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Aus Raspberry Pi Geek 06/2017

Geleakt: Apple steigt in den SBC-Markt ein

© olegdudko, 123RF

Apple Pi(e)

Bernhard Bablok

Kneipenbesuche im Silicon Valley bieten nicht nur interessante Gespräche, sondern erlauben manchmal auch Blicke auf Gadgets, die es offiziell noch gar nicht gibt.

Apple, als Technologieführer bekannt und immer für überraschende Innovationen gut, hielt sich im boomenden Segment der Mini-Rechner bisher vornehm zurück. In einem Markt, den die Raspberry Pi Foundation dominiert, in dem sich aber selbst Platzhirsche wie Intel mit dem Compute Stick [1] oder Asus mit seinem Tinker Board [2] versuchen, glänzte der Konzern aus Cupertino bislang mit Abwesenheit. Wenn man unserem Informanten trauen darf, ändert sich das allerdings in Kürze.

Auf ein kleines weißes Kästchen (Abbildung 1) angesprochen, zierte sich der angesprochene Nerd erst etwas, wurde aber nach ein paar weiteren Bieren gesprächiger: Es handle sich dabei um einen ersten Prototyp des zukünftigen RasPi-Killers von Apple, mit dem offiziellen Projektnamen LIRPA.1 für “Lightweight Innovative Raspberry Pi Adversary v1”, zu Deutsch etwa: schlanker, innovativer RasPi-Konkurrent. Unter der Hand spreche man in Cupertino aber unverhohlen vom “Apple Pi”. Als Betriebssystem diene eine Variante von Apples Betriebssystemen, sinnigerweise P.iOS genannt. Allerdings betonte unser Kontakt, dass sich das noch ändern könne, sobald das Marketing die Sache in die Hand nehme.

Innovation

Interessanterweise fehlt am Apple Pi jedwede physikalische Schnittstelle – Ähnliches versucht Apple ja schon beim iPhone, das inzwischen ohne eine Kopfhörerbuchse daherkommt. Originalton aus Cupertino: “Wir haben den Pi neu erfunden!” Ein fest eingebauter Akku, kontaktlos geladen, sowie alle bekannten Funktechniken seien heute ausreichend. Gesteuert wird der Apple Pi über ein iPhone, wahrscheinlich ab Version 7. Programme lädt der Benutzer, voraussichtlich gegen Gebühren, aus einer speziellen Kategorie von Apples App Store auf den Kleinstrechner.

Abbildung 1: Links im Bild: der zukünftige Apple Pi.

Abbildung 1: Links im Bild: der zukünftige Apple Pi.

Unseren Einwand, dass gerade die Offenheit und insbesondere die GPIO-Leiste den Reiz des Raspberry Pi ausmachen, ließ der Nerd nicht gelten: GPIOs spricht man beim Apple Pi ebenfalls über Funk an. Dazu gibt es eine extra zu erwerbende Leiste mit Pins – Abbildung 2 zeigt einen sehr frühen Prototyp –, die sich direkt am Einsatzort platzieren lässt; eine interessante Idee, der ein gewisser Charme nicht abzusprechen ist: Der Apple Pi bleibt repräsentativ auf dem Schreibtisch und steuert die Pins über Bluetooth. Freischalten lassen sich die Pins per Kreditkarte im Store – Apple denkt dabei dem Vernehmen nach an ein Abo-Modell, wahlweise auch Pay-per-Use.

Abbildung 2: Ein Prototyp der Remote-GPIOs des Apple Pi.

Abbildung 2: Ein Prototyp der Remote-GPIOs des Apple Pi.

Die Kosten für einen Apple Pi sollen sich im niedrigen dreistelligen Dollar-Bereich bewegen, O-Ton Apple: “Unsere Kunden kaufen unsere Produkte nicht, obwohl sie teuer sind, sondern weil sie teuer sind.” Man müsse sich ja schließlich auch beim Preis von der üblichen SoC-Klasse differenzieren, schließlich gebe es ja auch deutlich teurere Single-Board-Computer als den Raspberry Pi.

Fazit

Inwieweit das Konzept von Apple aufgeht, muss die Zukunft zeigen. Für einen ordentlichen Obstsalat fehlte neben Himbeere, Banane und Orange ja noch ein Apfel-SBC. Apple-typisch wird der Preis für einen Apple Pi jedoch deutlich über dem der Konkurrenz liegen. Die Integration in den goldenen Apfel-Käfig macht das Produkt allerdings für treue Apple-Kunden besonders interessant, schließlich soll sich der Apple Pi nahtlos in die Netzwerkdienste für iOS und MacOS einfügen.

Auch für den Raspberry Pi selbst könnte sich der Einstieg von Apple positiv auswirken: In der Vergangenheit fand die eine oder andere Innovation seitens Apple bereits ihren Weg in die Produkte anderer Hersteller, so stammt zum Beispiel das Common Unix Printing System CUPS oder die Zeroconf-Implementation von Multicast DNS (unter Linux in Form von Avahi) von Apple. Man darf also gespannt sein, wie die Raspberry Pi Foundation auf die neue Herausforderung antwortet. 

Der Autor

Bernhard Bablok (mailto:[email protected]) arbeitet bei der Allianz Managed&Operations Services SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und neuerdings SBCs.

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