Aus Raspberry Pi Geek 12/2020

Netzwerküberwachung mit Nagios und dem RasPi

© Alfred Hofer, 123RF

Wachhund

Erik Bärwaldt

Damit sich Probleme im lokalen Netz frühzeitig erkennen und lösen lassen, achtet ein RasPi mit einer speziell angepassten Monitoring-Distribution auf dessen Gesundheit.

Besonders in größeren Intranets in Unternehmen, aber auch in Heimnetzen kommt es immer wieder zu Problemen der unterschiedlichsten Art. Dabei sind Hardware-Defekte nur die eine Seite der Medaille: Auch Server- und Desktop-Software sorgt zuweilen durch fehlerhafte Abläufe dafür, dass Tätigkeiten und Arbeitsabläufe nicht richtig funktionieren oder dass gar komplette Systeme abstürzen.

In homogenen Umgebungen kommt es zusätzlich zu Sicherheitsproblemen, etwa durch eingeschleppte Schadsoftware. Dagegen hilft Monitoring-Software. Sie überwacht die IT-Infrastruktur und warnt den Administrator bei auftretenden Unregelmäßigkeiten. Zudem verfügen Monitoring-Programme über ausgefeilte Protokollfunktionen, sodass sich Fehlerquellen schnell eingrenzen und beheben lassen.

Wegen der komplizierten Konfiguration erfordern die meisten Programme dieser Spezies allerdings einen IT-Admin, der in kleineren Netzwerkumgebungen jedoch meist fehlt. Wesentlich leichter, einfacher und preiswerter implementieren Sie ein Monitoring-System für Netze jeder Größe mit einem Raspberry Pi und NEMS Linux [1]. Dabei brauchen Sie gegenüber ausgewachsenen Appliances keinerlei Abstriche beim Funktionsumfang hinzunehmen.

NEMS Linux

Das seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickelte Nagios [2] entwickelte sich seit seinen Anfängen zum Quasi-Standard beim Monitoring komplexer IT-Infrastrukturen. Nagios bietet dank seiner modularen Struktur mit vielen verfügbaren Plugins Unterstützung für nahezu alle gängigen Szenarien. Aufgrund verschiedener Abhängigkeiten lässt es sich allerdings nicht ganz einfach konfigurieren.

Bei NEMS Linux (Nagios Enterprise Monitoring Server [2]) handelt es sich um eine vollständige Linux-Distribution auf der Grundlage von Debian 10, die auf Nagios Core basiert. Die gebrauchsfertig vorkonfigurierte Monitoring-Lösung eignet sich auch für komplexe Unternehmensnetze. Das Projekt adressiert in erster Linie Einplatinenrechner und unterstützt preiswerte Mini-Computer wie den RasPi ab Modell 3 oder verschiedene Varianten des Odroid.

Vorbereitungen

Sie erhalten das Abbild für den RasPi auf der Webseite des Projekts. Dabei empfehlen die Entwickler als Mindestvoraussetzung einen Raspberry Pi 3B, wobei sie einräumen, dass das System zwar auch auf älteren Versionen läuft, sich dort aber aufgrund der leistungsschwachen Hardware nicht optimal einsetzen lässt.

Das Image steht in der aktuellen Version 1.5.2 als rund 2 GByte großes, komprimiertes ZIP-Archiv bereit, das nach dem Entpacken auf etwa 6 GByte anwächst. Entsprechend sollte die verwendete Micro-SD-Karte mindestens 16 GByte groß sein. Das Abbild transferieren Sie wie bei RasPi-Distributionen üblich mithilfe des Befehls aus Listing 1 auf die Speicherkarte. Danach starten Sie den RasPi von diesem Speichermedium.

Listing 1

$ dd if=NEMS_v1.5.2-RPi-Build1.img of=/dev/mmcblk0 bs=4M

Erster Start

NEMS Linux startet beim ersten Mal relativ gemächlich, auch auf einem aktuellen RasPi 4. Das liegt an den zahlreichen Diensten, die das System lädt und initialisiert. Dazu zählen der Apache-Webserver, Nagios Core und der MariaDB-Datenbankserver.

Verbinden Sie den Raspberry Pi während des Hochfahrens unbedingt per Ethernet-Kabel mit dem Netz, da NEMS Linux beim Start des Servers auch die Bandbreite prüft. Fehlt ein Zugang ins Netz, so bleibt die Anzeige zunächst in einer Endlosschleife hängen. Sie können diese jedoch bei Anzeige entsprechender Informationen über die Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[F2] verlassen und sich danach im System einloggen, um eine WLAN-Verbindung zu konfigurieren.

Weiterhin benötigt die Distribution möglicherweise einige zusätzliche offene Ports am Router. Dazu stellen die Entwickler eine ausführliche Dokumentation bereit [3]. Der NEMS-Server zeigt während des Hochfahrens verschiedene Statusmeldungen zur Hardware in einem Ncurses-Fenster an.

Fallen bei bestehender Internet-Verbindung die Ergebnisse des Bandbreitentests zu mager aus und resultiert daraus der Status Critical, so färbt sich der Hintergrund der Server-Statusanzeige rot. Mit [Strg]+[Alt]+[F2] gelangen Sie zur Login-Konsole.

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