Aus Raspberry Pi Geek 01/2014

Multi-Installer NOOBS für Raspberry Pi (Seite 3)

So erweitern Sie damit beispielsweise die Liste der zu installierenden Betriebssysteme oder ersetzen sie komplett. Ebenso ermöglichen es die Einstellungen, verschiedene angepasste Versionen des gleichen Betriebssystems zu installieren. So kann beispielsweise ein Lehrer für eine Hälfte einer Schulklasse ein System zur Produktion von Multimedia-Inhalten und für die andere Hälfte eine schlanke Python-Programmierumgebung aufsetzen, die beide beispielsweise auf Raspbian basieren.

So gibt es bereits ein Raspbian-Image mit integriertem “Boot to Scratch”. Hierbei geht es um die visuelle Programmierumgebung Scratch des renommierten MIT-Media-Lab. Das Raspbian-Image lädt beim Hochfahren direkt Scratch, ohne Anfänger mit Linux oder der Raspbian-Oberfläche zu überfordern.

Das Einbinden weiterer, selbst angepasster Betriebssystem-Images ist mit ein wenig Editieren einiger Konfigurationsdateien leicht möglich. Genauso einfach gestaltet es sich, NOOBS so zu konfigurieren, dass ein auf der SD-Karte abgelegtes Image automatisch ohne jegliche Interaktion seitens des Nutzers beim Start des RasPi installiert wird.

Dazu kopieren Sie zunächst das zu installierende Image auf der SD-Karte in den Ordner OS zu den anderen Systemen. Um bei der Installation nichts bestätigen zu müssen, editieren Sie die Datei recovery.cmdline und fügen dort silentinstall zur Liste der Argumente hinzu. Liegen mehrere Varianten des gleichen Betriebssystems auf der Karte, müssen Sie die gewünschte Spielart in der Datei flavours.json vermerken.

recovery.cmdline erlaubt aber auch das Setzen anderer Schalter. So legen Sie darin beispielsweise mit lang=en oder keyboard=en die Sprache und Tastaturbelegung auf Englisch fest. Auch den oben beschriebene Display-Modus ändern Sie an dieser Stelle mit dem Schalter display=1, was HDMI entspricht.

Mit welchem System NOOBS automatisch nach 10 Sekunden ohne Nutzervorgabe startet, stellen Sie mit partition=Nummer ein. Das Argument forcetrigger sorgt dafür, dass der Recovery-Modus jedes Mal startet, wenn Sie den RasPi hochfahren.

All das lässt sich auch über die GPIO-Steckerleiste realisieren, indem Sie diese mit dem Argument gpiotriggerenable freischalten und dann beispielsweise den Recovery-Mode ständig beim Hochfahren durch Verbinden der Pins 3 und 25 aktivieren [10]. Etwas aufwendiger gestaltet sich das individuelle Anpassen eines der vorinstallierten Images. Wie das genau funktioniert, lesen Sie in der Datei README.md auf GitHub [11] in der unteren Hälfte nach.

Fazit

Zwar richtet sich NOOBS in erster Linie an RasPi-Einsteiger, aber auch versiertere Nutzer profitieren vom unkomplizierten Einrichten mehrerer paralleler Systeme. So lassen sich auf einfachstem Wege verschiedene OS-Varianten ausprobieren, ohne dazu gleich in die Tiefen des Systems hinabsteigen zu müssen. 

Der Autor

Ferdinand Thommes lebt und arbeitet als Linux-Entwickler, freier Autor und Stadtführer in Berlin.

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