Aus Raspberry Pi Geek 04/2022

Twister OS für den Raspberry Pi 4

© pkdinkar / 123RF.com

Bunte Mischung

Erik Bärwaldt

Ob Arbeit, Spiel oder Multimedia: Twister OS vereint verschiedenste Funktionen für den RasPi in einem System.

Mit zunehmender Rechenleistung des Raspberry Pi portieren auch immer mehr Entwickler ihre Systeme auf den britischen Kleincomputer. Viele der Betriebssysteme konzentrieren sich jedoch auf spezielle Einsatzgebiete und eignen sich nicht für die tägliche Nutzung als Allrounder. Das auf Raspberry Pi OS basierende Twister OS [1] dagegen möchte den Raspberry Pi 4 als Allrounder auch für Multimediaanwendungen und Spiele positionieren und bringt daher viele Innovationen und Softwarelösungen auch für Um- und Einsteiger mit.

Anders als bei vielen anderen Distributionen beschränken sich die Entwickler von Twister OS nicht darauf, ein vorhandenes Linux-Derivat mehr oder weniger vollständig auf die ARM-Architektur zu portieren: Twister OS bringt auch viele zusätzliche Applikationen mit. So integriert das System mit Box86 und Wine zwei Laufzeitumgebungen, die es ermöglichen, auch für andere Systeme entwickelte Software zu nutzen. Für die erweiterte Konfiguration des Systems steht CommanderPi bereit, während mit Lutris und RetroPie zwei Spieleplattformen bereitstehen.

Zudem erlaubt die innovative Applikation ThemeTwister das bequeme Umschalten per Mausklick zwischen 14 unterschiedlichen Erscheinungsbildern der Arbeitsoberfläche. Ein umständliches manuelles Anpassen des Desktops entfällt damit. Zusätzlich stellt TwisterOS mit PiKISS und Pi Packages gleich zwei Appstores zur Verfügung. Zum Spiegeln eines Smartphone-Displays auf dem Raspberry Pi dient die App My Android.

Einstieg

Das für den Raspberry Pi 4 konzipierte Image laden Sie von der Webseite des Projekts herunter. Es stehen zwei Varianten zur Verfügung: Die Vollversion umfasst in archivierter Form etwa 2,5 GByte, die Lite-Variante bringt es auf etwa 1,2 GByte Umfang [2]. Das heruntergeladene Image entpacken Sie anschließend mit der Archivverwaltung des Systems. Das Abbild der Vollversion bringt entpackt stattliche 8,7 GByte auf die Waage und erfordert daher eine entsprechend große MicroSD-Karte. Die Lite-Variante belegt im entpackten Zustand mit etwa 5,1 GByte ebenfalls überdurchschnittlich viel Speicherplatz.

Nach dem Entpacken transferieren Sie das Image entweder mithilfe eines grafischen Werkzeugs wie Balena oder Etcher auf eine MicroSD-Karte oder verwenden dazu Dd auf der Kommandozeile (Listing 1). Je nach Schreibgeschwindigkeit der genutzten Speicherkarte nimmt der Vorgang längere Zeit in Anspruch. Nach dem Transfer des Abbilds starten Sie den Raspberry Pi 4 von der neu angelegten MicroSD-Karte.

Listing 1

MicroSD-Karte beschreiben

$ dd if=/Pfad/Abbildname of=/dev/mmcblk0 bs=1M

Kunterbunt

Nach einer kurzen Startphase begrüßt Twister OS Sie mit einem in etwas schrillen Farben gehaltenen XFCE-Desktop (Abbildung 1). Oben rechts gibt Conky Auskunft über den Status der Systemressourcen. Auf dem Desktop befinden sich bereits mehrere Starter, und ein Willkommensfenster ermöglicht ein geführtes Setup.

Abbildung 1: Das voreingestellte Theme wirkt optisch etwas schrill.

Abbildung 1: Das voreingestellte Theme wirkt optisch etwas schrill.

Im unten angezeigten Dock blenden Sie mit einem Klick auf den Schalter ganz links eine dem Gnome-Desktop entlehnte Kachelansicht der vorhandenen Anwendungen ein. Sie zeigt auf vier Seiten mehr als 100 bereits vorinstallierte Applikationen an. Auch in der herkömmlichen Menüstruktur, die Sie oben links über den Menüknopf in der Panel-Leiste erreichen, finden Sie prall gefüllte Untermenüs. So bringt Twister OS neben Standardanwendungen wie LibreOffice, dem VLC-Mediaplayer oder dem Webbrowser Chromium auch das Bildbearbeitungsprogramm Gimp sowie viele Spiele mit.

Vor allem in den Untermenüs Accessories, System und Settings finden sich zahlreiche zusätzliche Programme nicht nur aus dem XFCE-Fundus, die die Konfiguration und das Monitoring des Systems erleichtern. Dazu zählen auch spezielle Tools für den Raspberry Pi und eigenentwickelte Werkzeuge.

Tapetenwechsel

Auf dem Desktop sowie im Untermenü Settings finden Sie das Werkzeug ThemeTwister, mit dem Sie per Mausklick das Erscheinungsbild der Arbeitsumgebung anpassen. Dazu klicken Sie nach dem Öffnen des Programms lediglich unterhalb der kleinen Vorschaubilder (Abbildung 2) auf das gewünschte Theme, worauf sich ein Terminal öffnet. Es fordert nach dem Laden des Themes dazu auf, die Eingabetaste zu drücken, und schließt sich danach, während zunächst ein Login-Bildschirm erscheint.

Abbildung 2: Mit wenigen Mausklicks ändern Sie das Aussehen des Desktops.

Abbildung 2: Mit wenigen Mausklicks ändern Sie das Aussehen des Desktops.

Dort melden Sie sich erneut als Nutzer pi mit dem Passwort raspberry an. Achtung: Zunächst gilt die US-amerikanische Tastaturbelegung, was auf einer deutschen Tastatur [Z]+ und [Y] vertauscht. Nach der Anmeldung erscheint der Desktop im neuen Design. Dabei fällt die sorgfältige Integration der einzelnen Themes positiv auf: Conky verschwindet ohne Fehlermeldung, und die Menüs sowie die Icons erscheinen fehlerfrei auf der Arbeitsoberfläche. Um das Theme zu wechseln, genügt ein erneuter Aufruf des Programms.

Auch Umsteigern, die bislang andere Betriebssysteme genutzt haben, fällt der Umstieg besonders leicht, da mehrere Themes ältere Varianten von Microsoft-Betriebssystemen optisch imitieren. Auch für Umsteiger von Apple-Betriebssystemen finden sich in ThemeTwister verschiedene Anpassungen.

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