Um ohne Scrollen in der vertikalen Optionsleiste schnell verschiedene Funktionen aufrufen zu können, finden Sie oben rechts im Browser-Fenster horizontal eine kleine Schalterleiste, die Zugriff auf einige der wichtigsten Informationen und Optionen bietet. Mit deren Hilfe stoßen Sie zum Beispiel Backups und Snapshots an oder rufen die Systemkonfiguration sowie Informationen zur installierten Hard- und Software auf (Abbildung 5).
Synchronisation
Um Daten synchron zu halten, verfügt Nextcloud über eine Desktop-Applikation, die die Datenbestände auf dem Server und den angeschlossenen Clients automatisch im Hintergrund abgleicht. Das Programm erhalten Sie auf der Webseite von Nextcloud für alle gängigen Betriebssysteme [2]. Beachten Sie bitte, dass es sich dabei um eine 64-Bit-Applikation handelt und daher ein entsprechendes Betriebssystem auf dem Client im Einsatz sein muss. Das zur Verfügung gestellte AppImage funktioniert plattformübergreifend und arbeitet unabhängig vom distributionseigenen Paketverwaltungssystem. Sie versehen das rund 100 MByte umfassende Abbild lediglich mithilfe eines Dateimanagers oder über den Befehl chmod +x Abbild mit Ausführungsrechten und können es dann direkt starten.
Beim ersten Aufruf aktiviert sich zunächst ein Einrichtungsassistent (Abbildung 6). Er hilft dabei, sich am NextcloudPi-Server anzumelden. Dazu öffnet der Assistent zunächst ein Browser-Fenster auf dem Client, mit dessen Hilfe er die Verbindung initiiert. Sie müssen dabei auf dem Client die Server-Adresse eingeben und, je nach Konfiguration, auch eine Port-Nummer. Im Browser-Fenster melden Sie sich sodann mit den vorgegebenen Authentifizierungsdaten des Nutzers am Server an. Sobald die Verbindung zwischen Server und Client steht, schließen Sie das Browser-Fenster wieder. Der Assistent öffnet nun im Nextcloud-Client einen Dialog zur Konfiguration der zu synchronisierenden Inhalte (Abbildung 7).
Beachten Sie dabei bitte, dass das auf dem Client vorgeschlagene Verzeichnis Nextcloud nicht automatisch angelegt wird. Haben Sie die Optionen eingestellt, klicken Sie unten rechts auf Connect…. Das Programm gleicht dann zwischen dem Raspberry-Pi-Server und dem Client bidirektional sämtliche Daten ab. Nach dem Abschluss des initialen Kopiervorgangs erhalten Sie eine entsprechende Benachrichtigung im System-Tray des Desktops. Darin finden Sie auch ein kleines Nextcloud-Symbol, das nach Abschluss der Synchronisation durch ein Häkchen in einem Kreis ersetzt wird. Klicken Sie darauf, öffnet sich ein Kontextmenü zur Steuerung und Verwaltung des Clients. Die Option Settings öffnet ein Fenster auf dem Desktop, das den aktuellen Synchronisations- (inklusive der übertragenen Datenmenge) sowie Verbindungsstatus angibt (Abbildung 8).
Über die beiden Schalter General und Network oben rechts in diesem Fenster regeln Sie weitere Details der Konfiguration. Soll das System beispielsweise nicht die volle Geschwindigkeit des Netzwerks nutzen, lässt sich die vom Client in Anspruch genommene Bandbreite im Dialog Network anpassen. Im Menü General stellen Sie dagegen beispielsweise die Autostart-Funktion des Clients beim Hochfahren des Computers ab. Sobald nun auf dem Client Änderungen an den zu synchronisierenden Verzeichnissen erfolgen, werden die Daten automatisch mit dem NextcloudPi-Server abgeglichen.
Aufrüstung
Das modulare Konzept von Nextcloud erlaubt, das System mithilfe von Apps aufzurüsten. Dazu steht Ihnen ein eigener Store zur Verfügung, der eine einfache Installation der einzelnen Apps gewährleistet. Das Spektrum der Erweiterungen reicht von einfachen Bildwechslern für den Hintergrund des Anmeldebildschirms über Software zum Betrachten und Abspielen bestimmter Multimediaformate bis hin zu komplexen Lösungen für die Videotelefonie oder das kollaborative Arbeiten an Office-Dokumenten. Damit lässt sich nicht nur das Funktionsspektrum der Cloud-Lösung deutlich erweitern, sondern Sie vereinen auf einer einzigen Software-Plattform unterschiedliche Aufgaben.
