Aus Raspberry Pi Geek 06/2021

Editorial 05-06/2021

Optionen für Power-User

Christoph Langner

Der Raspberry Pi Imager soll es Einsteigern so einfach wie möglich machen, ein Raspberry-System aufzusetzen. Fortgeschrittenen Nutzer bot das Programm jedoch kaum einen Mehrwert. Mit dem Update auf die Version 1.6 sollten RasPi-Profis das Programm nicht mehr ignorieren.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

zu den größten Herausforderungen eines Computereinsteigers gehört nach wie vor die Installation eines Betriebssystems. Ein Image herunterladen, die Abbilddatei auf den richtigen Massenspeicher schreiben und das System vom neuen Bootmedium starten – da unterscheidet sich der Raspberry Pi nur wenig von einem klassischen PC. Immerhin kann beim RasPi das BIOS beziehungsweise UEFI nicht dazwischenfunken. Um eben diesen Schritt zu erleichtern, rät die Raspberry Pi Foundation inzwischen zum Raspberry Pi Imager [1] für die Installation des Systems.

Das kleine Programm lädt die aktuelle Version des Raspberry Pi OS sowie andere populäre RasPi-Distributionen wie Ubuntu, LibreELEC oder RetroPi aus dem Netz und schreibt das System per Mausklick auf eine in den Kartenleser eingelegte Speicherkarte. Dabei blendet die Software interne Massenspeicher wie Festplatten oder SSDs aus, sodass keine Gefahr besteht, das eigene Betriebssystem zu überschreiben. Letzteres könnte beim Einsatz von typischen Linux-Tools wie etwa Dd durchaus leicht passieren.

Auch nach Jahren schaue ich persönlich routinemäßig immer doppelt und dreifach auf das Kommando dd if=raspi.img of=/dev/sdd und prüfe zudem immer noch schnell per lsblk, ob ich auch wirklich die richtige Geräte-ID eingetragen habe. Da ich fast täglich an einem RasPi herumschraube, ist es jedoch eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich irgendwann einmal einen Fehler mache und wichtige Daten verliere. Von daher war es eigentlich wirklich schade, dass der Raspberry Pi Imager mir als Power-User wenig Grund für einen Umstieg vom Terminal gab. Terminalkommandos gehen einfach schneller von der Hand als die Klickerei durch Fenster und Menüs.

Mit dem neusten Update auf die Version 1.6 von Raspberry Pi Imager schaffen die Entwickler jetzt jedoch einen deutlichen Mehrwert für erfahrene Nutzer. Drücken Sie im Programm die Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[X], dann erscheint ein Dialog mit erweiterten Optionen (Abbildung 1). Dort können Sie dann zum Beispiel direkt den Host-Namen eintragen, den SSH-Zugang aktivieren sowie ein Passwort für den Nutzer pi eintragen oder einen Public Key zur Authentifizierung hinterlegen. Zudem erlaubt das Programm, den WLAN-Zugang einzutragen und die Sprache des Systems bereits vor dem ersten Boot-Vorgang zu wählen. Alle Einstellungen lassen sich bei Bedarf dauerhaft speichern.

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Abbildung 1: Mit [Strg]+[Alt]+[X] rufen Sie die erweiterten Optionen des Raspberry Pi Imager auf.

Die Entwickler verzichten dabei bewusst auf einen Schalter oder Menüpunkt zum Aufruf der Optionen. Es gibt nicht einmal einen Hinweis im Fenster oder einen Hilfetext, der die “magische” Tastenkombination erklärt. Das Installationswerkzeug soll Einsteigern so wenig Gelegenheiten wie möglich bieten, etwas falsch zu machen. Die Entscheidung wird durchaus kritisch diskutiert, Power-User dürfte das jedoch sicherlich wenig stören. Immerhin ersparen die Optionen lästige, laufend wiederkehrende Konfigurationsarbeiten.

Interessant sind auch die Telemetriedaten, die das Programm während der Nutzung sammelt und an die Raspberry Pi Foundation überträgt (abstellbar unter Erweiterte Optionen | Telemetry aktivieren). Die zeigen, dass rund zwei Drittel aller über den Imager installierten Mini-Rechner mit dem offiziellen Raspberry Pi OS laufen, 11 Prozent mit Pi OS Lite ohne grafische Oberfläche. Ubuntu erfreut such mit 15 Prozent Anteil an den Installationen zunehmender Beliebtheit. Die Spiele-Distribution RetroPie und das Mediacenter LibreELEC machen dagegen nur rund 5 respektive 3 Prozent aller Installation aus [3].

Bleiben Sie gesund,

Christoph Langner

Redakteur

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