Aus Raspberry Pi Geek 09/2025

Einführung

© Computec

Gesetzesbrecher?

Redaktion

Moore’s Law galt jahrzehntelang als eine Konstante in der IT. Doch wohin entwickelt sich die Technologie, und was von Moores Idee hat noch Gültigkeit? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Seit vielen Jahrzehnten galt es als das ungeschriebene Gesetz des digitalen Fortschritts: Moore’s Law. Die Beobachtung von Gordon Moore, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Mikrochip etwa alle 18 bis 24 Monate bei ungefähr gleichbleibenden Kosten verdoppelt, hat die Computerindustrie wie kein zweites Paradigma angetrieben. Doch in der heutigen Ära der künstlichen Intelligenz und immer komplexerer Systeme stellt sich die Frage: Gilt das eherne Gesetz noch oder ist es inzwischen überholt?

Die Realität zeigt, dass Moores Gesetz in seiner ursprünglichen Definition an physikalische und ökonomische Grenzen stößt. Die Bauteile sind mittlerweile so winzig, dass sie sich atomaren Dimensionen nähern. Auf dieser Skala machen Quanteneffekte und die Herausforderung, die enorme Hitzeentwicklung abzuführen, eine weitere Miniaturisierung exponentiell schwieriger und kostspieliger. Die Entwicklung und Fertigung von Chips in der aktuell laufenden 2- und 3-Nanometer-Technologie verschlingen mittlerweile Milliardenbeträge. Dieser Wettlauf rechnet sich wirtschaftlich nur noch für eine Handvoll extrem anspruchsvoller Anwendungen.

Doch der Geist des Mooreschen Gesetzes lebt auf andere Weise fort, lediglich mit einem anderen Fokus, weg von der reinen Transistorskalierung hin zu architektonischen Innovationen und Spezialisierung. Prozessoren werden nicht mehr primär durch immer höhere Taktraten schneller, sondern durch das Hinzufügen weiterer Rechenkerne, durch parallelisierte Verarbeitung und vor allem durch spezialisierte Hardware. Grafikkarten (GPUs), neuronale Prozessoreinheiten (NPUs) und anwendungsspezifische integrierte Schaltungen (ASICs) für KI-Aufgaben sind Paradebeispiele dafür, wie sich enorme Leistungssprünge auf anderem Weg umsetzen lassen.

Am Ende des Tages geht es heute weniger um die schiere Anzahl der Transistoren auf einem einzelnen Die, sondern vielmehr um die Leistung pro Watt und Euro. Das ursprüngliche Mooresche Gesetz mag in seiner wörtlichen Auslegung verblassen, doch sein Vermächtnis als treibende Kraft der kontinuierlichen technologischen Verbesserung bleibt bestehen. Es gibt keine Verzögerung des Fortschritts, sondern lediglich eine Transformation der Art und Weise, wie dieser Fortschritt erzielt wird.

Herzliche Grüße,

Thomas Leichtenstern

Redakteur

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