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Aus Raspberry Pi Geek 01/2014

Veranstaltungsbericht: Pi and More 4 in Luxemburg

© Medialinx AG

Ohne Grenzen

Marko Dragicevic

Am 9. November 2013 fand der ursprünglich in Deutschland gestartete Raspberry-Pi-Jam “Pi and More” erstmals in Luxemburg statt. Raspberry Pi Geek war vor Ort.

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Die vierte Inkarnation der Veranstaltung “Pi and More” lockte erneut Raspberry-Pi-Fans jeder Couleur an. Im Laufe des Tages besuchten die Teilnehmer Vorträge zu dem Mini-Computer, legten in einem Workshop selbst Hand am Pi an und tauschten sich in Gesprächen aus.

Auch wenn Luxemburg mit seinen 500 000 Einwohnern recht klein erscheint, besitzt das Großherzogtum doch beträchtliche wirtschaftliche und politische Bedeutung. Aufgrund seiner liberalen Finanzmarktgesetze und niedriger Steuersätze hat es sich zur Bankenmetropole entwickelt. Zudem unterhalten hier wichtige E-Commerce-Unternehmen wie beispielsweise Amazon und Paypal ihren Europa-Hauptsitz, und auch etliche EU-Institutionen fühlen sich hier wohl.

Am 9. November 2013 fand nun in Luxemburg zum ersten Mal ein Raspberry-Pi-Jam statt: Die Pi and More [1], die zuvor drei Mal in Deutschland stattfand.

Circlean

Der erste Vortrag der Veranstaltung stellte das Circlean-Projekt [2] vor. Es erhöht die Sicherheit für Rechner, an die des Öfteren fremde USB-Sticks aus potenziell unsicheren Quellen angeschlossen werden. Im Schnitt erreichen dem Referenten zufolge Anti-Viren-Programme bei relativ neuen Viren eine Erkennungsquote von gerade einmal 60 Prozent. Wurde der Schädling für genau diesen Angriff programmiert, erkennt ihn in der Regel noch nicht einmal die Heuristik-Engine des AV-Scanners.

Hier setzt das Circlean-Projekt an. Es stellt eine Image-Datei zur Verfügung, mit der sich ein Raspberry Pi booten lässt. Dabei startet der Pi eine Umgebung, in der er die bootende SD-Karte nur zum Lesen einhängt. Dann starten Skripte, die folgendes Vorgehen ermöglichen: Sie schieben den zu prüfenden, aus unsicherer Quelle stammenden USB-Stick in den oberen der beiden RasPi-USB-Ports. Einen zweiten, leeren Stick stecken Sie darunter ein. Der Pi legt nun auf dem unteren Massenspeicher eine modifizierte, abgesicherte Kopie des fremdem USB-Sticks an.

Dabei konvertiert die Software beispielsweise PDF- und Office-Dokumente nach HTML, ändert das Dateisuffix von Windows-Binärdateien und führt noch eine Reihe von weiteren Änderungen durch. Eine Kette von Prozessen macht Dateien, die potenziell ausführbaren Code enthalten könnten, quasi unschädlich. Zum Schluss ertönt ein akustisches Signal, das symbolisiert, dass Sie den abgesicherten Stick nun entnehmen und in anderen Rechnern einsetzen können.

Abbildung 1: RasPi-Roboter mit kreisrundem Chassis.

Abbildung 1: RasPi-Roboter mit kreisrundem Chassis.

OpenMePi

Der anschließende Vortrag stellte OpenMePi [3] vor. Dabei handelt es sich um ein Projekt in der Planungsphase, das ein per Raspberry Pi gesteuertes Türschloss- und Alarmsystem realisieren soll.

