Für wenige Nutzer lohnt der Einsatz eines herkömmlichen IM-Servers nicht. Mit einem RasPi und Ejabberd nutzen Sie jedoch auch in kleinen Gruppen Instant-Messaging-Dienste lokal.
Instant-Messaging-Dienste kommen als moderne Kommunikationsform zunehmend auch in Unternehmen zum Einsatz und haben teilweise das traditionelle Faxgerät ebenso abgelöst wie E-Mails. Doch immer wieder geraten öffentliche Dienste wie Whatsapp oder Skype aufgrund von Sicherheitsmängeln in die Schlagzeilen.
Auch der um sich greifende Überwachungswahn staatlicher Institutionen lässt manchen Anwender zweifeln, ob die Nutzung eines öffentlichen Anbieters für das Instant Messaging ratsam erscheint. Doch mit geringem Arbeits- und Kostenaufwand setzen Sie mit einem Raspberry Pi einen eigenen Instant-Messaging-Server auf, bei dem Ihre privaten Chats auch wirklich privat bleiben.
XMPP
Für das Instant Messaging ist das XMPP-Protokoll [1] zuständig – das Akronym steht für Extensible Messaging and Presence Protocol. Dieser offene Standard unterstützt zahlreiche Dienste rund um die computergestützte Kommunikation wie das Übermitteln von Nachrichten, den Multi-User-Chat, aber auch die Übertragung von Dateien.
Für Raspbian und somit auch für andere Linux-Derivate gibt es in Form von Ejabberd [2] einen XMPP-Server, der mit inzwischen nahezu 20 Jahren Entwicklungszeit zu den Urgesteinen moderner Kommunikation zählt. Ejabberd ist eine reine Server-Software; um den Dienst zu nutzen, bedarf es auf den Endgeräten entsprechender Clients. Unter Linux gibt es zahlreiche Client-Applikationen, die nicht nur das XMPP-Protokoll unterstützen, sondern teils noch weitere Dienste integrieren.
Installation
Für die Installation des Ejabberd-Servers genügt bei kleinen Chat-Gruppen ein Raspberry-Pi-System der zweiten Generation. Für größere Gruppen empfiehlt sich die Nutzung eines Raspberry Pi 4 mit 2 GByte oder mehr Arbeitsspeicher, dem Sie eine große und vor allem schnelle Micro-SD-Karte als Massenspeicher spendieren sollten. Achten Sie daher darauf, dass die Speicherkarte die Class-10-Spezifikation unterstützt. Als Betriebssystem genügt ein herkömmliches Raspbian.
Im ersten Schritt verschaffen Sie sich Administratorrechte und bringen das Betriebssystem auf den aktuellen Stand (Listing 1, Zeile 1 und 2). Anschließend installieren Sie den Server (Zeile 3). Beachten Sie bitte, dass die Server-Installation etwas Zeit in Anspruch nehmen kann, da der Rechner etliche Dateien aus dem Internet herunterladen muss.
Listing 1
$ sudo apt update $ sudo apt full-upgrade $ sudo apt install ejabberd $ sudo dpkg-reconfigure ejabberd
Danach müssen Sie den Server konfigurieren. Dazu rufen Sie im Terminal den Befehl aus der letzten Zeile von Listing 1 auf. Die Routine öffnet einen Ncurses-Bildschirm, in dem Sie in wenigen Schritten zunächst den Hostnamen des Servers festlegen und anschließend ein Administratorkonto mit entsprechenden Authentifizierungsdaten anlegen. Danach steht der Server für die erste Anmeldung bereit (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Grundkonfiguration von Ejabberd nehmen Sie mit einem schmucklosen Ncurses-Werkzeug vor.
Einfachst
Bevor Sie erste Chats starten, sollten Sie den Server detaillierter konfigurieren. Dafür stellt Ihnen Ejabberd eine webbasierte Oberfläche zur Verfügung, die Sie im Webbrowser durch Eingabe der URL https://Servername:5280/admin und anschließende Authentifizierung erreichen. Die Konfigurationsschnittstelle ist optisch überaus spartanisch aufgebaut, lässt sich dadurch jedoch sehr effizient nutzen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Für die Verwaltungsaufgaben stellt der Ejabberd-Server ein – allerdings spartanisches – Webinterface bereit.
Das Webinterface bietet nun verschiedene Möglichkeiten, administrative Aufgaben zu tätigen, aber auch Server-Statistiken einzusehen. Zunächst wählen Sie einen virtuellen Host zur Bearbeitung. Dazu klicken Sie mittig im Browser-Fenster im Bereich Verwaltung auf den Link Virtuelle Hosts.
Bei kleineren Vor-Ort-Installationen findet sich hier in der Regel lediglich der Raspberry Pi, auf dem Sie den Ejabberd-Server nutzen. Bei größeren Installationen können jedoch auch mehrere XMPP-Domains angelegt sein, die Sie dann hier aufgelistet finden. Da diese unabhängig voneinander arbeiten, suchen Sie in diesem Fall die gewünschte Domain aus. Nach einem Klick auf den entsprechenden Eintrag ändert sich links im Fenster die vertikale Optionsleiste.
Danach gehen Sie dazu über, die Benutzer der lokalen Installation am Server anzumelden. Dazu klicken Sie links auf die Option Benutzer und legen im daraufhin erscheinenden Dialog die Nutzer mit ihren Passwörtern an (Abbildung 3).






