EU: Ja. Wir arbeiten weiter mit unseren Halbleiterlieferanten zusammen, um eine bessere Versorgung zu erreichen. Man darf nicht vergessen, dass es sich um eine einmalige Unterbrechung handelt, und wir sollten unser Geschäft nicht Spitz auf Knopf danach ausrichten. Trotzdem werden wir wahrscheinlich in Zukunft größere Sicherheitsbestände an kritischen Komponenten eines einzelnen Herstellers vorhalten.
RPG: Welchen Einfluss hat die sich abzeichnende Zuspitzung der Covid-Pandemie in China auf die derzeitige Situation der Stiftung?
EU: Wir können hoffentlich Unterbrechungen vermeiden: Die meisten unserer Halbleiterlieferanten sitzen entweder in Taiwan oder Malaysia. Bei der Versorgung mit elektromechanischen Bauteilen wie Leiterplatten und Steckverbindern könnte es zu Unterbrechungen kommen, aber wir verfügen über ausreichende Lagerbestände.
RPG: Welche Maßnahmen ergreifen Sie gegen nicht autorisierte Wiederverkäufer, die die Preise künstlich in die Höhe treiben?
EU: Wir konzentrieren uns auf die Belieferung von OEMs und zugelassenen Wiederverkäufern. Momentan erscheint es unwahrscheinlich, dass nicht zugelassene Wiederverkäufer nennenswerte Zuteilungen erhalten, was die Auswirkungen dieser Art von Preistreiberei begrenzt.
RPG: Da RasPi-Modelle derzeit kaum auf dem Markt erhältlich sind: Welche anderen SBCs würden Sie als Überbrückung empfehlen, bis sich die Situation entspannt?
EU: Ich würde den Leuten empfehlen, sich den Pi Pico und den Pico W anzusehen, die sich beide in einer sehr guten Versorgungslage befinden, sowie andere Produkte, die auf unserem Mikrocontroller RP2040 basieren. Für viele der einfacheren Projekte, in denen viele Anwender eines der großen RasPi-Modelle einsetzen, eignet sich der Pico eigentlich besser.
RPG: Herr Upton, haben Sie herzlichen Dank für das Interview!
Schweinezyklen
Einen hochinteressanten Einblick in die turbulenten Geschäftsjahre während der Chipkrise gab uns freundlicherweise Oliver Morawiec, Entwicklungsingenieur beim Halbleiterhersteller KETEK. Das Unternehmen stellt Highend-Produkte im Sensorbereich her, ist dazu aber selbst auf die Zulieferung von Chips und Platinen angewiesen.
Oliver Morawiec
Dipl.-Ing.(FH) Oliver Morawiec arbeitet bei der Firma KETEK GmbH [7] als Senior R&D Engineer. Das Unternehmen produziert High-End-Halbleiter im Sensorbereich, ist aber ihrerseits auf die Zulieferung von Chips und Platinen angewiesen.
Raspberry Pi Geek: Oliver, wie sah die Beschaffung vor der Chipkrise aus?
Oliver Morawiec: Material in geringen Mengen für Forschung und Entwicklung beziehen wir von Zwischenhändlern, die Serienproduktion ist ausgelagert. Die beauftragten Firmen kaufen direkt beim Hersteller oder Großhändler ein. Zwar waren die Lieferzeiten auch früher schon lang, die Lieferung selbst aber verlässlich. Das änderte sich mit Corona grundlegend.
RPG: Welche Art von Bauteilen waren von dem Lieferengpass betroffen?
OM: Das waren – und sind teilweise noch – alle Arten von Halbleitern, sowohl analog als auch digital, vom hochintegrierten FPGA bis zur einfachen Diode.
RPG: Kam die Knappheit für euch überraschend?
OM: Das Problem zeichnete sich schon zu Beginn der Covid-Krise ab, voll erwischt hat es uns Ende 2020, Anfang 2021. Um produktionsfähig zu bleiben, kauften wir wie viele andere Firmen große Mengen der benötigten Bauteile auf Vorrat. Das hatte zur Folge, dass viele Lager leerliefen. Generell muss man aber sagen: Solche Schweinezyklen sind in der Halbleiterbranche üblich, die gab es immer, nur nicht in diesem Ausmaß.