Das Vorhaben entstammt dem Hackerspace syn2cat [4] und soll dessen bisheriges Projekt OpenDuino ersetzen, das derzeit im Gebäude des Hackerspaces zum Einsatz kommt. Besucher können zu den Öffnungszeiten Türen mit einer Smartphone-App via Token öffnen, sofern das Handy im häuslichen WLAN-Netz eingebucht ist. Über denselben Weg erfolgt auch die Steuerung des Alarmsystems und künftig ebenfalls die Regulierung der Beleuchtung. Darüber hinaus implementiert das System die Space-API [5], mittels derer weltweit Hackerspaces via Internet diverse Statusmeldungen an Apps und Browser-Plugins melden – unter anderem darüber, ob die Lokalität derzeit geöffnet ist.

Da OpenDuino bisher rein Arduino-basiert war, gestaltete sich dessen Pflege angesichts wachsender Anforderungen zu umständlich. Hier soll der geplante, RasPi-basierende Nachfolger OpenMePi Abhilfe schaffen.

Regatta-Update

Der PiTörn [6] wurde in der nächsten Präsentation thematisiert. Das mit Stiftungs- und Sponsorengeldern finanzierte Langzeitprojekt zielt darauf ab, bei Schülern das Interesse an und die Kompetenz in Technik zu fördern. Dazu bauen die Jugendlichen verschiedener Schulen kleine Modellboote zu autonom fahrenden Schiffen um, deren Steuerung ein Raspberry Pi übernimmt. Im September 2014 soll dann abschließend eine “Regatta” in einem Wasserband stattfinden, bei der die Schiffe innerhalb eines Wettbewerbs versuchen, ein Ziel zu erreichen, ohne mit den Konkurrenten zu kollidieren.

Der PiTörn war schon mehrere Male Thema bei der Pi and More, und so erhielten auch diesmal die Zuhörer aktuelle Informationen zum derzeitigen Stand des Projekts. So haben die Schülergruppen zwischenzeitlich ihre Arbeiten begonnen. Mittlerweile wurden auch die Regeln der geplanten Regatta präzisiert: Die Schüler dürfen alle Arten von Sensoren verbauen, jedoch keine (Hilfs-)Servo-Motoren. Eine Fernbedienung dürfen die Jugendlichen nur bei Notfällen zuhilfe nehmen, wie beispielsweise der Gefahr einer Kollision.

Allerdings haben sich auch ein paar Probleme ergeben, mit denen man ursprünglich nicht gerechnet hatte: So liegen etwa an ungünstigen Stellen Steine im Wasser, und die Genauigkeit der GPS-Systeme reicht für die kleinen Schiffe nicht aus. Ein Problem konnte jedoch bereits gelöst werden: Es hatte sich gezeigt, dass eine weit in der Zukunft liegende Regatta für die Schüler motivational zu weit entfernt ist. Darüber hinaus müssten die Schiffe beim Rennen direkt mehrere Anforderungskriterien erfüllen, was relativ hohe Hürden aufwirft.

Dem begegnet man nun mit mehreren Zwischenrennen vor der eigentlichen Regatta, bei denen die Jugendlichen jeweils nur eine Kategorie erfolgreich absolvieren müssen – zum Gewinnen genügt es dann beispielsweise, lediglich Kollisionen vermieden zu haben. Diese Änderungen erhöhen den Spaßfaktor der teilnehmenden Schüler deutlich.

Workshop

Beim darauf folgenden Slot durften die Besucher der Pi and More zwischen zwei Angeboten wählen: Entweder blieben sie im Vortragsraum oder nahmen stattdessen an einem Workshop teil (Abbildung 2).

Abbildung 2: Ein Raum voller Raspberry Pis.

Abbildung 2: Ein Raum voller Raspberry Pis.

Wer sich für die Präsentation entschied, bekam ausführliche und gut strukturierte Informationen für Raspberry-Pi-Einsteiger zu hören. Von der Auswahl des grundlegenden Zubehörs über die verschiedenen Pi-Betriebssysteme bis hin zu den Einstellungsmöglichkeiten innerhalb der config.txt bis hin zum grafischen Konfigurationswerkzeug Raspi-config blieben keine Fragen offen.

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