Ob 3D-Druck, Mini-PC oder analoge Projekte – auf der Make Munich im März fanden Besucher aller Altersklassen die passenden Aussteller.
Wenn die Make Munich ruft, folgen die Maker: Wie bereits in den letzten Jahren waren die zwei Tage Anfang März prall gefüllt mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen. Neben lokalen Maker-Gruppen präsentierten auf der Ausstellungsfläche sowohl Firmen als auch freie Projekte ihre Produkte und Entwürfe. Passend zum Anlass stammte das Bier statt von einer industriellen Großbrauerei von einer kleinen Münchner Biermanufaktur.
Das Wetter meinte es zumindest am ersten Tag gut mit den Veranstaltern, und so war die Zenith-Halle schon früh gut gefüllt. Diese Halle war der Maker-Szene vorbehalten, während Allnet – neben Siemens einer der Hauptsponsoren – mit seiner Hausmesse den größten Teil des Kohlebunkers nebenan füllte. Auf der restlichen Fläche blieb Platz für diverse Workshops, etwa einen von Watterot zum Thema Löten.
Nicht nur Elektronik
Obwohl die Elektronik im Mittelpunkt stand, gab es viele alternative Themen, etwa Fahrräder aus Bambus oder ein Projekt, das sich mit dem Aufbereiten von Plastik beschäftigte und es damit sogar in die Abendnachrichten des Bayerischen Fernsehens schaffte (Abbildung 1).

Abbildung 1: Alles analog: Neben dem dominierenden Thema Elektronik fanden sich auf der Make Munich 2019 außerdem Projekte, die sich mit Themen wie Umweltschutz oder alternativen Transportmitteln beschäftigten.
Solche Projekte waren jedoch eindeutig in der Minderheit: Gefühlt lief an mindestens jedem zweiten Stand ein 3D-Drucker. Wer also für eine eigene Anschaffung Informationen und Anregungen brauchte, schöpfte hier bei Bedarf aus dem geballten Wissen der Maker. Bei vielen Projekten stand allerdings der 3D-Druck nicht im Zentrum, sondern war ein selbstverständliches Werkzeug.
Ebenso verhielt es sich mit dem Raspberry Pi: Während auf den britischen Inseln am selben Wochenende diverse Gruppen mit großen Partys dessen siebten Geburtstag feierten, blieb es um den Mini-PC in der Münchener Messehalle überraschend ruhig. Der RasPi war an vielen Ständen präsent und an manchen sogar käuflich zu erwerben, zählt aber inzwischen eindeutig zum Maker-Mainstream – niemand verliert mehr große Worte darüber, dass der Mini-Rechner eine Maschine steuert.
Mehr MINT
Das liegt vielleicht am Stellenwert des Raspberry Pi in UK, denn dort entstand er ja gezielt für die Ausbildung von Kindern. Damit sieht es in Deutschland eher mau aus: Ärgerlicherweise reicht die Fantasie deutscher Politiker beim inzwischen fast schon berüchtigten Digitalpakt Schule nicht über Begriffe wie Laptop und Tablet hinaus.
Dabei war die Zenith-Halle voll mit Kindern, und jeder Stand, an dem sie selbst Hand anlegen konnten, war heiß umkämpft. Die Palette an Angeboten reichte dabei von der Entwicklung eines eigenen 3D-Modells am PC bis zu ersten Erfahrungen mit dem Lötkolben im entsprechenden Workshop. Einen großen Anteil daran hatten diverse Maker-Gruppen aus den Regionen München und Nürnberg: Sie bieten ohnehin regelmäßig Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Wer sich dafür interessiert, findet recht zuverlässig regionale Angebote in der Nähe – oft hilft da schon eine Google-Suche nach dem Stichwort “FabLab”.
Der große IT-Distributor Allnet bietet inzwischen im MINT-Bereich einige interessante Produkte an. So offeriert das Unternehmen fertige Arduino-Boxen für Schulklassen samt Zugang zu einer Online-Plattform mit Anleitungen und Lektionen. Ergänzend veranstaltet Allnet passende Schulungen für Pädagogen.
Für eine etwas andere Zielgruppe gibt es das Brick-R-Knowledge-System. Damit lassen sich Schaltkreise ganz in Lego-Manier einfach zusammenstecken – hier waren Kinder ebenfalls fasziniert bei der Arbeit (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das System Brick-R-Knowledge ermöglicht es, Schaltkreise wie Lego-Steine zusammenzusetzen, was insbesondere bei der Jugend gut ankam.
Highlights
Die Bandbreite der vorgestellten Projekte fiel immens aus, sodass eine umfassende Würdigung schwerfällt. Der Aufwand, den einzelne Firmen treiben, hing zusätzlich von deren finanziellen Möglichkeiten ab. Siemens etwa präsentierte einen vollautomatischen Cocktailmixer (Abbildung 3) – solche Übungsprojekte des eigenen Nachwuchses bringen jedoch nur große Firmen auf die Bühne.

Abbildung 3: Projekte wie dieser Cocktailmixer erfordern einen finanzstarken Partner, in diesem Fall Siemens.
Ein typisches Beispiel vom anderen Ende der Skala lieferte eine kleine Gruppe aus Italien, die ihre im Eigenbau entstandene PCB-CNC-Fräse “The Ant Compact PCB Maker” präsentierten (Abbildung 4). Hier kam regelmäßig die Frage auf, wo es das Gerät zu kaufen gebe. Für das Selbstbauprojekt stellen die Mitglieder aber lediglich alle technischen Unterlagen sowie Videos mit Anleitungen im Internet bereit. Alles ist sehr professionell gemacht, dahinter stecken viele Stunden persönlichen Einsatzes.
Sehr viel Anklang fand auch der äußerst professionelle Auftritt einer Schülerfirma, die 3D-Druck-Dienstleistungen anbietet. Inzwischen arbeitet die Gruppe sogar an einem eigenen 3D-Drucker.







