Eine Cloud-Lösung erfordert nicht immer voluminöse Server: Mit dem RasPi und der angepassten Distribution NextcloudPi komm Sie ohne umständliche Installation in den Genuss einer kompletten lokalen Datenwolke.
Cloud-Dienste versprechen viel Speicherkapazität für wenig Geld, bieten jedoch oft nur einen unzureichenden Datenschutz. Für kleine Unternehmen lohnt es sich dagegen oft nicht, eine lokale Cloud-Lösung mit einem dedizierten Server aufzusetzen, zumal dabei auch ein nicht unbeträchtlicher Installations- und Konfigurationsaufwand anfällt. Möchten Sie trotzdem die volle Souveränität über Ihre Daten behalten, schaffen Sie mit NextcloudPi [1] auf Basis eines Raspberry Pi und Nextcloud bequem in wenigen Schritten und ohne ausufernde Kosten eine sichere und verlässliche Inhouse-Cloud-Instanz.
Installation
Die Software erhalten Sie auf der Projektseite, wobei für den Raspberry Pi verschiedene Installationsmethoden zur Verfügung stehen: Neben einer herkömmlichen Installation lässt sich die Lösung auch in einem Hybridmodus aufsetzen, in dem die Daten dann auf einem externen USB-Speicher liegen. Darüber hinaus beschreiben die Entwickler eine Installation mithilfe von Berryboot auf einem externen Datenträger. In allen Fällen wird NextcloudPi als komplettes Start-Image für den RasPi bereitgestellt, sodass keine manuelle Installation zahlreicher Einzelpakete nötig ist.
Das rund 900 MByte große, gepackte TAR.GZ-Archiv belegt nach dem Herunterladen und dem anschließenden Entpacken rund 3 GByte auf der Festplatte. Damit Sie ausreichend freie Speicherkapazität für die Datenbestände auf der Speicherkarte des RasPi vorfinden, empfiehlt sich die Nutzung einer mindestens 16 GByte großen Micro-SD-Karte. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass die verwendete Speicherkarte ausreichend schnell Daten liest und schreibt, damit ein paralleler Zugriff auf das System von mehreren Arbeitsstationen im Intranet aus nicht zur Geduldsprobe ausartet. Das entpackte IMG-Abbild transferieren Sie auf die Micro-SD-Karte und starten danach den Kleincomputer mit eingelegter Speicherkarte.
Erster Start
Zunächst gelangen Sie bis an den Login-Prompt. Hier geben Sie als Benutzername pi ein und als Passwort raspberry. Beachten Sie bitte, dass beim ersten Start das US-Tastaturlayout aktiv ist und Sie daher die Buchstaben Y und Z auf der Tastatur vertauscht vorfinden. Nach erfolgreicher Authentifizierung prüft das Betriebssystem den Netzwerkzugang und bittet Sie, Raspi-config aufzurufen. Da das Programm Administratorrechte benötigt, geben Sie sudo raspi-config am Prompt ein und kommen umgehend in den gewohnten Ncurses-Bildschirm des Konfigurationswerkzeugs.
Im Dialog richten Sie in mehreren Einzelschritten nicht nur die Lokalisierung und den eigentlichen Cloud-Dienst ein, sondern aktivieren auch Boot-Optionen oder das WLAN, falls das System nicht über Ethernet ins Netz gelangt. Bei der Konfiguration müssen Sie beachten, dass die Routine die verfügbaren WLAN-Netze nicht automatisch erkennt. Sie müssen stattdessen die gewünschte SSID manuell eingegeben.
Um die getroffenen Einstellungen zu aktivieren, führen Sie mit dem Befehl reboot einen Warmstart aus. Anschließend empfiehlt sich eine Aktualisierung der Cloud-Software. Diese starten Sie mit dem Kommando sudo ncp-update. Nach Einspielen aller Updates booten Sie das System ein zweites Mal neu. Danach ist der NextcloudPi einsatzbereit. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie sich jedoch nicht mehr direkt auf dem Raspberry Pi einloggen, da die weitere Konfiguration des Systems über einen Webbrowser erfolgt.
Aus der Ferne
Die Weboberfläche des NextcloudPi erreichen Sie von jeder Arbeitsstation im Intranet aus durch Eingabe der URL https://nextcloudpi.local im Webbrowser. Beim ersten Aufruf leitet das System Sie weiter auf eine Aktivierungsseite (Abbildung 1).
Hier finden Sie zwei unterschiedliche Aktivierungscodes für den Nutzer ncp. Während der erste Code dazu dient, sich gegenüber der Settings-Seite der Cloud-Lösung zu authentifizieren, gelangen Sie mit der zweiten Authentifizierungsoption auf die Einstellungsseite der Server-Konfiguration. Diese erreichen Sie bei Bedarf auch direkt, indem Sie die URL https://nextcloudpi.local:4443 aufrufen.
Die zur Verfügung gestellten Login-Daten für den Nutzer ncp, mit dem Sie sich anmelden müssen, eignen sich aufgrund des kryptischen Passworts nur für eine erstmalige Verbindungsaufnahme. Dazu klicken Sie auf den Button Activate und laden danach die Seite neu. Nun gelangen Sie in den eigentlichen Anmeldebildschirm des Administrator-Kontos. Hier geben Sie den Nutzer ncp ein, gefolgt von dem jeweiligen Passwort. Das System leitet Sie sodann in das Dashboard. Dort finden Sie für die Konfiguration eine horizontale Schalterleiste am oberen Fensterrand (Abbildung 2).
Nach einem Klick auf das kreisförmige Administrator-Symbol ganz rechts in der Schalterleiste und anschließender Auswahl der Option Einstellungen im sich öffnenden Kontextmenü gelangen Sie in das Profil des Nutzers ncp. Klicken Sie hier in der links am Fensterrand angeordneten vertikalen Optionsleiste auf den Eintrag Sicherheit. Sie gelangen in einen Dialog, in dem Sie gleich oben im ersten Segment das Passwort ändern. Die Routine prüft automatisch die Sicherheit des Passworts und fordert Sie gegebenenfalls auf, ein neues zu wählen. Wird das Passwort akzeptiert, klicken Sie rechts auf den Button Passwort ändern. Danach gilt das neue Passwort für weitere Zugriffe.
Links in der vertikalen Optionsleiste befinden Sie sich nach dem Anmelden voreingestellt in der Hauptkategorie Persönlich, in der Sie individuelle Einstellungen konfigurieren. So definieren Sie in der Gruppe Aktivität anhand verschiedener Optionen, wie Sie bei bestimmten Aktivitäten im System benachrichtigt werden möchten. Zur Auswahl stehen stets E-Mails und Push-Nachrichten. Beide Benachrichtigungsformen lassen sich simultan für jede Aktivität auswählen, wobei Sie dazu lediglich ein Häkchen bei den entsprechenden Einträgen setzen müssen.
In der Gruppe Mobil & Desktop finden Sie Links zu verschiedenen Apps zur Datensynchronisation zwischen Mobilgeräten oder Desktop-Clients auf der einen und dem Raspberry Pi als Server auf der anderen Seite. Im Segment Barrierefreiheit stellen Sie die Designs des Bildschirms ein, während Sie im Bereich Teilen verschiedene Optionen zum Teilen von persönlichen Dateien und Ordnern konfigurieren. Im Abschnitt Datenschutz bietet das System mit der Option Verschlüsselung die Möglichkeit, eine Festplattenverschlüsselung einzuschalten.








