Aus Raspberry Pi Geek 05/2026

Einführung

© Computec

Mehr Fluch als Segen?

Thomas Leichtenstern

Die KI-Entwicklung steuert in gefährliche Fahrwasser, die ihr Risiko in absehbarer Zeit über ihren Nutzen stellen könnte – warnen renommierte Forscher.

Das nukleare Zeitalter begann mit einem grellen Blitz und einer unmissverständlichen Drohung. Die künstliche Intelligenz dagegen schleicht sich auf leisen Sohlen in unser Leben – erst als praktischer Assistent, dann als unersetzliches System der Weltwirtschaft und schließlich als potenzielle Todesmaschine auf dem Schlachtfeld. Wir stehen an der Schwelle zu einer Ära, in der die Grenze zwischen technologischem Segen und existenziellem Fluch so schmal ist wie selten zuvor.

Galt der dystopische Kurzfilm “Slaughterbots” (https://www.youtube.com/watch?v=O-2tpwW0kmU 2017 noch als beängstigende Science-Fiction, dient er heute als technologische Blaupause. Autonome Drohnen mit Gesichtserkennung, die ohne menschliches Zutun Ziele ausschalten, sind die logische Konsequenz einer Entwicklung, die Geschwindigkeit über Ethik setzt. Das verkürzt die sogenannte Kill Chain, also den Feind auszumachen und ihn möglichst schnell zu töten. Zeit für Abwägungen bleibt nicht mehr. Die Kuba-Krise 1962 hätte KI-gesteuert möglicherweise ein anderes Ende genommen.

Die Bemühungen von Firmen wie Anthropic, der KI eine Art “ethische Seele” zu geben, sind Versuche, dieses System zu zähmen. Das widerspricht jedoch den Wünschen von Auftraggebern wie der US-Regierung, die Anthropic genau deswegen die Verträge gekündigt hat und stattdessen in Zukunft mit OpenAI kooperiert.

Nate Soares vom Machine Intelligence Research Institute (MIRI) bringt es auf den Punkt: “Wenn wir eine Technologie erschaffen, die klüger ist als wir selbst und die unsere Ziele nicht perfekt teilt, steuern wir auf ein Desaster zu.” Dieses systemische Risiko wird oft als P(do...

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