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Aus Raspberry Pi Geek 08/2018

Editorial 07-08/2018

Aufs Wort

Jörg Luther

Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Googles Assistant lassen sich auch mit dem RasPi verknüpfen. Allerdings sollte man sich das vorher gut überlegen, findet Chefredakteur Jörg Luther.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

zu den beliebtesten Gadgets im Internet of Things gehören heute Spracherkennungssysteme wie Apples HomePod, Amazons Echo oder Googles Home. Die Assistent(inn)en mit den lustigen Namen wie Siri oder Alexa – OK, Google hat nur einen schnöden “Assistant” – beantworten knifflige Fragen, spielen auf Zuruf entspannende Musik, bestellen im Handumdrehen das Gewünschte oder steuern die Komponenten im Smart Home an.

Klar, dass sich auch das ein oder andere RasPi-Projekt an den praktischen Helfern orientiert und sie einzubinden oder sogar zu imitieren versucht. Zwei Beispiele finden Sie in dieser Ausgabe: Im Hacks-Artikel ab Seite 20 lässt der Autor einen RasPi via Zuruf über einen Amazon Echo diverse Heimautomationskomponenten steuern; mit der ab Seite 71 vorgestellten Erweiterungsplatine Matrix Voice setzen Sie innerhalb einer Stunde einen vollwertigen Amazon-Echo- oder Google-Home-Klon auf.

Allerdings haben die schicken Sprachassistenten allesamt einen Schönheitsfehler, der in beiden Artikeln für meinen Geschmack etwas zu kurz kommt: Sie schicken nach der per Zuruf erfolgenden Aktivierung alle Sprachdaten zur Auswertung an den Anbieter. Dort bleiben diese auch gespeichert; was weiter mit ihnen passiert und wer genau darauf Zugriff erhält, darüber geben sich Apple, Amazon und Google gleichermaßen schmallippig. Tatsächlich ist es bereits vorgekommen, dass Ermittlungsbehörden sich von Amazon Echo-Aufzeichnungen aushändigen ließen, um in einem Mordfall zu ermitteln [1]. Das unterstützt die gelegentlich geäußerte These [2], dass es sich bei Alexa und Co. eigentlich eher um Abhöranlagen handelt als um Assistenten. Zudem haben Sicherheitsforscher bereits Angriffe mit für den Benutzer unhörbaren Sprachkommandos demonstriert [3].

Da erscheint es dann schon als das kleinere Übel, wenn der übereifrige Assistent “nur” etwas bestellt, was man eigentlich gar nicht haben wollte. Ein schönes Beispiel dafür gab es letztes Jahr in den USA: Dort hatte ein kleines Mädchen seine “Freundin” Alexa gefragt, ob sie nicht mit ihr Puppenhaus spielen wolle. Die digitale Assistentin bestellte ihr prompt eines, zur Überraschung der Eltern, die davon nichts mitbekommen hatten. Doch es kam noch besser: Als die Geschichte die Runde machte, berichtete ein Fernsehsender davon. Der TV-Kommentator sagte, ihm habe gefalle, wie das Mädchen erzähle: “Alexa hat mir ein Puppenhaus gekauft”. Den englischen O-Ton “Alexa ordered me a dollhouse” verstanden bei der Ausstrahlung prompt die Echos in zahlreichen US-Wohnzimmern als Kommando “Alexa order me a dollhouse”, was eine unbeabsichtigte Massenbestellung von Puppenhäusern auslöste [4].

Schlafen Sie also vielleicht lieber noch einmal darüber, bevor Sie die – zugegeben recht komfortable – Möglichkeit nutzen, vorhandene kommerzielle Sprachassistenten zusammen mit dem RasPi zu nutzen. Erfreulicherweise gibt es freie Alternativen zu Alexa, Siri und Co., wie etwa das direkt vergleichbare Lucida [5] oder das eher auf klassische Spracherkennung ausgerichtete Projekt Simon [6].

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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