Über Jahrzehnte änderte sich an der Basis von Linux-Distributionen eher wenig. Neuere Software hier, schickere Oberflächen da, ein neuer Display-Server, oder ein anders Init-System. Unangetastet von größeren Veränderung blieb aber bei den meisten Distributionen die Paketverwaltung und das Linux-System als solches. Doch das ändert sich gerade auf vielen Ebenen.
Jahrzehnte lang galten Paketverwaltungen wie RPM, DEB und AUR als Goldstandard auf den allermeisten Linux-Distributionen. Doch seit einiger Zeit beginnt ein lange und von vielen erwarteter Paradigmenwechsel. Immer stärker drängen distributionsunabhängige Alternativen wie Appimage, Flatpak, Snap oder Containeranwendungen wie Docker ins Geschehen. Aus gutem Grund. Für die Projekte bedeutet es einen erheblich geringeren Entwicklungsaufwand, weil sie sich nicht mehr um distributionsspezifische Eigenheiten kümmern müssen. Aber auch die Nutzer profitieren davon, denn mit den alten Paketformaten verschwindet auch die oft verfluchte Dependency Hell. Das liegt daran, dass zum Beispiel Appimages alle benötigten Abhängigkeiten selbst mitbringen, und somit nicht darauf angewiesen sind, dass sie das System stellt. Darüber hinaus bringt diese Vorgehensweise auch ein Plus an Sicherheit, da die Anwendungen in der Regel in einer abgeschotteten Umgebung laufen.
Damit verbunden ist allerdings auch ein kleiner Nachteil: Die Größe der Pakete fällt in aller Regel erheblich größer aus, als die herkömmlicher Paketverwaltungen. Spielte das früherer durchaus eine Rolle, kann man diesen Aspekt inzwischen vernachlässigen. An Massenspeicher haben die meisten System inzwischen mehr als genug.
Aber auch ein weiterer, richtungsweisender Trend setzt sich mehr und mehr durch: Nämlich sogenannte Immutable Distributionen, also solche, deren System sich nach der Installation nicht mehr ändern lässt. Das zentrale Konzept ist die Trennung des Dateisystems in schreibgeschützte und schreibbare Bereiche. Die Kernsystemdateien befinden sich dabei in einer schreibgeschützten Partition. Das gewährleistet, dass das Betriebssystem vor unbefugten oder versehentlichen Änderungen geschützt bleibt. Änderungen während des Betriebs legt das System in einem separaten, schreibbaren Speicherbereich ab.
Damit einher geht ein anderer Update-Prozess. Statt einzelne Dateien zu aktualisieren rollen die Distributoren oft ein neues Systemimage aus, das das alte ersetzt. Das verhindert unter anderem Probleme wie inkonsistente Zustände während des Updates, die in traditionellen Systemen auftreten können. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Distributionen, die auf diese Technik zurückgreifen, zum Beispiel Fedora Silverblue, NixOS oder das auf der Heft-DVD enthaltene Vanilla OS. Auch das speziell in Deutschland sehr beliebte OpenSuse folgt dem Trend, und stellt ab Version 16 von Leap auf Immutible um, die voraussichtlich im Oktober 2025 erscheinen wird.
Herzliche Grüße,
Thomas Leichtenstern
Redakteur


