Chromecast, Spotify und Amazon Prime: Wir kaufen Medien heute immer seltener auf einem physischen Datenträger, sondern streamen sie direkt aus dem Internet. Möchten Sie nicht immer neue Hardware anschaffen, bietet sich der Raspberry Pi als wandelbarer Streaming-Client an.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
auch wenn Nostalgiker der Langspielplatte aus Vinyl zu einem erstaunlichen Comeback verholfen haben – die Masse kauft Musik nicht mehr, sie streamt. Seit Jahren wachsen die Umsätze im Streaming-Markt von Quartal zu Quartal um gut 10 Prozent. Marktführer dabei ist, mit einem Anteil von mehr als einem Drittel des Kuchens, Spotify. Danach folgen mit gehörigem Abstand Apple Music und Amazon. Für den Rest der Konkurrenz bleibt nur gut ein Drittel des Markts [1].
Möchte man diese Dienste auf einem Raspberry Pi verwenden, speziell Spotify, bleiben die Boxen allerdings stumm: Spotify unterstützt zwar ganz offiziell Linux mit einem nativen Streaming-Client, doch der lässt sich auf der ARM-Architektur des RasPi nicht starten. Auch der Weg über die Web-Applikation des Musikdiensts führt beim Raspberry Pi nicht zum gewünschten Musikangebot, denn dem Chromium-Browser des Raspbian-Systems fehlen die zwingend nötigen DRM-Module. An dieser Situation wird sich vermutlich auch in Zukunft nichts ändern.
Die Open-Source-Community lässt Sie hier jedoch nicht im Stich: Mit Raspotify stellen wir Ihnen eine Lösung vor, die den Raspberry Pi zu einem vollwertigen Streaming-Client macht (Seite 46). Der lässt sich dann per Spotify-App vom Handy, über die Desktop-Applikation des Diensts oder auch über eine textbasierte Open-Source-App vom RasPi aus steuern. Ideal also, um von Spotify gestreamte Musik kostengünstig auf einer konventionellen Stereoanlage abzuspielen.
Sollte der RasPi bei Ihnen auf diese Weise einen festen Platz im Wohnzimmer erobern, bietet es sich an, ihn auch gleich mit dem Fernseher zu verbinden. Üblicherweise macht dann LibreELEC zusammen mit der Mediacenter-Software Kodi den “dummen” Fernseher smart. Interessieren Sie sich jedoch weniger für Filme und TV-Serien, ist ein komplettes Mediacenter vielleicht zu viel des Guten. Als Alternative zeigen wir Ihnen das Duo aus Cast to TV und Playercast, das dem RasPi die Funktionen eines Chromecast-Dongles verleiht und vom Linux-PC gestreamte Inhalte direkt auf dem Fernseher abspielt (Seite 40).
Steht also bei Ihnen zu Weihnachten die Anschaffung neuer Multimedia-Hardware auf dem Programm, denken Sie vielleicht noch einmal über die Entscheidung nach. Das dafür nötige Kleingeld lässt sich mit Sicherheit auch an anderer Stelle sinnvoll investieren. Ein neuer Chromecast, eine streamingfähige Stereoanlage oder ein neues TV-Gerät laufen Ihnen nicht weg. Die Zeit bis zur Neuanschaffung lässt sich mit einem Raspberry Pi oft gut überbrücken.
Herzliche Grüße,
Christoph Langner
Redakteur
Infos
- “Mid-Year 2018 Streaming Market Shares”: https://www.midiaresearch.com/blog/mid-year-2018-streaming-market-shares/

