Aus Raspberry Pi Geek 07-08/2020

Raspberry Pi als Instant-Messaging-Server (Seite 2)

Kommt keine Verbindung zustande, sollten Sie prüfen, ob auf dem RasPi-Server oder einem Router im Netz eine Firewall aktiv ist. Diese muss die Anfragen auf den Standard-Port 5222 des Jabber-Servers durchlassen.

Statistisches

Der Ejabberd-Server bietet in der Weboberfläche einige Anzeigen mit statistischen Daten: Über den Menüpunkt Angemeldete Benutzer sehen Sie die gerade im System aktiven Nutzer. Der Eintrag Letzte Aktivität liefert Daten zu den Aktivitäten auf dem Server. Über den Link Mehrbenutzer-Chat (MUC) überblicken Sie die auf dem Server angelegten Gruppen sowie die Anzahl der jeweiligen Teilnehmer. Voreingestellt dürfen Benutzer auch ohne Administratorrechte über Client-Programme neue Gruppen auf dem Server anlegen.

Gruppenspezifische Daten wie die zugehörigen Teilnehmer werden dabei ebenfalls auf dem Server gesichert, ohne dass Sie auf diesem Einstellungen dazu vornehmen müssten. Im Dialog Statistiken sehen Sie in der Weboberfläche des Servers die Anzahl der insgesamt registrierten und der aktuell angemeldeten Benutzer. Sollten Sie feststellen, dass der Server an die Grenzen seiner Ressourcen stößt, lässt sich anhand dieser Daten ermitteln, ob die Hardware ein Upgrade benötigt.

Händisch

Deutlich mehr und detailliertere Konfigurationsmöglichkeiten lassen sich über die Konfigurationsdatei ejabber.yml des Diensts umsetzen, die Sie im Verzeichnis /etc/ejabberd/ finden (Abbildung 5). Aus dem Terminal rufen Sie die Datei zum Beispiel mit folgendem Befehl in einem Editor auf:

$ sudo nano /etc/ejabberd/ejabber.yml
Abbildung 5: Wesentlich detailliertere Optionen zur Anpassung bietet die Ejabberd-Konfigurationsdatei <code>ejabber.yml</code>.

Abbildung 5: Wesentlich detailliertere Optionen zur Anpassung bietet die Ejabberd-Konfigurationsdatei ejabber.yml.

Ihre Änderungen speichern Sie dann mit [Strg]+[O] und [Eingabe]. Mit [Strg]+[X] beenden Sie anschließend den Nano-Editor und kehren auf die Kommandozeile zurück. Beachten Sie bitte, dass Änderungen an der Datei erst nach einem Neustart des Servers aktiv werden. Dazu nutzen Sie im Terminal den folgenden Befehl:

$ sudo service ejabberd restart

In der Datei ejabber.yml regeln Sie zum Beispiel das Logging des Servers (inklusive der vorzuhaltenden Protokolldateien), modifizieren die TLS-Konfiguration oder passen die verwendeten Ports und die Domain an.

Eine weitere wichtige Steuerungsmöglichkeit besteht in der Rechtevergabe: Wer darf neue Benutzer am System anmelden, wer Gruppen anlegen? In der Voreinstellung darf lediglich der Administrator neue Benutzer freischalten. Sie können dazu auch mehrere Administratoren in der Konfigurationsdatei benennen oder Benutzern die eigenständige Registrierung gestatten.

Der Ejabberd-Server führt Protokoll über alle auftretenden Aktivitäten. Die dazugehörigen Protokolldateien finden Sie im Verzeichnis /var/log/ejabberd/. Die Software legt voreingestellt drei Protokolldateien an: Die für den laufenden Betrieb gedachte Datei ejabberd.log nimmt die Aktivitäten am Server auf, während das Programm Fehlermeldungen in die Datei error.log schreibt. Die Datei crash.log protokolliert Abstürze. Die beiden letztgenannten Dateien eignen sich also dazu, Probleme des Servers zu lokalisieren und zu beheben.

Fazit

Ejabberd macht aus dem Raspberry Pi einen vollwertigen Instant-Messaging-Server, der sich durchaus auch für größere Projekte eignet. Dabei ist die Konfiguration bereits weitgehend sinnvoll voreingestellt, sodass Sie Ihren Messaging-Server ohne große Nachkonfiguration in Betrieb nehmen.

Als Nachteil erweist sich die im Internet auffindbare, weitgehend veraltete Dokumentation, die größtenteils noch auf alte Konfigurationsdateien und -parameter verweist und so die manuelle Nachjustierung des Servers erschwert. Daher empfiehlt es sich, stets auf die Aktualität angebotener Tutorials und Dokumentationen zu achten.

Da Ejabberd selbst keine Clients beinhaltet und das XMPP-Protokoll offen dokumentiert ist, bietet sich Ihnen bei der Wahl der Clients ein großer Strauß an Alternativen. Clients gibt es für praktisch jedes Betriebssystem und für jeden Geschmack. Daher kann sich der Raspberry Pi mit entsprechender Ausstattung durchaus als energie- und ressourcensparende Alternative zu herkömmlichen Server-Systemen auch beim Instant Messaging bewähren. 

Infos

  1. Infos zum XMPP-Protokoll: https://xmpp.org
  2. Webseite des Projekts: https://www.ejabberd.im
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