Aus Raspberry Pi Geek 04/2015

Editorial 04/2015

To Pi or not to Pi

Jörg Luther

Darf ein Magazin, das “Raspberry Pi Geek” heißt, nur über das britische Original schreiben, oder ist auch ein Blick über den Tellerrand auf andere preiswerte Single-Board-Computer erlaubt? Das will Chefredakteur Jörg Luther diesmal von den Lesern wissen und lobt dazu ein Gewinnspiel aus.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

der Raspberry Pi hat sich als extrem vielseitiger Bastel-Computer erwiesen und geht in rekordverdächtigen Stückzahlen über die Ladentheken. Als die Foundation Mitte Februar die Auslieferung von 5 Millionen Exemplaren bekanntgab [1], gab sie sich überzeugt, vom kurz vorher eingeführten RasPi 2 binnen zwölf Monaten weitere 3 Millionen unters Volk bringen zu können – eine wohl eher konservative Schätzung. Im Augenblick dürften wohl rund 7 Millionen der Mini-PCs unterwegs sein, denn die genannten Zahlen beziehen sich nur auf den Verkauf. Die Foundation hat jedoch darüber hinaus zahllose Boards gratis an Bildungseinrichtungen aller Art abgegeben.

Die Palette der drei aktuellen Modelle A+, B+ und 2B (der streng genommen eigentlich 2B+ heißen müsste) deckt einen breiten Bereich an Einsatzmöglichkeiten ab und ein ebensolches Preisspektrum ab: Die Listenpreise starten bei 20 US-Dollar für den A+, das Flaggschiff 2B kostet mit 35 Dollar knapp das Doppelte. Einen Verkaufsschub dürfte in nächster Zeit der RasPi B+ erfahren, für den die Foundation den empfohlenen Verkaufspreis Mitte Mai von 35 auf jetzt nur noch 25 Dollar gesenkt hat [2].

Bei diesem Kostenlevel bietet er ein im SBC-Umfeld konkurrenzloses Preis-Leistungs-Verhältnis, und dank technischer Merkmale wie 256 MByte RAM, 4 USB-Ports und Ethernet-Anschluss lässt er sich praktisch universell für Projekte jeder Art nutzen. Von der Leistung her erreicht, salopp formuliert, die CPU etwa das Niveau eines flotten Desktop-PCs aus der Zeit um die Jahrtausendwende, die GPU könnte mit einer Xbox aus derselben Zeit mithalten. Das hört sich erst einmal nicht schlecht an, doch der Pferdefuß der RasPi-Architektur liegt in der I/O-Performance – auch beim 2B. Hier setzt die Tatsache, dass sich die vier USB-Ports und der Netzwerkanschluss einen Bus teilen müssen, der Leistungsfähigkeit klare Grenzen.

Nun hat der beispiellose Erfolg des Raspberry Pi zu einer wahren Renaissance preiswerter SBCs geführt, die lange Zeit ein eher bescheidenes Nischendasein geführt haben – selbst der in seiner Klasse wegweisende Arduino. Auch wenn sich manche der Kleinrechner als RasPi-Alternative gerieren, ist es oft schwierig, echte Konkurrenz vom bloßen aufgemotzten Imitat zu unterscheiden. Nichtsdestotrotz bieten einige der RasPi-Klone durchaus Features, die sie in manchen Projekten durchaus zur erwägenswerten RasPi-Alternative avancieren lassen. Eine kleine Übersicht der engsten RasPi-“Verwandschaft” liefert ein Artikel ab Seite 8 in dieser Ausgabe; ein wesentlich weiteres Umfeld deckt ein aktueller Artikel von LinuxGizmos.com ab: Er beschreibt gut 50 sogenannte “Hacker-SBCs”, die alle für unter 200 US-Dollar zu haben sind [3].

Auch wir werfen ja gerne einmal in Artikelform einen Blick über den Tellerrand und sehen uns Banana Pis (siehe Artikel ab Seite 68), Beaglebones, Cubietrucks, Hummingboards oder Odroids näher an und lassen schon mal RasPi und Arduino kooperieren. Unser Maßstab lautet da: Kann man das möglicherweise in einem Projekt gebrauchen, und geht es halbwegs als offenes System durch? Das bringt uns aber durchaus hin und wieder Leserbriefe ein, die sich über zu viel Nicht-RasPi-Inhalt im Heft beschweren.

Wie sehen Sie das? Lassen Sie mich Ihre Meinung in einer kurzen Mail an mailto:[email protected] unter dem Subjekt To Pi or not to Pi wissen. Als kleines Zuckerl für Ihre Mühe verlosen wir unter allen bis Einsendern, deren Mails bis zum 8. Juli eintreffen, zwei der inzwischen raren und als Sammlerstücke begehrten Tux-Droiden von Kysoh [4] sowie eine Reihe von Büchern und Videos rund um den Raspberry Pi. Ich freue mich schon auf Ihre Antworten und wünsche viel Glück!

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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