXStitch später im Ausdruck zur Kennzeichnung der unterschiedlichen Garne.
Danach ist KXStitch einsatzbereit. In der Standardeinstellung befindet sich das Programm in einem Zeichenmodus. Wie bei einem Malprogramm agieren Sie in der Zeichenfläche, setzen jedoch Stiche statt Pixel. Das wird deutlich, sobald Sie mit [Strg]+[+] oder Ansicht | Vergrößern in die Zeichnung hineinzoomen. Analog verkleinern Sie die Darstellung durch Drücken von [Strg]+[-]. Eine Anzeige, in welchem Maßstab Sie sich gerade befinden, bietet KXStitch jedoch nicht. Auch bei der Vergrößerung gibt es ein Limit.
Der Menüeintrag Extras bietet einige der bereits erwähnten Möglichkeiten, so zum Beispiel die Darstellung von Text (Abbildung 3). KXStitch öffnet für das Einfügen von Texten einen Dialog, in dem Sie den Text, die Schriftart und die Größe eingeben. Mit einem Klick auf OK übertragen Sie den Text auf die Leinwand. Der rote Rahmen um den Text signalisiert, dass Sie den Text noch auf der Leinwand frei verschieben können. Aber Achtung: Das funktioniert genau ein Mal, danach verankert KXStitch das Textobjekt fest auf dem Canvas. Ähnlich gelingt das Zeichnen von Rechtecken, Ellipsen oder Polygonen mit und ohne Füllung.

Abbildung 3: Das geöffnete Textwerkzeug und im Hintergrund die spätere Darstellung des Texts auf der Leinwand. Unter Palette in der Seitenleiste zeigt KXStitch erneut das Symbol für das Garn an.
Bibliothek verwalten
Die Bibliotheks-Verwaltung spielt eine wichtige Rolle, besonders dann, wenn Sie mehr an traditionellen musterorientierten Designs interessiert sind. Dafür müssen Sie die Bibliothek allerdings erst einmal anlegen und befüllen, das heißt: jede Menge kleinere Muster zeichnen und speichern. In der Bibliothek lassen sich diese Muster dann in Kategorien und Unterkategorien einteilen.