In Unternehmen kommt dabei der wichtige Umstand hinzu, dass ein erheblicher Administrationsaufwand wegfällt, da die produktiv einsetzbaren Zusatzapplikationen von Nextcloud die Konfiguration und Wartung gesonderter Anwendungen erübrigen. Besonders beim Einsatz von NextcloudPi auf einem in seinen Ressourcen beschränkten Raspberry Pi sollten Sie jedoch beachten, dass aufwendige und ressourcenintensive Apps wie beispielsweise das angebotene Videokonferenzsystem oder die Cloud-basierte Office-Lösung sich nur für kleinere Umgebungen mit einer geringen Anzahl von Clients sinnvoll einsetzen lassen.
Die Integration neuer und das Verwalten bereits installierter Apps gelingt sehr einfach: Im Dashboard klicken Sie rechts oben auf den Administrator-Button und im sich sodann öffnenden Kontextmenü auf das Symbol + Apps. Die Software öffnet daraufhin einen Verwaltungsbildschirm für die bereits vorhandenen Apps, der eventuell ausstehende Updates anzeigt. Ein Klick auf den entsprechenden Schalter aktualisiert das dazugehörige Plugin. Möchten Sie alle Updates in einem Durchgang einspielen, klicken Sie oben in Fenstermitte auf den Schalter Alle aktualisieren (Abbildung 9).
Links in der vertikalen Optionsleiste des Browser-Fensters finden Sie unterhalb der Verwaltungsoptionen zahlreiche Kategorien, die die angebotenen Apps organisieren. Bei vielen Apps zeigt ein kleines Vorschaubild, was Sie erwartet. Unterhalb von bereits installierten Erweiterungen finden Sie Schaltflächen, um Updates einzuspielen oder die App vorübergehend zu deaktivieren beziehungsweise wieder ins System einzubeziehen (Abbildung 10).
Noch nicht installierte Plugins integrieren Sie durch einen Klick auf die Schaltfläche Herunterladen und aktivieren in die Installation. Dabei fallen je nach App eventuell auch manuelle Konfigurationsarbeiten an, die Sie über die vorhandenen Menüs vornehmen. Neben den Apps finden Sie in der Liste teils auch Addons für Apps, sodass je nach gewünschtem Funktionsumfang mehrere Installationsschritte anfallen können, bis eine App so funktioniert wie gewünscht. Einige der gelisteten Apps wurden zudem noch nicht von den Nextcloud-Entwicklern getestet. Diese binden Sie durch einen Klick auf die Schaltfläche Ungetestete App aktivieren in die Auswahl ein.
Fazit
NextcloudPi macht aus einem Raspberry Pi der vierten Generation ein optimales Werkzeug für das kollaborative Arbeiten und den Datenaustausch in einem kleinen Intranet. Dank der hervorragenden Vorkonfiguration lässt sich das komplette System ebenso leicht installieren wie eine herkömmliche RasPi-Distribution, und dank der exzellenten Pflege und des modularen Aufbaus der Cloud-Lösung mit zusätzlichen Apps erübrigt sich in vielen Bereichen der Einsatz von Drittanbieter-Software.
Damit stellt Nextcloud auf dem Raspberry Pi ein vollständiges Ökosystem zur Verfügung, das durch zahlreiche Zusatzfunktionen unter einer einheitlichen Oberfläche ein hocheffizientes Arbeiten im Team ermöglicht. Auch an Schulen, die über keinen schnellen Internet-Zugang verfügen, lassen sich dank NextcloudPi in Arbeitsgruppen oder im Klassenverbund innovative Lernformen praktisch nutzen, ohne dazu einen eigenen Administrator bemühen zu müssen. (cla)
Infos
- NextcloudPi: https://ownyourbits.com/nextcloudpi
- Sync-Clients für Nextcloud: https://nextcloud.com/de/clients











