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Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

Editorial 01-02/2018

Mehrwert

Jörg Luther

Wer den Raspberry Pi nur als Bastelrechner wahrnimmt, der unterschätzt dessen Fähigkeiten, findet Chefredakteur Jörg Luther.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

der Raspberry Pi verlässt mehr und mehr die Bastelecke und wird zunehmend als ernsthafter Computer wahrgenommen – und das nicht nur in der klassischen IT-Ecke. Das beweist unter anderem ein aktueller Artikel in der FAZ: Das sonst als eher traditionell eingestelltes, gesellschaftspolitisch orientiertes Leitmedium geltende Blatt stellt darin den RasPi als Mediacenter-Lösung vor [1]. Wer schon länger einen Raspberry Pi 3 in Betrieb hat, der weiß freilich, dass das bloße Streamen von Musik und Filmen dessen Fähigkeiten noch lange nicht ausreizt. Tatsächlich eignet sich der Mini-Rechner dank seines flotten Prozessors, des für einen Single-Board-Computer relativ großzügigen Hauptspeichers und der durchdachten Ausstattung mit Schnittstellen durchaus auch als Arbeitsplatz für den Alltagseinsatz.

Bei mit zu Hause versieht schon seit geraumer Zeit ein RasPi 3 als allzeit parater Desktop-Rechner seinen Dienst – bei Stromkosten von unter 15 Euro pro Jahr im Dauerbetrieb ist Abschalten einfach zu unkommod. Mit dem schlicht hinten an einen Monitor gekletteten Gerät surfe ich, erledige alle meine Büroarbeiten und das Online-Banking, höre Webradio und sehe mir gelegentlich ein Youtube-Video an. An Home-Office-Tagen wurde auch schon der ein oder andere RPG-Artikel darauf getippt oder zumindest redigiert. Für all das bietet Raspbians Pixel-Desktop, gebootet von einer 8-GByte-SD-Karte, mehr als genug Ausstattung. Ich persönlich schätze außerdem dessen schlichte, unaufgeregte Oberfläche. Es gibt jedoch durchaus auch Alternativen für optisch anspruchsvollere Anwender, wie etwa die ab Seite 14 vorgestellte RasPi-Desktop-Distribution Peach Pi.

Bei schnödem Bürokram hören die Fähigkeiten des Raspberry Pi aber noch lange nicht auf. Das beweist nicht nur Waveform8 eindrucksvoll, eine Studiosoftware für professionelle Musikproduktion – mehr zu diesem digitalen Soundstudio für die Hosentasche lesen Sie in unserem Test ab Seite 36. Mittlerweile stößt der RasPi sogar in eine Domäne vor, in der ihn noch vor Kurzem niemand vermutet hätte: in die der Supercomputer. Die Firma Bitscope, eingefleischten RasPi-Jüngern durch das Speicheroszilloskop Bitscope Micro bestens bekannt – baut jetzt für das US-amerikanische Los Alamos National Laboratory Rack-Einschübe mit 144 RasPi-3-Boards, die sich zu einem Cluster mit 1008 der SBCs kombinieren lassen [2]. Darauf wollen die Forscher Systemsoftware für Supercomputer entwickeln und testen, zu einem für solche Systeme unschlagbar niedrigen Kostenpunkt [3].

All diese Beispiele zeigen, dass weniger die verbaute Technik die Grenzen für den Einsatz des Raspberry Pi vorgibt als vielmehr die Vorstellungskraft der Anwender und Programmierer. Zugegeben, an einigen Stellen könnte man den Mini-PC noch aufpolieren, etwa mit Gigabit-Ethernet und einer dedizierten Festplattenschnittstelle. Aber warten wir einfach ab, womit uns die nächste Generation des RasPi überrascht.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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