Vor 40 Jahren, am 26. April 1985, erblickte der erste ARM-Prozessor das Licht der IT-Welt. Ehemals als Synonym für kreative Bastelprojekte und Mobilgeräte belächelt, mausert sich ARM zum Big Player und zur ernsthaften Konkurrenz für Intel und AMD.
Was als britisches Heimcomputerprojekt begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Grundstein der mobilen Revolution: Am 26. April 1985 traf beim britischen Computerhersteller Acorn der ARM1-Prozessor ein – die erste Generation einer heute nicht mehr wegzudenkenden Chiparchitektur.
Lange Zeit war die ARM-Architektur primär in der Domäne mobiler Endgeräte und Bastelrechner wie dem Raspberry Pi zu Hause. Sie profitierten von der Energieeffizienz und dem günstigen Kostenprofil der RISC-basierten Prozessoren. Die Energieeffizienz war übrigens aus der Not heraus geboren: Das ursprüngliche Unternehmen konnte sich anfangs keine teuren Keramikgehäuse leisten und musste stattdessen auf günstigere aus Kunststoff zurückgreifen. Um diese nicht thermisch zu überlasten, musste die anfallende Abwärme möglichst gering ausfallen. Seitdem hat sich zwar viel getan, ihre Stromsparqualitäten hat die CPU aber dennoch beibehalten.
Die Gründe für die rasante Verbreitung auch außerhalb der Bastel- und Mobilsparte sind vielfältig. Zum einen machte die Performance von ARM-Chips in den letzten Jahren einen enormen Sprung nach vorn. Apples beeindruckende M-Serie in den MacBooks und iMacs demonstriert, dass ARM-basierte Systeme nicht nur energieeffizient sind, sondern auch in Sachen Leistung absolut konkurrenzfähig. In manchen Bereichen haben sie sogar die Nase vorn. Diese Entwicklung ist kein isoliertes Phänomen: Auch andere Hersteller arbeiten intensiv an leistungsstarken ARM-SoCs, die den Sprung in traditionelle PC- und sogar Server-Anwendungen wagen.
Darüber hinaus spielt generell Energieeffizienz eine immer größere Rolle. Angesichts steigender Strompreise und eines stärkeren Umweltbewusstseins rückt der geringe Energieverbrauch von ARM-Systemen in den Fokus. Das gilt nicht nur für Endnutzer, sondern insbesondere für Rechenzentren, wo jedes eingesparte Watt bares Geld bedeutet und zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks beiträgt. Projekte wie Ampere Computing zeigen eindrücklich, dass ARM-basierte Server bei der Performance pro Watt durchaus mit traditionellen x86-Systemen mithalten können oder sie sogar übertreffen. Dieser Entwicklung trugen auch alle großen Distributoren wie Red Hat, Suse und Ubuntu Rechnung. Neben den Desktop-Varianten bieten sie ihre auf ARM portierten Systeme auch für den Serverbetrieb an.
Freilich steht ARM noch vergleichsweise am Anfang dieser Reise. Es gilt, Herausforderungen zu meistern, insbesondere im Bereich der Softwarekompatibilität. Nicht jede Anwendung, die für x86 entwickelt wurde, läuft problemlos auf der Plattform. Doch die Fortschritte in Bereichen wie Emulation und nativer ARM-Kompilierung sind vielversprechend. Mit der wachsenden Verbreitung von ARM-Systemen wird auch der Anreiz für Softwareentwickler steigen, ihre Anwendungen nativ für diese Architektur zu optimieren.
Herzliche Grüße,
Thomas Leichtenstern
Redakteur




